Gruppendruck? Nein, Danke!

Kürzlich unterhielten wir uns wieder einmal über den so genannten Gruppendruck. Wie entsteht er, und – noch wichtiger – wie verhindert „man“ ihn bei einer Fortbildung?

Erst mal das „man“ klären. Kann eine Trainerin, ein Trainer, jedweden Gruppendruck verhindern? Oder liegt das nicht letztendlich außerhalb ihrer bzw. seiner Verantwortung bzw. Möglichkeit? Es sind doch schließlich erwachsene Menschen, die sich schon irgendwie zusammen raufen sollten. Und wenn nicht, könnten sie ja trotzdem von dieser unguten Erfahrung profitieren, indem sie immer wieder lernen (müssen), aufeinander zuzugehen, … oder etwa nicht?

Um mit Letzterem zu beginnen: eine Fortbildung ist keine Selbsterfahrungsgruppe. Das bedeutet, die Gruppendruckerfahrung kann wenig bis nichts zum Gelingen einer Fortbildung beitragen. Es sei denn, sie ist zufällig integrierbares Beispiel für Fortbildungen, in denen es um Kommunikation im Team, Teamorganisation oder um eine gelungene Besprechungskultur geht.

Doch selbst dann sollte Gruppendruck so behutsam und so schnell wie möglich von der Trainerin oder dem Trainer aufgelöst werden. Dazu gehört, Gruppendruck rechtzeitig zu erkennen. Dies gelingt durch eine immerwährende Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Konzentration auf einzelne Teilnehmende wie auf die Gruppe als Ganzes. Das unterscheidet „pure“ Fachreferent(inn)en von didaktisch geschulten oder ausgebildeten Erwachsenenbildner/innen. Nur Fachvermittlung reicht eben nicht immer. Denn: Störungen in der Gruppe wirken sich sofort negativ aus und sollten daher nicht lange unbeachtet bleiben. Weil: die Aufmerksamkeit auf die Inhalte und dadurch auch deren Aufnahmebereitschaft sinken enorm, sobald sich jemand nicht (mehr) wohlfühlt.

Wie erkennt „man“ Störungen dieser Art? Nun, zum Beispiel am „bereden Schweigen“. Ein/e Teilnehmer/in, die oder der sich vorher vielleicht mit Wortbeiträgen hervorgetan hat und irgendwann fast unmerkbar verstummt ist, kann ein/e Anzeiger/in aufkeimenden Gruppendrucks sein. Für geschulte Kräfte ist es ein Signal für erhöhte Aufmerksamkeit der Gruppe gegenüber. Fatal: nicht geschulte Trainer/innen könnten jetzt sogar dankbar dafür sein, dass „die Schwätzerin oder der Schwätzer“ endlich klein beigibt. Und übersehen in ihrer Erleichterung über die aufkommende Ruhe (vor dem Sturm) die sich auftürmenden Gewitterwolken.

Die innere Ruhe zur Beobachtung bewahren, obwohl gerade vielleicht ein komplizierter Inhalt anschaulich vermittelt werden soll, ist nicht jede/r Trainer/in gegeben. Die Konzentration auf den Stoff kann die Beobachtungsgabe hemmen. Sicherheit im Stoff ist also erste Voraussetzung, um auch didaktisch kompetent zu bleiben.

Herauszufinden, ob es sich um Gruppendruck handelt, wenn zum Beispiel in einer Workshopgruppe ein überraschend schnelles Ergebnis erzielt wurde, oder ob es sich hierbei um ein erstaunlich harmonisches Team handelte, ist sogar noch während der Darstellung des gemeinsamen (?) Ergebnisses möglich, falls die/der Trainer/in den Ergebnisprozess selbst nicht mitbekommen hat. Zum Beispiel durch Beobachtung der Körpersprache der einzelnen Workshopmitglieder bei der Präsentation. Sitzt da etwa jemand mit abwehrender Haltung, stirnrunzelnder Mimik oder verschlossenem Gesicht am Tisch? Oder hat sie oder er nur einen kleinen Hänger, Kopfschmerzen oder saure Milch im Kaffee?

Während sich didaktisch ungeübte Trainer/innen freuen, dass die Gruppe ein so schnelles und offensichtlich stimmiges Ergebnis hervorbringen konnte, werden geübte Trainer/innen sich fragen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Eine Möglichkeit wäre jetzt, nachzuhaken, ob jemand aus der Gruppe gerne noch etwas zum Ergebnis sagen möchte. Oder eine Blitzlichtrunde anregen, um Statements von allen zu hören, die dann eine Möglichkeit zur weiteren Diskussion zulassen. Also ein Podium zu schaffen, wo sich Einzelne NEBEN der Gruppe individuell und angstfrei äußern können. Mut machen gehört dazu. Beispielsweise geht die Trainerin oder der Trainer mit „guten Beispiel“ voran, indem sie bzw. er dazu auffordert, das Ergebnis noch einmal in Frage zu stellen, es zu überprüfen, vielleicht selbst dazu eine provozierende Frage stellt. Denn: traut sich die Trainerin bzw. der Trainer, traut sich in Folge möglicherweise auch die dem Gruppendruck unterlegene Person. Warm das wichtig ist? Sie wird somit wieder in das Geschehen mit einbezogen, wo vorher die innere Kündigung drohte.

Gruppendruck kann Machtkonstellationen zum Ausdruck bringen oder Inhomogenität. Sie kann ein Anzeichen von Zeitdruck und Stress sein. Grundsätzlich kann in großen wie in kleinen Gruppen Druck entstehen. Warum ich dennoch für kleinere Gruppen plädiere, liegt auf der Hand. Eine Trainerin hat mehr Ruhe und Zeit, Gruppendruck in kleineren Gruppen zu erkennen und aufzulösen als in großen Gruppen. Denn das Auflösen von Gruppendruck ist tatsächlich ihre Aufgabe, sofern sie zufriedene Teilnehmende haben möchte und Wert auf einen gelungenen Lehr-/Lerntransfer legt.

Alles andere hätte, wie gesagt, Selbsterfahrungscharakter. Aber das ist eine andere Baustelle.

Übrigens: hier in Bamberg sind die Gruppen in der Regel sieben bis neun Personen groß. Das garantiert gute Ergebnisse ohne Stress und eine Verabschiedung unter Freunden!

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