Es stinkt im Gehirn

Den Instinkt kennen wir alle, doch was ist eine Extinktion? Ein (reales) Beispiel:

Die Referentin möchte nach einem Seminar im Osten Deutschlands nach Hause ins schöne Bamberg. Instinktiv entscheidet sie sich für den vorderen Zugteil. Denn der hat sie ja auch in umgekehrter Richtung nach Chemnitz gebracht. Soweit das Unbewusste.

Mehrere Durchsagen erfolgen. „Dieser Zug wird in Hof geteilt. Der vordere Zugteil fährt nach Nürnberg, der hintere über Lichtenfels nach Coburg.“

Das Wissen, zum Beispiel über unsere Herkunft (bei mir Nürnberg), ist so stark im Gehirn verankert, dass wir es nicht einfach mal eben so vergessen können. Zu meiner Ehrenrettung (ja, „natürlich“ folgte ich meinen Urtrieb und blieb ich im falschen Zugteil sitzen!) ist zu sagen, dass ich mich in Neuenmarkt-Wirsberg vergewisserte, dass ich tatsächlich im Zuteil nach Nürnberg saß. Was die Sache keinen Deut besser machte. Weil ich ja hätte umsteigen müssen, denn über Lichtenfels wäre ich – trotz und wegen des Streiks, der mir ohnehin bereits eine frühere Verbindung vermasselt hatte – noch vor Mitternacht nach Hause gekommen.

Extinktionslernen hätte mich auf die richtige Spur gebracht.

Wir müssen aktiv umlernen und verstehen, dass nun nicht mehr gilt, was bisher galt. Ein Phänomen, das als Extinktionslernen bezeichnet wird und viel anspruchsvoller ist, als Neues zu lernen.

So die Pressemeldung zum Schwerpunkt-Thema auf www.dasGehirn.info via idw-online (was mich etwas erstaunt hat, denn seit wann werden Webseiten-Highlights über den Informationsdienst angekündigt?)

Bei Extinktion geht es allerdings nicht um ein echtes Vergessen. Und auch nicht um ein Verlernen.

Denn wie das Beispiel schon zeigt: ich kann weder verlernen, noch vergessen (außer, ich hätte eine Krankheit wie Demenz oder Alzheimer), wes Stadtes Kind ich war. Vielmehr handelt es sich um ein zusätzliches Lernen. Der Reiz, in meine alte Heimat Nürnberg statt in die jüngere Heimat Bamberg zu fahren (mit der Gehirnleistung, dass dieser Ort bei der Durchsage nicht einmal genannt wurde, sondern nur der vorher anzupeilende Umsteigebahnhof Lichtenfels), musste vorübergehend und kontextabhängig außer Kraft gesetzt werden. (Hübsch auch erklärt in Wikipedia).

Ich bin froh, dass ich trotz dieser Eskapade erstens noch am selben Tag heimgekommen und zweitens völlig normal bin. Denn unkonzentriert wie ich nach einem Seminartag war, hätte das wirklich jedem passieren können. Jetzt muss ich künftig nur noch darauf achten, dass sich keine Verstärkung meines Fehlverhaltens einschleicht. Denn ein „Renewal“ kann jederzeit drin sein:

Verhaltensmuster, die vermeintlich durch Extinktionslernen gelöscht wurden, können auch wieder auftreten. Und zwar dann, wenn man nicht mehr in der Umgebung ist, in der das Verhalten verlernt wurde.

Also, aufgepasst auf allen Reisen! Die nächte steht schon vor der Tür, ins wenig gut bekannte Sauerland.

 

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