#bibtag14 – Immer wieder Sonntags …

… kommt die Erinnerung, schabadabada, schabadabada …, so schallte es in meiner Kindheit aus dem Radio der Eltern, und über die (meiner Meinung nach) völlig falsche Frequenz. Doch mithin auch die Erinnerung an stille, allzu stille und stinklaaaaaangweilige Sonntage, die ich … ja, ja … meist lesend verbrachte. Mit immer den gleichen Büchern (Hanni-und-Nanni, Fünf Freunde, Das Geheimnis um, Peggybücher, …) Die Auswahl meiner Tante ließ etwas zu wünschen übrig, aber ich war ja bescheiden und selig, sobald die Nasenspitze in den Seiten versank. Wie gerne hätte ich mich wohl in eine Bücherei verzogen, wenn’s die nur gegeben hätte, im Stadteil Neu-Röthenbach im Süden Nürnbergs. Alle 2 Wochen der Bücherbus für 2 Stunden, das war’s dann auch.

Plakat im Messegang zur Stadtbibliothek BremenUnd ich bin … ich sag‘ das jetzt nicht zur Show … ein christlich eingestellter und gläubiger Mensch. Doch auch mir schlagen da zwei Herzen, ach, in meiner Brust. Wie auch immer meine ursprüngliche, hin und her schwankende Meinung zur Sonntagsöffnugnszeit war, sie wurde durch den Vortrag von Tina Echterdiek „Sonntags nie – oder vielleicht doch? Erfahrungen  mit der Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek Bremen“ wieder einmal in einer (längst geahnten) Richtung bestätigt. Sonntags in die Bibliothek, das geht. Wie beim Thema „Kollegiale Fortbildung“ (siehe bibfobi-Blog) bitte freiwillig. Und damit MEINE ich freiwillig, und kein verkapptes „freiwilliges MUSS“.

Ich würde sie am Sonntag öffnen …

Nach über 30 Jahren im schönsten Beruf der Welt (mal verbeamtet, mal leidtend, mal angestellt, mal selbständig, mal ehrenamtlich) und in Abwägung aller Für und Wider stehe ich (na ja, nicht erst seit dem Bibliothekartag in Bremen) so da: Hätte ich (wieder) eine „eigene“ Bibliothek. Ich würde sie am Sonntag öffnen. Und alle gelangweilten Familienmitglieder der Welt zu einer Sonntagshuldigung des Buches, der Spiele, des Miteinanders, des Stöberns, des Denkens … einladen. Vielleicht mit einem „Feigenblättchen“ garniert, zum Beispiel einem Minialtar mit einer schön illustrierten, aufgeschlagenen Bibel, mit einer Gesprächsrunde über ethische Fragen der Neuzeit, mit einer ständig wechselnden Ausstellung über religiöse Themen, mit Schnitzkursen für Arche-Noah-Figuren … wenn Bibliotheken sich als (verlängerter/verlagerter) Ort von Familie und Schule sehen, gehört doch das Miteinander-Freizeit-Zelebrieren und das Fach „Religion und Ethik“ mit dazu. Kirchliche Bibliotheken machen uns da bereits etwas vor, und das findet niemand wirklich ablehnenswert. Oder doch?

… (nicht nur) der besonderen Atmosphäre wegen

Einkaufen und Konsum sind etwas anderes. Da habe ich ein ganz klares Nein, gehe nicht einmal in einer Tankstelle einkaufen, allenfalls am Bahnhof, wenn ich auf Reisen bin. Doch Eis essen, Kino gehen, Schwimmen, Bücher ausleihen, Museumsbesuche, Ausstellungen ansehen, … Ohne Verzehrzwang und Eintrittsgelder mich mit Freunden treffen, wenn’s regnet und ich daheim nicht aufgeräumt habe, auch das wäre ein Anlass für einen Bibliotheksbesuch. Vor allem für die Schicht, die sich inzwischen kaum mehr ‚raus traut, weil alles ‚was kostet. Da sind durchaus geringverdienende Honorarprofessoren dabei, wetten?!

Jedenfalls habe ich bei diesem Vortrag, der erwartungsgemäß einen vollbesetzten Saal bescherte, sehr, sehr viel mitgeschrieben. Dass ich hier nur wenig daraus wiedergebe liegt einfach daran, dass nichts so sehr an der persönlichen Einstellung rührt wie das Thema Sonntagsruhe. Daher wollte ich bewusst meine persönlichen Überlegungen reflektieren, die sich durch die im Vortrag zitierten Kundenäußerungen („Es ist so schön, so Sonntags unter Menschen zu kommen“, oder „Heute kann die ganze Familie mitkommen“) und statistischen Auswertungen (50% kamen mit der Familie, 65,2% waren Berufstätige) nach den sechs Bremer Versuchstagen bestätigt sehen. Immer wieder Sonntags – (nicht nur) der besonderen Atmosphäre wegen, und sicher nicht, weil es „Die neue Offenheit“ so will, wie der Session-Titel es zum 04.06. am 103. Deutschen Bibliothekartag verhieß.

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