B wie “Beliebte Lernsettings“ – und ein kleiner Schock

E-Learning ist nicht das beliebteste Lernsetting, so viel steht meiner Beobachtung nach fest. Noch kann mir zumindest für die Bibliothekswelt und die des öffentlichen Dienstes niemand etwas anderes beweisen. Nach wie vor scheint mir „Dozentenzentriertes Lernen“ vorzuherrschen und auch bevorzugt konsumiert zu werden, gerne durchmischt mit weiteren „Settings“ (beliebter Ausdruck in der Erwachsenenbildung, der auch mit Anordnung, Situation oder Gestaltung ersetzt werden kann). In der Studie „Lernen Älteren“* wird das „erweitertes dozentenzentriertes Lernen“ genannt.

Außerdem dort aufgeführt: vielfältiges, austauschorientiertes, praxiserprobendes und selbstorganisiertes Lernen.

Böse Zungen sagen: „Konsumorientiertes Lernen“

Ein Blick auf Seite 68 (von 221) Seiten in den Absatz: „Erste Zwischenbilanz: „Diskussion der beliebtesten Lernsettings“ löst einen kleinen Schock bei mir aus. Und bestätigt meine eigene Erfahrung. Auch mich verblüfft es immer wieder, dass allen Forschungen und Einsichten zum „Neuen Lernen“ zum Trotz eisern am „Alten Lernen“ festgehalten wird. Ein Lernen, wie wir es (die geburtenstarken Jahrgänge) gewohnt waren: vorne wird gesprochen, hinten andächtig zugehört oder Seitengespräche geführt. Beste Unterhaltung.

Und ich falle jetzt fast vom Stuhl: auch in der Studie wird vom „konsumieren“ gesprochen. (Sie sollten vielleicht wissen, dass ich iderativ schreibe, erst mit eigenen Gedanken beginne und DANACH wieder ein Stückchen weiterlese und die wertvollen Erkenntnisse mit einbaue, selbstverständlich zitiert und/oder mit Quellenangabe).

Also, ich kippe fast vornüber … ja, ne, kein Stuhl, ist Sofa, gerade sitze ich mit Laptop gemütlich kurz vor Mitternacht, … ach, egal … ich fühle mich jedenfalls voll in meinen Beobachtungen bestätigt und lache erleichtert auf.

Hauptsache, es wirkt

Nicht ICH bin es also, die da irgendwas vergeigt hat, wenn sich das Gefühl einschleicht: Herrje, ich soll also wieder mal „abliefern“, niemand scheint hier selber denken zu wollen! – sondern es passt ganz offensichtlich einfach nicht in die übliche Erfahrungswelt der Lernenden, oder die Teilnehmenden sind „extrinsisch motiviert“, vor allem diejenigen, die „zum Lernen verdonnert wurden oder sich verpflichtet sehen“.

Nun bin ich doch irgendwie beruhigt. Denn solange ich es schaffe, sofort auf ein neues Lernsetting umzuswiften, sobald es mir zu dröge und ineffizient erscheint, nur abzuliefern, und solange mir niemand bei meinen Ausführungen einzuschlafen droht (vom gelegentlichen Augenblinzeln im berühmten Suppenkoma mal abgesehen), darf ich also gerade den älteren Lernenden gerne das sein, was sie sich so sehr wünschen: inhaltlich kompetent und auf die Situation eingehend, sowohl auf die fachliche als auch auf die persönliche. Dafür also weiterhin die akribische Vorbereitung für den Fall der Fälle.

Und sollte mal wieder jemand sagen: „Ach, wenn ich schon die bunten Zettel auf dem Tisch sehe, dann könnte ich glatt umdrehen!“ werde ich mich nie mehr leicht frustriert fragen, wie in aller Welt wir etwas gemeinsam visualisieren sollen, wenn’s auch keine Technik in Form von Simultan-Powerpoint-Präsentationen sein darf. Nö. Also, die Zettel gibt’s trotzdem, übrigens.

Zwischen den Lern-Stühlen

Nun, es ist, wie es ist. Und die Lernbegleiterin mitten drin zwischen diesen Lernwelten und Sofas – äh, Stühlen. Vor allem, wenn die einladende Organisation sich regen Lernbetrieb erwartet, und so er’s von Seiten der Teilnehmenden nicht gewollt ist, die Ursache bei den Referent(inn)en sucht. Nö, so einfach ist das nicht.

Lernen, bittesehr, wie es uns gefällt. Und das ist ja schließlich auch eine Form von „Selbstwirksamkeitslernen“, oder etwa nicht?! Die Hauptsache ist, es wirkt. Und da muss ich jetzt doch aber ganz, ganz ehrlich sagen: Selberdenken wirkt genau so gut. Jedoch viel länger! Ehrlich! Ist bewiesen!

* Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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