Neues vom Gruppendruck

Sich wider besseren Wissens nach der Mehrheit auszurichten hatte bekanntlich schon einmal schwerwiegende Folgen für unser Volk. Doch dass bereits Vierjährige einem Gruppenzwang unterliegen, wo es doch eigentlich immer so schön heißt: „Kindern und Narren sagen die Wahrheit“, ist verblüffend.

Eine eigene Meinung haben sie sehr wohl. Doch wenn sie sie laut aussprechen sollen, obwohl die anderen Kinder etwas anderes sagen, dann passen sich die Kleinen lieber der herrschenden Gruppenmeinung an, so eine Untersuchung.

Zitat aus der Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. vom 25.10.11 „Gruppenzwang schon im Vorschulalter“:

Am ersten Teil der Studie nahmen pro Durchgang vier Kinder teil. Sie erhielten scheinbar identische Bücher mit jeweils 30 Doppelseiten, auf denen Tierfamilien dargestellt waren. Links waren Mutter, Vater und Kind zusammen, rechts nur jeweils ein Familienmitglied. Die Kinder sollten nun bestimmen, um welches Familienmitglied es sich handelte.

Aber nur drei der Bücher waren tatsächlich identisch, beim vierten war manchmal auf der rechten Seite ein anderes Bild zu sehen. Die Kinder dachten jedoch, dass sie alle die gleichen Bücher vor sich hatten. „Das Kind, welches das abweichende Buch erhalten hatte, wurde mit der aus seiner Sicht völlig falschen Einschätzung dreier Gleichaltriger konfrontiert“, erklärt Haun. „Von 24 Kindern passten sich 18 Kinder in einem oder mehreren Fällen dieser mehrheitlichen Einschätzung an, obwohl sie es eigentlich besser wussten“.

Was bedeutet das für die Workshops während Fortbildungsmaßnahmen oder für Blitzlichtrunden? Oder die obligatorische Schlussrunde? Oder beim Profilbildungsprozess?

Hier ist der Referent bzw. die Referentin gefordert, aufkommenden Gruppendruck aufzulösen. Sei es durch die Ermutigung zur Einzelmeinung oder durch eine gezielt „provokante“ Äußerung, die die „abgenickte“ Lösung der Gruppe noch einmal hinterfrägt. Oder sei es durch das Anfertigen lassen von Einzelkärtchen, die zeitgleich an die Tafel gehängt werden.

Das Begleiten der Gruppe und Be(ob)achten von Prozessen ist eine der wichtigsten Aufgaben von Trainer/in, Coach, Referent/in etc. Manchmal sieht es ja so aus, als stünden wir nur so herum und ließen die Teilnehmenden reden und arbeiten. Doch glauben Sie mir: das täuscht! Wir sind ganz Auge und Ohr, bis zur letzten Meinungsäußerung in der letzten Minute!

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