E wie „Erweitertes dozentenzentriertes Lernen“ und „Erfolg“

Kann bereits von einem „beliebten Lernsetting“ gesprochen werden, wie es die Stuttgarter Studie „Lernen Ältere“* tut, wenn sich gerade einmal 18 Prozent der älteren Verwaltungsmitarbeitenden an das Erweiterte dozentenzentrierte Lernen als positive Lernerfahrung erinnert? Wobei sich die Teilnehmenden, um genau zu sein, doch eher an das Dozentenzentrierte Lernen erinnert. Denn die Umfrageergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Lernorte genutzt und zu unterschiedlichen Zeiten auch ohne Dozent/in, also selbstorganisiert alleine oder in Gruppen gelernt wurde und de facto auch verschiedene Lernquellen herangezogen wurden.

Fassen wir zusammen, was „Erweitertes dozentenzentriertes Lernen“ ausmacht:

  1. unterschiedliche Lernorte (Arbeitsplatz, Schulungsraum, Privatraum, andere Räume, unterwegs)
  2. unterschiedliche Lernzusammensetzungen (Einzelarbeit, Gruppenarbeit, mit Dozent/in)
  3. unterschiedliche Lernzeiten (während und außerhalb der Arbeitszeit)
  4. unterschiedliche Lernphasen / -längen (am Stück mehrere bzw. wenige Stunden bzw. Wochen)
  5. unterschiedliche Informations- und Lernquellen (neben Dozent/in eigene Beiträge, Kolleg(inn)en, Diskussion und Austausch, vorbereitete und selbst zusammengestellte Unterlagen, Lernprogramme am PC)
  6. fremd- oder Selbstbestimmte Lernziele und das Tempo der Lernzielerreichung
  7. fremd- oder Selbstbestimmung der Lerninhalte und -wege

Diese Liste habe ich im Wesentlichen abgeleitet aus den Fragestellungen der Studie, die die Punkte noch etwas  differenzierter und in unterschiedlichen Frageblöcken untergebracht hat.

Erfolgreiches Lernen

Wenn etwas wirksam ist, dürfen wir – ganz, ganz grob – von Erfolg sprechen. (Nachhaltigkeit klammere ich an dieser Stelle grad mal aus.) Daher ist das Ergebnis, ob Selbstwirksamkeitserleben beim erweiterten dozentenzentrierten Lernen gegeben war, besonders spannend.

Tatsächlich konnte von den Teilnehmenden der Studie „im Großen und Ganzen“ bestätigt werden, das beim „Erweiterten dozentenzentrierten Lernen“ jederzeit gewusst wurde, wozu und was und wie zu lernen war, in welchem Gesamtzusammenhang die Einzelthemen und Inhalte standen und auch der Lernfortschritt erkannt wurde.

Einen 100-prozentigen Erfolg bestätigte in der vierstufigen Wertung zwar niemand, doch treffen wir exakt das gleiche Ergebnis zum Selbstwirksamkeitserleben beim „vielfältigen Lernen“ und – ja, man staune! – beim Dozentenzentrierten Lernen an.

Abgeleitetes Fazit im Kontext meiner persönlichen Erfahrung

Am meisten verblüfft mich, doch bestätigt meine Erfahrung gleichzeitig, dass sich die Lernenden voll auf ihre Dozent(inn)en als Lernquelle verlassen würden. Auch würden mehrheitlich keine anderen Quellen genutzt und fände zeitlich intensives Lernen nicht im Privaten statt, so die Studie.

Für Ältere also, die krankheitsbedingt längere Phasen zuhause sind oder die an einem Telearbeitsplatz von zuhause aus arbeiten, scheint das Lernen ohne Dozenten und Lerngruppen kaum erfolgreich zu sein.

Dass sich ältere Lernende schwerer mit selbstbestimmten Lernen tun, kann ich tatsächlich im Zusammenhang mit unseren WEGA-eLearning-Seminaren bestätigen. Sie möchten häufiger motiviert werden, brauchen oft mehrere Anläufe, um sich mit den Modulen anzufreunden und brechen diese häufiger früher ab. Hingegen arbeiten sie sehr viel differenzierter aus und gehen bei den Antworten mehr in die Tiefe. Vor allem bestechen ältere Lernende durch „eigene“ Antworten und Erkenntnisse, die sie offensichtlich nirgends abgeschrieben oder mit c&p implementiert haben. Und geben unaufgefordert Feedback auf der Meta-Ebene.

Müsste ich also einen Unterschied im Lernverhalten von Jüngeren und Älteren im Bezug auf Erweitertes dozentenzentriertes Lernen festhalten (was mir nicht wirklich so sympathisch ist), dann diesen:

Beide Lebensaltersphasen ziehen nach wie vor dozentenzentriertes Arbeiten vor. Jüngere erscheinen einen Tick flexibler, was die Lernsettings angeht, Ältere lernzielorientierter als Jüngere, die Lernen pragmatischer sehen nach dem Motto „Wenn das Lernergebnis unmittelbar sichtbar meiner momentanen Aufgabe nützt, ist mein Lernen erfolgreich. Alles andere will ich schon gar nicht erst lernen“. Ältere hingegen sehen das Lernen an sich als herausfordernd an und freuen sich am Ergebnis selbst, nicht so sehr an der „Gewinnmaximierung“.

Zuhause bzw. privat lernen favorisieren offenbar beide Gruppen nicht.

* Siehe Kapitel 3.3, S. 42 ff: “Beliebtes Lernsetting 2: Erweitertes Dozentenzentriertes Lernen” aus der Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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3 Antworten

  1. […] E wie “Erweitertes dozentenzentriertes Lernen” und “Erfolg” […]

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  2. […] erweiterte dozentenzentrierte Lernen bevorzugen Frauen (21%), Männer hingegen nur zu […]

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  3. […] In der Studie Lernen Ältere*, auf die ich meine A-Z-Einträge beziehe, war ein Ergebnis, dass sich Teilnehmende in selbstorganisierten Lernsettings die Unterlagen selbst zusammensuchen würden. Das Vorgehen ist selbstverständlich empfehlenswert. Nur – gar so begeistert sind die befragten Älteren nicht von dieser Möglichkeit. Sie lernen überwiegend lieber in erweiterten dozentenzentrierten Lernsettings. […]

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