Fragen sind die eigentlichen Antworten

Ein wunderbarer Satz, gelesen in ununi.tv. Während die einen Fragen als inquisitorisch, unangenehm, unbequem und lästig empfinden, ploppt bei anderen ein „Aha“-Fensterchen auf. Bereits ohne genaue Antwort fühlen sie sich schon auf den Weg gebracht, entdecken weitere Fragen und Anreize dahinter, fühlen: „Hier in der Frage bin ich angekommen, da wollte ich hin!“ Die Antwort auf die Frage ist also lediglich eine Farbnuance eines plötzlich neu entdeckten Zimmers.

Warum ist das so? Nun, in meiner Kindheit und Jugend waren Fragen selten positiv auffordernd, sondern tatsächlich eher negativ belegt. „Hast du dein Zimmer aufgeräumt?!“ (Vielmehr: „Habt IHR euer Zimmer aufgeräumt?!“ – Wir drei Geschwister teilten uns, bis ich etwa 9 Jahre alt war, ganze 10 qm). „Warum hast du so lange gebraucht?!“, „Wo sind nur deine Gedanken, Kind?!“ „Hast du deine Hausaufgaben gemacht?!“

Überhaupt – alle Fragen hatten irgendwie immer ein Frage- UND ein Ausrufungszeichen.

Und selten, dass meine Antwort Erwachsene wirklich befriedigend fanden. Ihre vorgeschriebenen, erwarteten Antworttexte waren nicht meine, und meine Erlebniswelt und deren Ausdruck waren nicht die ihrigen. Missverständnisse, Ungeduld und Ablehnung die Folge auf beiden Seiten.

Die Fragen hätten jedoch auch ganz anders lauten können. Ich wette, die Antworten wären spannend gewesen! „Hast du beim Aufräumen deines Zimmers etwas lang Vermisstes wieder entdeckt?“, „Was hast du Spannendes erlebt, dass du mehr Zeit als sonst gebraucht hast?“, „Welche Gedanken haben dich gerade abgelenkt, war’s was Lustiges?“, „Sind dir deine Hausaufgaben heute leicht oder schwer gefallen? Sollen wir sie noch einmal miteinander ansehen?“

Nun, diese alten Mechanismen, Fragen von vornherein als etwas Negatives zu empfinden, müssen heute nicht mehr greifen. Wie in der Technik schreitet auch unser Denken voran, verschiebt sich unser Erfahrungshorizont. Moderne soziale Netzwerke schaffen Möglichkeiten und Erlaubnisse, die ich mir als Kind nie zu denken gewagt hätte. Vielleicht ist das der Grund, warum wir „Mittelalter“ uns doch manchmal so schwer damit tun:

Kollaboratives, vorurteilsfreies, im wahrsten Sinne des Wortes „gewagtes“ (!) Lernen, Denken und – ja, auch Fragen!  – erscheint uns zu leicht gemacht, um wahr zu sein!

(Siehe auch Beitrag unter bibfobi)

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