Definition interne und externe Schulung

Wie definiert man „interne“ und „externe“ Schulung? So lautete die Frage einer Kollegin im Zuge ihrer Masterarbeit. Meine Antwort bezog sich auf die von ihr aufgestellte These:

Inhouse-Fortbildungen werden von der Bibliothek „selbst entwickelt, geplant und durchgeführt“. Sie finden überwiegend in den Räumlichkeiten der Bibliothek oder des Bibliotheksträgers statt und werden von Bibliotheksmitarbeitern oder externen Referenten veranstaltet.

Antwort:

„Entwickelt, geplant und durchgeführt“ ist ungenau ausgedrückt.

„Geplant“ kann zweideutig verstanden werden. Geplant im Sinne von „organisiert“ oder (und das dürfe wohl in der These gemeint sein) im Sinne von „auf etwas Bestimmtes hin überlegt“.  Das „Durchführen“ ist überflüssig, denn wäre es nicht durchgeführt, wäre es auch keine Schulung oder Fortbildung, sondern … eben nichts.

Von einer internen Schulung würde ich sprechen, wenn sie …

a) … speziell für die Bedarfe der eigenen Mitarbeitenden angeboten würde, unabhängig davon, ob auch noch Teilnehmende von außerhalb daran teilnehmen.

b) Keine Rolle spielt es meiner Meinung nach, woher die Referent(inn)en kommen, also ob aus den eigenen Reihen oder extern beauftragt.

c) Daher spielt es auch keine entscheidende Rolle, ob das Seminar „selbst entwickelt“ wurde. Sehr wohl aber spielt es eine Rolle, ob auf die spezifischen Bedarfe der einladendenden Bibliothek hingewiesen wird.

d) Es spielt keine Rolle, wenn eine interne Schulung außerhalb der Bibliothek stattfindet. Dann allerdings ist es keine Inhouse-Schulung. Das möge der feine Unterschied sein.

e) Eine Inhouse-Schulung ist dem Wortsinne nach also am Ort festzumachen. Sie ist damit gleichzeitig auch eine interne Schulung. Allerdings nur, wenn sie überwiegend für die eigenen Mitarbeitenden vorgesehen ist.

f) Begrifflich grenzwertig wäre, wenn die Ausschreibung als Inhouse-Schulung angekündigt wird und sie letztendlich nicht mit eigenen Mitarbeitenden besetzt wird, sondern überwiegend externe Teilnehmende kommen. Für die Abrechnung mag das egal sein. Für Referent(inn)en allerdings wäre es im Sinne der Auftragsklarheit und –erfüllbarkeit wichtig, mit dem Wort „Inhouse“ oder auch „Intern“ sorgfältig umzugehen. Ich bereite mich tatsächlich bei einer ausgeschriebenen Inhouse-Veranstaltung so vor, dass ich Fortbildungsinhalte in den Gesamtkontext der Bibliothek mit ihren Spezifika stellen würde. Kommen hingegen Teilnehmende aus unterschiedlichen Bibliotheken zusammen, würde ich manche Inhalte allgemeiner halten, eine breitere Beispielsammlung erarbeiten oder gezielt nach Gemeinsamkeiten suchen.

Fazit

Die Intention der Internen Schulung ist, dass sie an die Personalentwicklungsbedarfe einer benannten Bibliothek orientiert ist. Für die Inouseveranstaltung gilt dasselbe, mit dem Unterschied, dass diese tatsächlich im Haus stattfindet.

Wird hingegen eine einzelne Mitarbeitende zu einer Schulung gesandt, und diese Schulung ist nicht speziell auf die Bedarfe einer Bibliothek als Gesamtorganisation ausgerichtet, würde ich von einer externen Schulung sprechen.

Es ist auch möglich, alle Mitarbeitende auf eine externe Schulung zu senden, z. B., wenn ein Thema angeboten würde, welches sich als Bereicherung für die Mitarbeitenden darstellen mag, jedoch nicht speziell auf die Mitarbeitenden und ihrer Bibliothek hin entwickelt wurde.
Jemanden auf eine externe Schulung zu schicken hieße also, die Schulung findet außerhalb des Orts bzw. der Bibliothek und ohne Einbindung der Referent(inn)en in die Spezifika der Bedarfe „vor Ort“, also der Bibliothek statt.

Tatsächlich jedoch  könnte man sogar von einer externen Schulung sprechen, wenn Referent/en ohne weitere bibliothesspezifische Einweisung („Einweihung“) in die Bibliothek kommen und die Mitarbeitenden fortbilden. Dann würde ich jedoch nicht von „Schulung“ sprechen, sondern von einem externen Fortbildungsangebot im eigenen Hause. Wobei ich das Wort „extern“ ausdrücklich auf die Referent(inn)en beziehen, bzw. es sogar weglassen würde.

Alles klar? Fragen und das Angebot weiterer Erklärungsversuche und Definitionen gerne im Kommentarfeld.

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2 Antworten

  1. Ich habe ein wenig Bauchschmerzen mit der Inhouse-Definition, dass sie wirklich in den Räumen der Bibliothek stattfinden muss. Schließlich gibt es viele Bibliotheken, die keine Schulungsräume haben, die mit der erforderlichen Zahl der Plätze oder der EDV ausgestattet sind – und wo die Inhouse-Schulung dann in einer kooperierenden Institution, meist die benachbarte VHS, stattfindet. Dass es wegen diesem formalen bzw. geographischen Kriterium sich dann nicht mehr um eine Inhouse-Schulung handeln soll, fände ich ein wenig zu bürokratisch. – Für mich ist daher die Inhouse-Schulung ein Synonym für die interne Schulung.

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  2. Als Synonym könnte man Inhouse-Schulung und interne Schulung durchaus behandeln, wenn man es nicht spitzfindig werden lassen möchte. Ganz klar dehnt sich der Ort bei Kooperationen beträchtlich aus. Allerdings bin ich so weit stolz auf meine Englischkenntnisse, dass ich noch immer auch eine Ortsbindung heraus lese. Und wenn ich von einer werdenden Masterin gefragt werde, bin ich vorsichtshalber in meiner Antwort doch etwas „bürokratischer“ als sonst.

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