Jahresberichte im Vergleich

Jahresberichte sind ein echtes Dauerbrennerthema. Derzeit nehme ich aus gegebenem Anlass Südtiroler Berichte unter die Lupe. Ganz klar – unwillkürlich stelle ich Vergleiche mit deutschen Jahresberichten an. Und stelle fest, dass sich Intention, Text und Aufbau durchaus gleichen. Kommt es mir nur so vor, dass unsere südlichen Beinahe-Nachbarn einen Tick mehr schönere Fotos einsetzen? Ich schwelge in architektonisch ansprechenden, neuen Bibliotheksbauten oder Büchereien in historischen Burgen vor herrlicher Landschaftskulisse!

Kleine sprachliche Unterschiede (vom für mich nicht lesbaren ladinischen Bericht einmal abgesehen) bestehen in der Wortwahl, beispielsweise „Entlehnung“ statt wie im Deutschen „Entleihung“, oder „Leser“ statt wie häufig bei uns „Kunde“, und dies überwiegend in der männlichen Form. Was zwar eindeutig der Lesbarkeit dient, unserer deutschen „Verpflichtung“ des Genderns hingegen nicht entspricht. Nun ja. Und natürlich schreiben sie von Bibliotheksräten – eine Einrichtung, die bei uns gänzlich fehlt – von Mittel- statt Realschulen und überhaupt viel von gelungener Zusammenarbeit mit Schulbibliotheken.

Ein auffälliger Unterschied besteht darin, dass in Südtiroler Jahresberichten gerne gelobt und sich bedankt wird, beim eigenen Personal und den Vorgesetzten wie auch bei den zahlreichen Ehrenamtlichen, Helfern, Eltern, Lehrern usw. Sie scheuen sich dabei auch nicht, Gefühle und positive Wertungen sprachlich zum Ausdruck zu geben („toll“, „ich bin froh“, „herzliches Dankeschön“, „offenes Ohr“, „wertvolles Engagement“, …) und die Kolleginnen und Kollegen beim Namen zu nennen. Diese persönliche Ansprache macht die Jahresberichte lebendig, warm und menschlich.

Natürlich gibt es auch jede Menge rein sachlich und formal gehaltene Jahresberichte zu lesen. Zahlenwerke, wie sie auch in Deutschland durchaus üblich sind. Als Rechenschaftsbericht und um sich zu evaluieren haben sie auch ihre Berechtigung. Generell klammern sich beide Länder noch ein wenig zu sehr an Zahlenwerke, die für Außenstehende meist schwer zu interpretieren sind, da häufig nachvollziehbare Bezüge fehlen. Sind 30.000 Entlehnungen viel? Sind 10 Veranstaltungen im Jahr zu wenig? Ist der Rückgang von 15% Medien gewollt, z. B. aufgrund Aktualisierungen, oder vielmehr ein Alarmsignal, einen Etatrückgang betreffend? Die Zahlen alleine haben keine offensichtliche Bedeutung, nur im Zusammenhang lässt sich ihnen eine Bedeutung beigeben und beimessen.

So stelle ich bei der Vorbereitung auf Bozen fest, dass zwei Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Jahresbericht immer wieder „neu“ entdeckt werden müssen: der Anlass: Für wen schreibe ich einen Jahresbericht? – und darauf hin der Perspektivenwechsel: Kann der Adressat die Zusammenhänge, die Zahlen, die Besonderheiten meiner Bibliothek sehen, verstehen und die richtigen bzw. notwendigen Schlüsse ziehen?

Alles andere – die schönen Fotos, die aussagekräftigen Grafiken, die übersichtlichen Tabellen etc. – ist Ausdruck vom „Warum“ und „für wen“, nicht jedoch Selbstzweck dieser Jahresberichte.

Eigentlich bräuchte es nun gar kein Seminar mehr ;-)

Falls Sie nun trotzdem genauer wissen möchten, wie ein erfolgreicher Jahresbericht aussieht, wie viel oder wie wenig Arbeit Sie sich damit machen können oder sollen, was von all den vielen, vielen Arbeiten des Jahres seinen Eingang in den Bericht finden soll, … dann komme ich auch gerne in Ihre Institution. Falls Sie als Einzelperson Interesse an einer Fortbildung haben, so können Sie am WEGA-e-Learning-Seminar teilnehmen. Individueller Start der sechs Module zu jeder Zeit.

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2 Antworten

  1. Für die BIB-Landesgruppe Berlin geht es in 2 Wochen auch für eine Studienreise nach Bozen. Ich bin gespannt, ob sich die Atmosphäre mit den warmherzigen Jahresberichten deckt.

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  2. Da bin ich mir ganz sicher, nach den heutigen Teilnehmenden zu schließen! Eine (Fast)Berlinerin war übrigens auch dabei. Sie wird gerne bestätigen, wie wohl man sich unter den Südtirolern fühlen kann! Viel Vergnügen euch auf der Studienreise, ich lasse ein paar Weintrauben in den Hängen übrig!

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