Snapshot 2000

Geschichten aus 15 + 1 Jahr WEGA-Team.

[2000] Die frische Jahrtausendzahl ist einfach magisch. Ebenso unser internationales Kooperationsprojekt zur Ausbildung einer ukrainischen Bibliothekarin zur Leitbildmoderatorin. Swetlana Barabash vom Polytechnischen Institut Kiew wird für ihre neue Aufgabe vom WEGA-Team vorbereitet. Reinhold Burger, seines Zeichens Geograph, layoutet das nachfolgende zweisprachige Projekttagebuch und wird ganz nebenbei unser neuer Referent für Office-Schulungen. Wir lernen daraus, dass eine Berührung mit dem Team ungeahnte Fähigkeiten an den Tag bringen kann, egal, aus welcher Sparte jemand kommt.*

Die folgenreiche Frage einer Seminarteilnehmerin (siehe Snapshot 1999) mündete ein Jahr später in ein wundervolles, spannendes Projekt! Der Projektpartner, die Nationale Technische Universität der Ukraine, Kiewer Polytechnisches Institut, stellte dazu Svetlana Barabash drei Monate lang (inklusive Sprachintensivkurs) ab. Sie war wohl die erste ukrainische Bibliothekarin, die eine so lange Zeit in Deutschland dienstlich verbringen durfte. Und sie hat die Zeit gut genutzt! Svetlana erwies sich als ein echtes „Glühwürmchen“ (Світлячок, sprich: Swetlatschuk, Koseform von Svetlana). Ihre Begeisterung, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, strahlte täglich spürbar, und dies sechs anstrengende Wochen lang. In dieser Zeit entwickelten wir unter anderem in den Bibliotheken Hilden und Efringen-Kirchen Leitbilder, die wir intensiv miteinander vorbereiteten und reflektierten.

Zu einer Zeit, als Weblogs noch unbekannt waren, hatten wir die Idee, unsere Erlebnisse via Netz mit anderen zu teilen, jeweils aus der Sichtweise von Trainerin und Trainee. Neben dem normalen Arbeits- und Lernpensum führten wir ein persönliches Tagebuch, welches (meist gegen Mitternacht) in HTML (damals ohne Editoren) von mir „zu Fuß“ eingepflegt wurde.

Und wiederum entstand ein Folgeprojekt: das Print-Tagebuch. Und wiederum mit der Bibliothek des Goethe-Instituts Kiew als weitere Projektpartnerin, die bereits die Reise und den Sprachkurs der Kollegin finanziert hatte. Sie sorgte nun für die kostenfreie Übersetzung des Internettagebuches ins Ukrainische. Den deutschen Teil layoutete ich in QuarkXPress, den ukrainischen Teil setzte Reinhold Burger in Word. (Ich glaube mich erinnern zu können, dass mein Programm die kyrillischen Zeichen nicht richtig darzustellen vermochte und bei Word hingegen der Stand beim Ausdrucken nie mit der Bildschirmdarstellung überein stimmte.) Die beiden separat erstellten Spalten fügten wir als Kopiervorlage zusammen, indem wir sie wechselweise ausdruckten. Herrje, war das ein Akt. Heute kann ich mir das gar nicht mehr denken, es ist – zumindest im Publishing – alles viel bequemer geworden.

Diese „Bastelaktion“ damals war jedoch der Auslöser dafür, Reinhold Burger als Trainer fürs WEGA-Team zu engagieren. Seine Geduld im Umgang mit technischen Anforderungen und seine ruhige, klar Art, vertrackte Sachverhalte zu erläutern, kamen nicht nur bei mir sehr gut an. Unser Dauerbrennerseminar „Gestalten mit Word: von der Idee in den PC“ (ich war Co-Referentin) würde wohl heute noch gebucht, wenn sich der Kollege nicht verständlicherweise wieder auf seinen eigentlichen Beruf eines Geographen konzentriert hätte. Zumindest, was die allgemeine Unterstützung organisatorischer und konzeptioneller Dinge anbelangt, kann ich jedoch weiterhin auf Reinhold zählen.

Tja. Ohne kollegiale und private Unterstützung geht es bei Selbständigen gar nicht. Daher ist die Bezeichnung „WEGA-Team“ kein Zufall. Ich sah und sehe mich hier nie als Einzelperson, denn jeglicher Erfolg ist auch das Ergebnis all der Menschen, die mir nahe stehen. Die Herausforderung ist wohl, einerseits niemanden wegen der meist unregelmäßigen Arbeitsstrukturen und Stoßzeiten zu überfordern, und andererseits mangels Verständnis darüber nicht selbst überfordert zu werden. So musste ich beispielsweise wegen der vorgezogenen Eröffnungsfeier einer großen Stadtbibliothek meine Zusage zu einem Tags zuvor gebuchten Gruppenurlaub zurückziehen, um das Corporate Design vorzeitig abzuliefern. Freunde, die das frag- und klaglos hinnehmen, sind ein Glücksfall, nicht jedoch selbstverständlich.

Apropos: Das Jahr 2000 stellte auch in ehrenamtlicher Hinsicht eine Herausforderung dar. So trat ich nach der Fusion von VdDB und vba (vorm. vbb und BBA) zum BIB die Nachfolge von  Anton „Toni“ Graf in der Landesgruppe Bayern an. Zugleich arbeitete ich in der neu gegründeten „KIFA, Kommission zur Information von Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste und Assistenten“ mit. (Ein Stück weit Bibliotheksgeschichte also auch hier.) Diese Doppelbelastung einer Ehrenamtlichkeit, die natürlich nicht nur Last, sondern auch Lust ist, dauert (noch) an. Doch dazu in Kürze mehr.

P. S.: Meine ukrainische Freundin Svetlana hat in den darauffolgenden Jahren etliche Leitbilder in ihrem Heimatland begleitet. Wir hatten uns noch einmal anlässlich der IFLA in Berlin 2003 getroffen. Außerdem war sie federführend bei der Gründung eines Kompetenzzentrums an der Universität Kiew. Sie begleitet heute eine herausragende Stellung innerhalb des Bibliothekssystems und ist dabei immer noch so sympathisch und herzlich geblieben wie ehedem.  Світлячок, iЯ посилаю дуже сердечний привіт і згадати, що особливий час з вами!

*(Aus: Unsere Teamgeschichte oder: “Man lernt nie aus!”)

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Eine Antwort

  1. Ilona, ​​internationales Kooperationsprojekt zur Ausbildung 2000 war sehr wichtig für mich persönlich! Es war ein großer Anreiz für mich im Beruf und in meinem Leben. Ich denke oft an unsere Zusammenarbeit und deine freundliche Unterstützung. Danke, meine lieben deutschen Freunde!
    Ілоно, наш спільний міжнародний проект 2000 року дуже важливий для мене особисто! Це був великий стимул для мене в професії і в моєму житті. Я часто згадую про нашу співпрацю і твою дружню підтримку. Спасибі, моя дорога німецька подруго!

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