D wie Diskussion und Dozentenzentriertes Lernen

„Wenn alles schläft und eine/r spricht, so nennt man dieses … “ – dozentenzentriertes Lernen. Genau. Fatal: es scheint ein äußerst beliebtes Lernsetting zu sein.*

Einsam, einseitig, einschläfernd

Ohne Diskussion zum vermittelten Stoff ist es doch recht einseitig, einsam und einschläfernd, den zu lernenden Inhalt zu reflektieren, zu hinterfragen und zu vertiefen. Unmöglich ist es allerdings nicht. Auch im eigenen Kopf lassen sich Fragen aufwerfen und beantworten. Und eine Nacharbeit durch Lektüre hat durchaus seinen Sinn. Warum aber sollten man sich dann auf die Reise machen und eine Fortbildungsveranstaltung besuchen, wenn es in dieser Form auch zuhause im stillen Kämmerchen ginge? Gibt ja auch Fernlehrgänge. Diese jedoch sind nicht ohne Grund ebenfalls mit Präsenzveranstaltungen konzipiert.

Das A und O für Gruppen also, zu denen ein/e Dozent/in spricht, ist die gemeinsame Diskussion und ein moderierter Austausch. Nur so lassen sich weitere wertvolle Informationen nebst dem Erfahrungswissen der Anwesenden einbeziehen und tragen zur Abrundung bei, lassen sich Theorien zu Gunsten gelebter Praxis hinterfragen und übertragen, erfährt der einseitig (dozentenzentrierte) Lernnhalt nötigenfalls auch einer Korrektur und entgeht der Gefahr von Indoktrination und Fehlbeurteilung. Denn Dozent/inn/en sind schließlich auch nur Menschen.

Ich persönlich leide …

So weit, so (wieder einmal) die Theorie. Ich persönlich leide immer noch viel zu häufig von der Anspruchshaltung Teilnehmender, die sich (und mich) erschöpfen, indem sie meine Rolle als reine Ideengeberin, Informationsdienstleisterin und Lieferantin von Rezeptbuch-Lösungen definieren. Glücklicherweise werden es immer weniger. Doch sie wachsen nach, wie eine Hydra. Ich will damit keineswegs meine Teilnehmer/inne/en verunglimpfen oder negativ reden. Eher (wiederholt) das Lernsystem in Frage stellen, aus dem sie entwuchsen und das sie vermutlich geprägt hat.

… und ich frage euch:

Eltern, Schule, Berufsausbildung, Studium – Leute, was macht ihr da mit unseren so notwendigen „Human Ressources“? Denn ein natürlich-menschliches Lernen ist das nicht, was da offenbar erlebt wurde. Eher etwas, was mit stupider Technik, mit Programmieren zu tun haben muss und sich in diesem unglücklichen Begriff ganz passend ausdrückt. Nach dem Motto: Einmal den Code geschrieben, dann auf den Startknopf gedrückt und siehe da: es kommt (nur) Erwartbares heraus. Oder einem körperlichen Erbrechen ähnlich: Schlecht gekaut runtergeschluckt, kurz anverdaut und wieder ausgespuckt. Dabei kommt zwar eine andere Masse raus als rein, insofern wurde mit dem Lernbrei durchaus etwas getan, doch diese Verwandlung können wir uns wahrlich ersparen. Igitt. Nachhaltig ist DAS jedenfalls nicht.

Ich persönlich wünsche mir …

… auch, wenn’s uns Dozent/innen ein hohes Maß an Wahrnehmungbereitschaft, Konzentration, Offenheit und Flexibilität abfordert … noch viel mehr aufmerksame, aufgeschlossene und gerne auch aufmüpfige (nicht gemeint sind clowneske) Teilnehmende, die aus dem Gehörten und Gesehenen (PowerPoint und Flipchart lassen grüßen!) eines zunächst dozentenzentrierten Inputs unsererseits etwas Neues machen. Denn nur durch Fragen, Gespräche und im Austausch kann sich Wissen in Bildung verwandeln und praxisrelevant wirken.

Somit könnte dieser Beitrag heute genau so gut unter dem Anfangsbuchstaben „B“ stehen. Denn das ist mein Fazit:

Bildung ist erst dann Bildung, wenn Wissen diskutiert und dozentenzentriertes Lernen der Vergangenheit angehört.

Dafür will ich mit Sorge tragen. Ob ich nun von Einzelnen, die sich dadurch nicht so gut genug bedient fühlen, eine schlechtere Beurteilung im Feedback-Bogen erhalte oder nicht. Diese Ausreißer spornen mich nur noch mehr an, der Wissensbulimie ein Ende zu bereiten.

Kann ja einfach nicht gesund sein, oder?!

* Siehe Kapitel 3.2, S. 36 ff: „Beliebtes Lernsetting 1: Dozentenzentriertes Lernen“ aus der Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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4 Antworten

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