#bibtag14 – Facetten des Lernens, oder …

… ermöglichendes versus erwartbares Lernen. Denn man kann geteilter Meinung sein und doch das Richtige wollen. So sind nun einmal die „Facetten der Fortbildung“, wie der Übertitel zweier Vorträge tatsächlich hieß, auf die ich – trotz oder gerade durch die immer fernere Nähe zum 103. Bibliothekartag – eingehen will. Den ersten Beitrag zu Rita Höft: „Orientiert an Lernergebnissen – Fort- und Weiterbildung des ZBIW“ – hier im WEGA-Team-Blog, da ich mich direkter noch betroffen fühle. Den zweiten zu Heike Kamp: „Eine Bibliothek macht sich selber schlau …“ morgen im bibfobi-Weblog.

Qualitätsmanagent im ZBIW Köln und seine Folge(n)

Nun also: man sollte wissen, dass sich das ZBIW, Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung als Fortbildungsanbieter der Fachhochschule Köln durch CERTQUA zertifizieren ließ und von daher einem Qualitätsmanagement im Bereich des (wirtschaftlich orientierten) Bildungsmanagements folgt.

Im Zuge dessen ist es folgerichtig, auch die Ausschreibung der Weiterbildungsangebote zu überprüfen. „Hat das Ergebnis der Weiterbildung Ihren Erwartungen entsprochen?“ ist ja nicht nur eine Frage, die den Teilnehmenden gestellt wird, sondern auch dem Arbeitgeber, der die Fortbildung der Mitarbeiter bezahlt. Und diese Erwartung orientiert sich naturgemäß an der Ausschreibung.

So liegt es durchaus nahe, statt in Aussicht gestellter möglicher Lerninhalte und -ziele vielmehr klar formulierte und somit einforder-, mithin überprüfbare LernERGEBNISSE zu beschreiben bzw. vorwegzunehmenanzustellen.

Die so beschriebenen Lernergebnisse sind von den beauftragten Trainerinnen und Trainer in Form von Minimalstandards erwart- und beurteilbarer Leistungen zu definieren. Also nicht, „Ich könnte folgendes lehren“, sondern ein sehr konkret beschreibendes „der Lehrende ist in der Lage, nach der Weiterbildung folgendes zu tun!“

Kurz gesagt: „can-do“-Aussagen in zweifelsfreien Begriffen.

Womit wir beim Wörtchen „frei“ wären.

Freies Lernen versus Qualitätsmanagement-Diktat

Was sich am Beispiel „Buchreparatur“ sehr schön festmachen lässt, scheitert meines Erachtens im Bereich der Fortbildung von Soft Skill-Fähigkeiten, allen voran der zu sozialen Kompetenzen. Zeitmanagement, Selbstlernen, Kommunikation – ob im Team oder mit Kunden, Teambildung und –entwicklung etc.

Hier steht es den mündigen Lernenden hoffentlich weiterhin frei, sich in seiner impliziten Werthaltung und in einer reflexiven Auseinandersetzung mit den LernINHALTEN frei zu entwickeln und vor dem Hintergrund seiner subjekthaften Rahmenbedingungen. Sich also weiterhin frei „dort abholen zu lassen, wo er bzw. sie gerade steht“, wie es immer so schön heißt. Und nach der Fortbildung nicht dorthin gestellt zu werden, wo er oder sie nach Vorgabe des Trainers als Folge (des Diktats?) eines Qualitätsmanagements zu stehen hat.

Diese Fortbildungen der „weichen“ Inhalte also, da nicht eindeutig messbar im Ergebnis, dürften wohl in Zukunft weitaus weniger im Fortbildungsprogramm zu finden sein als bisher bereits. So jedenfalls die Mutmaßung zweiter weiterer Weiterbildungsveranstalterinnen, mit denen ich auf dem Bibliothekartag darauf zu sprechen kam.

Vertrauen ist gut …

Falls aber doch, dann sind es genau diese Fortbildungen, die künftig in einer Art Nachhaltigkeitsabfrage reflektiert werden müssten. Also in einer zeitversetzten Abfrage, die beispielsweise ein halbes Jahr nach der Fortbildung in ihrer Wirkung evaluiert werden. Denn eine Umsetzung von Soft Skills kann nur nachträglich und durch Einübung erfolgen. Manchmal sogar erst Jahre später, wenn sich „der Schalter im Kopf“ finden und umlegen ließ.

Dieses Vorhaben der Nachprüfung des ZBIW kann ich nur gut heißen. Auch die BIB-Kommission für Fortbildung, deren Vorsitzende ich bis vor einem Jahr noch war, hatte dies immer und immer wieder den Landesgruppen anempfohlen. Mit eher zurückhaltendem Erfolg. Doch Vertrauen in die Lehrenden ist gut, die Kontrolle der Wirkung ist besser.

Zum Paradigma der Subjektorientierten Erwachsenenbildung – weiterführende Fragen

Als Schlusswort erinnere ich an ein Paradigma der Erwachsenenbildung und stelle in guter Absicht seiner Erinnerlichkeit ein paar zielführende Fragen. Und da ich nicht nur seit 18 Jahren lehre, sondern selbst zertifiziert und diplomiert im Schwerpunkt Bildungsmanagement bin, darf ich mir das erlauben.

  • Wie weit ist das Bestimmen von Lernergebnissen bereits weg von der Selbstbestimmung eines reflexiv handelnden Subjekts im Sinne der Subjektorientierung (z. B. nach Walter Bender oder Erhard Meueler)?
  • Und wie weit nähern wir uns mit dem Festschreiben von Lernergebnissen einer Unfreiheit des mündigen Lernenden?
  • Ist eine Fortbildung, die en detail das Lernergebnis vorwegnehmen will, im Sinne der subjektorientierten und subjektfördernden Erwachsenenbildung, wie sie heute in Lehre und Forschung der Erwachsenenbildung verstanden wird?
  • Bedeutet ein vorweggenommenes Lernergebnis das Nicht-Vertrauen in die Fähigkeit der Lernenden zur Selbst- und Weitererschließung?

QM hin oder her – die ZBIW muss sich wohl oder übel auch diesen Fragen stellen, so wie wir Trainerinnen uns um eine noch transparentere Beschreibung der angebotenen Lerninhalte und –möglichkeiten bemühen werden. Und so beruhigte es mich von Rita Höft, Ansprechpartnerin im ZBIW, zu hören, dass es tatsächlich eine Orientierung sei und kein Diktat, wenn es um die Beschreibung von Lernergebnissen geht. Alles andere hätte mich verwundert. Denn im Grunde wollen wir ja alle das gleiche: Transparenz und Qualität für Lernende, um Lebenslanges Lernen zu ermöglichen.

P. S.: DIESER Vortrag hat es in den OPUS-Publikationsserver geschafft – besten Dank für diese Art des Qualitätsbewusstseins!

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