G wie Geschlecht (I): Beliebte Lernsettings

Jetzt wird’s spannend – die Studie „Lernen Ältere“* nimmt bei einigen ihrer Ergebnisse die Geschlechter näher unter die Lupe, beispielsweise …

  1. im Kapitel „Ergebnisse“ aus dem Teil I: „Wie Ältere gerne lernen“ (Beliebte Lernsettings)
  2. im Kapitel „Erfolgsoptimierte Lernsettings nach Geschlecht“ aus dem Teil II: Wie Ältere erfolgreicher lernen [Siehe nächsten Blogbeitrag.]
  3. im Kapitel „Günstige Rahmenbedingungen nach Geschlecht“ aus dem Teil IV: Welche Rahmenbedingungen das Lernen der Älteren unterstützen. [Siehe übernächsten Blogeintrag]

Betrachten wir uns heute zunächst den Punkt 1. „Erfolgsoptimierte Lernsettings nach Geschlecht“.

In der Studie wurde der Frage nachgegangen, welche Einflussgrößen auf eine Lernhandlung, insbesondere auf die Selbstwirksamkeit(serwartung), einwirken. Ziel der Studie war – grob vereinfachend – Rückschlüsse auf ein erfolgreiches Lernen ziehen zu können, um daraus zielgruppengerechte Lernsettings zu entwickeln.

Und – ja, es gibt Unterschiede bei den Geschlechtern!

Der ganzen Studie kann ich leider nicht gerecht werden, ich ziehe hier ganz grob ein paar Ergebnisse aus der „Ersten Zwischenbilanz: Diskussion der beliebten Lernsettings“ (Kapitel 3.8) heraus, lasse dabei die Unterscheidung nach „beliebte Lernsettings nach Lernbiografien“ außer acht (S. 68), die jedoch Erklärungsmodelle der nachfolgenden Zahlen (S. 69 ff) liefern würden.

Das dozentenzentrierte Lernen scheint bei Männern (31%) beliebter (als „positive Lernerfahrung“ bezeichnet) zu sein als bei Frauen (14%).

Kurios: Dennoch möchten mehr Männer (18%) lieber selbstorganisiert lernen als Frauen (13%).

Mein Fazit: Da scheint sich meines Eindrucks nach eine Schere zwischen Konsumhaltung und Eigenengagement beim männlichen Geschlecht aufzutun. Die Ableitung in der Studie spricht hingegen davon, „dass das Geschlecht […] hier gar nicht der erklärende Faktor [wäre]“.

Das erweiterte dozentenzentrierte Lernen bevorzugen Frauen (21%), Männer hingegen nur zu 14%.

Keine Überraschung für mich ist es (und das sei mein Fazit), dass mehr Frauen (19%) ein austauschorientiertes Lernen suchen als Männer (15%).

Wie gesagt, es geht um ältere Lernende, hier die Verwaltungsmitarbeitenden der Landeshauptstadt Stuttgart.

Meine Eindrücke und Ableitungen

Wie es mit der Beliebtheit von Lernsettings bei Bibliotheksmitarbeitenden aussieht, wäre eine eigene Studie wert. Allerdings fürchte ich, es gibt zu wenig Männer in unserem Berufszweig, um ein signifikantes Ergebnis zu erhalten. Vorerst kann ich nur meinen persönlichen Eindruck aus dieser ganz eigenen Welt wiedergeben, ich unterscheide jedoch im Folgenden nicht zwischen jüngere und ältere Lernende, sondern nehme die Geschlechterrollen unter die Lupe.

Bei durchschnittlich 12 Teilnehmenden einer Fortbildungsveranstaltung, die ich lernbegleite, zähle ich einen bis zwei, maximal drei Herren der Schöpfung, bei Inhouse-Veranstaltungen können es auch mal 20% sein. Und diese verhalten sich überwiegend zurückhaltend, doch stets sehr aufmerksam, woraufhin ich „Dozentenzentrierung“ ableite.

Eher selten erlebe ich Vielredner mit einem Hang zum „Ich weiß es besser als die Dozentin“, für mich ein Zeichen für Potenzial zum „Selbstorganisierten Lernen“. Allerdings lassen genau diese Männer in Workshops ganz gerne den Frauen den Vorrang, wenn es um die Präsentation der Ergebnisse geht.

Workshops – dazu komme ich in einem späteren Beitrag noch – sind gemeinhin Lernsettings mit hohem Anteil an Eigenleistung. Ganz grundsätzlich sind sie meiner Beobachtung nach von beiden Geschlechtern erwünscht, doch tatsächlich nicht wirklich heiß geliebt. Und wenn, dann bitte mit möglichst detaillierten Instruktionen! (Was ich im Grunde einem „erweiterten dozentenzentrieten Lernen“ zuordne.)

Jedoch: sobald ein Mann in der überwiegend von Frauen besetzten Gruppe dabei ist, fällt es der Gruppe spürbar leichter, sich zu organisieren und Ergebnisse zu generieren.

* S. 69 ff in: Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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3 Antworten

  1. […] Sie im ersten Blogteil erfuhren, wie Ältere gerne lernen, befasse ich mich heute mit dem Studienergebnis des Kapitels “Wie Ältere erfolgreicher […]

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  2. […] [Zum Beitrag “G wie Geschlecht (I): Beliebte Lernsettings”] [Zum Beitrag “G wie Geschlecht (II): Erfolgsoptimierte Lernsetting”] […]

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  3. […] Workshop möchten, sondern Frontalvorträge und / oder Einzelarbeit. Siehe auch die Beiträge “G wie Geschleche (I): Beliebte Lernsettings” | “G wie Geschlecht (II): Erfolgsoptimierte Lernsettings” | “D wie Diskussion und […]

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