Von Bookcrossing und Seminarcrossing

BrennerbookcrossingMein erstes Mal! Mein allererstes Bookcrossing! In Bamberg am „Gabelmo“ gefunden, begleiteteten mich die „Simple Storys“ von Ingo Schulze nach Bozen und – beinahe – wieder zurück. Am Brenner habe ich es wieder ausgesetzt. Nun liegt es (hoffentlich) nicht allzu lange einsam auf der langen Bank, bis sich ein anderer geneigter Leser oder eine Leserin zu ihm setzt.

Reise- und Seminarbericht Bozen

Trotz diverser Reiserepressalien auf der Hinfahrt (ausgefallener Zug, Schienenersatzverkehr zwischen Innsbruck und Brenner, Steckenbleiben im Fahrstuhl im Bahnhof Bozen) war das Seminar selbst („Der erfolgreiche Jahresbericht“), wie immer professionell ausgerichtet vom Amt für Bibliotheken und Lesen der Autonomen Provinz Bozen, unfall- und störungsfrei. Und nachdem ich kürzlich hier einen kleinen Vergleich zwischen Südtiroler und deutschen Jahresberichten anstellte, könnte ich jetzt damit weiter machen. Also einen Vergleich ziehen zwischen den Teilnehmenden beider Länder. Doch kurz gesagt: Südtiroler unterscheiden sich in praktisch keiner Weise von unseren deutschen Kolleginnen und Kollegen. Sie sind genau so interessiert und engagiert wie hierzulande, genau so geartet im Umgang mit den Seminarzeiten (von lässig nehmend bis superpünktlich) wie wir, und die Fragen sind (fast) die selben wie bei uns. Fast. Eines fiel mir dann doch auf …

„Darf ich“ oder „will ich“?

Dass ein Jahresbericht, sofern er nicht von Arbeit- oder Finanzgeber diktiert wird, in Form und Inhalt sowie Text völlig frei gestaltet werden kann, sorgte bei einigen wenigen Teilnehmenden in Südtirol für gelinde Überraschung und Verwunderung. Daraus ableiten könnte ich, dass die Menge und Strenge der bürokratischen Vorgaben innerhalb des italienischen Landes doch recht prägend sind. „Darf ich etwas Negatives schreiben?“ ist der Satz, den wir in unserem doch relativ liberalen Land eher selbstbewusst in „Will ich über etwas Negatives berichten?“ verändert haben.

Eine interessante Vertiefung dieser Befindlichkeiten erhielt ich während der Rückreise, als ich oben erwähntes Buch endlich weglegte. Ein Südtiroler, unterwegs zu einer medizinischen Fortbildung nach Berlin (also auch hier „Seminarcrossing“), bestätigte die Überpräsenz behördlicher Vorschriften, die zuweilen irreale Züge annimmt. Wir unterhielten uns im speziellen über die seltenen, jedoch durchaus existenzbedrohenden Pkw-Kontrollen (vom sofortigen Einzug des Autos bis hin zu Strafen, die kein Privatmensch jemals im Leben wird tilgen können) und über das italienische Steuersystem. (Okay, ich will nie wieder etwas über das deutsche Steuerrecht gesagt haben!)

Südtirol versucht, innerhalb seiner Autonomie für Ausgleich zu sorgen. Das kann denn auch einen Schuss nach hinten geben. Am Abend berichtete RAI Sender Bozen über den Joke, den sich die Landesregierung geleistet hat, Stichwort: „Bauen ohne Genehmigung“ mit der logischen Folge von Bauwildwuchs. Nun, die Regierung hatte dann quasi über Nacht die entsprechenden Nummern im allzu freizügigem Beschluss ohne große Sitzung oder Ankündigung wieder in den vorherigen Zustand versetzt. „Darf ich das?“ ist in diesem Lande also nicht nur innerhalb des Bibliothekssektors eine durchaus berechtigte Frage.

Reisen bildet

So habe auch ich wieder, wie so oft auf Reisen, dazugelernt: von Land und Leuten, übers Bookcrossing und Seminarcrossing, und über das schöne Gefühl, sich trotz unterschiedlicher Ausprägungen im deutschen Sprachraum (immer noch) gut zu verstehen.

„Pfiadt’s enk“

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