F wie Fortbildung

Das Erstaunliche an der Studie „Lernen Ältere“* ist, dass auf 221 Seiten kein einziges Mal das Wort „Fortbildung“ auftaucht. Das Wort „Lernen“ naturgemäß sehr häufig, darauf komme ich jedoch im entsprechenden Blogeintrag „L“ intensiver zu sprechen.

Um mich und Sie nicht in allfällige Definitionen und Abgrenzungen des Fortbildungsbegriffs zu ermüden (hatte ich 2013 hier), interessiert mich heute einfach, welche verwandten Begriffe sich in der Studie wiederfinden und habe mir außerdem den Kontext, in dem sie genannt werden, näher angesehen:

Weiterbildung im Zusammenhang mit Kontinuität, Investition, Angeboten, Attraktivität, Selbstwirksamkeitserfahrung, Umfang, Ausrichtung, Lernquellen, Lernsettings, Förderung, Kosten, Bildungsanbieter

Ausbildung im Zusammenhang mit Schule, Beruf, Abschlüsse, „weitergehende Ausbildungen mit formalen Abschlüssen“ (Was ist damit gemeint? Siehe S. 21), Lernaktivitäten

Training   im Zusammenhang mit Einzeltraining (S. 24), als Synonym für Selbstlernen (S. 45), mit Sprache (S. 29), mit Sport, Bereich „Gesundheitsmanagement“ (ab S. 145 ff, im Kapitel 5.3)

Kurs beschrieben als „eine oder mehrere Lernhandlungen“ (S. 15), „eher privat motivierte Lernziele“ (S. 23), „Im Rahmen der Arbeitszeit werden Kurse von kürzerer Dauer besucht“ (S. 38), im Zusammenhang mit Auffrischung (ab S. 169, im Kap. 5.6) und öfter im Kontext „privater Finanzierung“.

Seminare im Zusammenhang 1x mit „Seminartag“ (S. 195), sonst mit „klassischem Seminarlernen“ und fast ausschließlich mit „Seminarraum“

Erwachsenenbildung im Zusammenhang mit Forschung (lediglich 1x auf S.67)

Reflexion und persönliche Konsequenz dieser Untersuchung

Der Zusammenhang, in dem der Begriff „Training“ verwendet wird, überrascht mich absolut nicht. Sprache und Sport sind Diszipline, in denen Üben und Wiederholen, also trainieren, für den größtmöglichen Erfolg sorgen. Einüben schadet auch in einer Fortbildung, Weiterbildung, Ausbildung u. ä. ganz sicher nicht, sondern sind notwendige Bestandteile. Jedoch …

Ich hatte beim Wort „Training“ immer schon das Bild eines Dompteurs vor Augen und wundere mich erneut, warum ausgerechnet ICH den Begriff in meinem Slogan aufgenommen habe. „Das WEGA-Team – PersonalTraining und OrganisationsLernen“. Ich schätze, es ist dem gewohheitsmäßigen Gebrauch in den 80er bis 90er Jahre geschuldet, und weil es schön kurz ist. Ich erinnere mich jedoch, lange darüber gebrütet zu haben, ob ich ihn verwenden soll. Mein Fazit: Noch in diesem Jahr ersetze ich „PersonalTraining“ durch „PersonalEntwicklung“, auch, wenn es sperriger ist und nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Schlechter ist er jedenfalls nicht, und meine Kunden im Öffentlichen Dienst verstehen ihn bestens.

Von der Relevanz der Begriffe schneidet der Begriff „Kurs“ meines Eindrucks nach eher niederrangig und nebensächlich ab. Vermutlich hat er durch die VHS-Kurse oder von „kursnet“, einem (gehässige Menschen sagen „Schlag-den-Tag-tot“-)Angebotskatalog der Agentur für Arbeit sein Image weg. Blicken wir auf unseren „Quick&dirty-Auskunftsdienst“ Wikipedia, fällt sofort ein Bild ins Auge mit dem Untertitel „Ein Kurs für Senioren“, darauf brav mitschreibende, gesenkte Köpfe. Tja.

Und tatsächlich verwende auch ich in meinen eigenen beruflichen Beschreibungen das so praktisch kurze Wort „Kurs“, doch lediglich für die Nummerierung der laufenden WEGA-PraxisSeminare. Mein Fazit: Da kann es ruhig bleiben, in der Hoffnung, es schadet nicht. Und für Arbeitslose bin ich schließlich auch eine Kurs-Quelle mit meinen ProfilPASS®-Beratungen.

Kommen wir zum Begriff „Erwachsenenbildung“, der immerhin mit „Forschung“ einhergeht, somit ein gehobenes Image haben dürfte. Dennoch – mit nur einer Nennung in der Studie ist er praktisch in die Bedeutungslosigkeit versunken. Au weia.

Mit tut das natürlich weh, ist meine Berufsbezeichnung doch „diplomierte Erwachsenenbildnerin“. Und mithin eine Lernbegleiterin, was wohl nur die wenigsten damit assoziieren. Nun heißt jedoch die Studie „Lernen Ältere“. Für mich läge es auf der Hand, den Begriff hin und wieder zu verwenden, oder nicht? Mein Fazit: Ich stelle mich künftig besser mit „Lernbegleiterin“ als mit „Erwachsenenbildnerin“ vor, das erscheint gängiger. Obwohl – dann werde ich sicherlich gefragt: „Oh, Sie geben Nachhilfeunterricht?!“

Na ja, irgendwie schon. Eher jedoch „Hilfe zur Selbsthilfe“. Doch mich jetzt als Helfershelferin zu bezeichnen, führe jetzt wirklich zu weit! Schluss mit diesen Wortspielchen, gehen wir lieber wieder zu den Inhalten über, ob als Trainerin, Erwachsenenbildnerin oder Kursleiterin …

* Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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Eine Antwort

  1. […] der Studie “Lernen Ältere”* auf 221 Seiten vermisst: das Wort Fortbildung. Doch dafür findet sich “Lernen” in vielfältigen Zusammenhängen. Ich habe mir den Spaß […]

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