PowerPoint-Präsentation versus Overheadprojektor

Bei Präsentationen mit Overheadprojektor blieben laut einer Untersuchung mehr Inhalte bei den 90 Schüler(inne)n und Studierenden hängen als mittels PowerPoint-Präsentationen. Und sogar der einfache Vortrag ohne mediale Unterstützung war der „PPP“ offenbar voraus. Die Untersuchung mag nicht repräsentativ sein. Interessant ist jedoch, dass es sich dabei um Gymnasiasten und Studierende der Erziehungswissenschaften handelte. Vortragsgegenstand war ein neu erschienenes Buch (dpa-Meldung, gelesen im Fränkischen Tag, 3./4.9.2011).

Nun, das bestätigt meine eigene Erfahrung. Dennoch habe auch ich die Folien aus praktischen Erwägungen heraus längst verbannt. Kommt ja mittlerweile recht mittelalterlich. Auch haben viele Institutionen ihre alten Kisten in Keller abgeschoben („Oh, da muss ich mal eben nachsehen, ich weiß gar nicht mehr, wo wir den Projektor damals hingetan haben!“). Oder spätestens nach dem letzten Erlöschen der teueren Glühbirne („Das waren doch die heißen Teile mit so Drähten drin, oder?!“) auf den Elektroschrottplatz verschafft.

Dennoch – jüngst erwischte ich mich wieder mit dem Gedanken, eine Fortbildung zum Thema „Layouten für Bibliotheken“ aus didaktischen Erwägungen heraus die gute, alte Folie herauszuziehen. Auch dem Hochformat geschuldet. Meine Anfrage an die ausrichtende Organisation, ob denn ausnahmsweise der OHP zum Einsatz kommen könne, wurde allerdings noch nicht beantwortet. Das Schweigen spricht Bände ;-) Siehe dazu auch einen witzigen Blogeintrag im Schwabengulag.

Menschen sprachlich und inhaltlich zu erreichen und sie mitzunehmen auf die Bildreise, die in jedem einzelnen Kopf anders ausfallen wird, ist – aller Technik zum Trotz – unschlagbar. Direkter geht’s einfach nicht. Von Angesicht zu Angesicht, mit und durch Augen, die Projektion genug sein können. Okay, kann man ja noch mit Flipcharts und Kärtchen ergänzen, sozusagen zur Festigung den Gesagten/Gehörten.

Aus dieser Meldung habe ich wieder einmal gelernt: das eigene Gefühl für oder gegen eine Sache wichtig nehmen. Und mein Gefühl sagt mir: PowerPoint-Präsentationen müssen begründet sein, sie sind kein Selbstzweck.

Am liebsten verwende ich sie, wenn ich viele Fotos zeigen möchte, zum Beispiel für die Fortbildung Meine Bibliothek kann sich sehen lassen. Ich kann schließlich schlecht eine Deutschlandexkursion mit den Teilnehmenden veranstalten, um Beispiele von Ausstattungen, Schaufensterscheiben oder Beschilderungen von Bibliotheken zu zeigen. Hingegen würde ich immer versuchen, Flyer in echt mitzubringen, bevor ich diese einscanne und als PP-Präsentation ablaufen lasse. Kann man in die Hand nehmen, ist damit „griffiger“ als ein Leuchten an der Wand.

Oder auch für die Fortbildung Texten im Web. Klar, da gibt es viele Textbeispiele, die man zusammen „auseinander nehmen“ kann. Bevor wir alle mit gebeugtem Kopf auf die Tischvorlage vor uns stieren, ist es sicherlich geschickter, den Blick auf einen gemeinsamen Punkt zu richten.

Beamer-Einsatz mit Elementen des Web 2.0 ist wieder eine eigene Geschichte. Also, es kommt ganz aufs Thema und den Vortrags- bzw. Lehrgegenstand an. Und gute Erwachsenenbildner/innen werden sich vorab genau überlegen, mit welchen Medien sich der größtmögliche Lernerfolg zeigen wird. Und nicht, mit welchem Medium ich die beste Show ablaufen lasse. Schade nur, dass gerade in Bewertungen zunächst die Show die besseren Noten erzielt. Die Nachhaltigkeit des Gesehenen-Gehörten wird in der Regel keiner Evaluation mehr unterzogen. DA würde es sich dann zeigen, dass es qualitativ hohe Unterschiede in der didaktischen Vermittlung gab. So what?

Es gibt nur einen Mittelweg. Für Abwechslung sorgen. Dass dabei die moderne Erwachsenenbildnerin zu einer wahren Entertainerin mutiert, ist absehbar. Ist sie jedoch ohnehin hoch motiviert, ihre Teilnehmenden fürs Thema zu begeistern, dann wird sie das nicht als Zumutung empfinden. Vielleicht bekommt sie das Ganze dann auch noch honoriert – monetär wie auch in weiteren Buchungen. Und durch freudige Feedbacks sowieso.

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