G wie Geschlecht (II): Erfolgsoptimierte Lernsettings

Tageweise, in der Öffentlichkeit, aus eigenen Unterlagen sowie im Austausch – so lernen Frauen erfolgswirksam. Männer lernen idealerweise lieber nicht aus vorbereiteten Unterlagen. Beide Geschlechter bevorzugen eine altershomogene Gruppenzusammenstellung. So in grober Kürze „das Fazit aus dem Fazit“ der Studie „Lernen Ältere“*.

Während Sie im ersten Blogteil erfuhren, wie Ältere gerne lernen, befasse ich mich heute mit dem Studienergebnis des Kapitels „Wie Ältere erfolgreicher lernen“ (S. 72 ff)*, wobei mich speziell das Thema “Erfolgsoptimierte Lernsettings nach Geschlecht” interessiert (S. 103 ff).

Einfluss der Lernmethoden auf Männer und Frauen

Das Kapitel bietet dazu eine Übersicht, welche Lernmethoden Einfluss haben auf Frauen und wie auf Männer. Sie unterscheidet in mehreren Tabellen nach Lernorten, -zeiten, -quellen, -gruppen sowie nach Selbstorganisation und Selbstwirksamkeitserleben.

Kaum ein Unterschied zwischen Männer und Frauen besteht hinsichtlich des Vortragens eigener Kolleginnen und Kollegen – beiden Geschlechtern erscheint dieses Setting nicht erfolgreich. Folgerichtig auch nicht das Lernen in der Gruppe.

Einen maximalen Lernnutzen erleben Frauen, wenn sie am Arbeitsplatz oder in Lerninseln lernen und dies mehrere Wochen am Stück – alternativ oder ergänzend wirkt sich auch das Lernen in der Freizeit nutzenförderlich aus. Weiterhin sind mehrere Lernquellen nutzenförderlich … Zudem wird der Lernnutzen auch deutlich positiv beeinflusst, wenn sie dabei über alle zugehörigen Methoden hinweg selbstorganisiert vorgehen und sich vollumfassend selbstwirsam erleben.

Männer lernen leichter, wenn sie, wie die Frauen auch, in der Öffentlichkeit lernen, wobei sie ebenso gut vor Ort beim Bildungsanbieter oder unterwegs lernen können. … Die Leichtigkeit des Lernens ist für Männer von der Lernzeit entweder unabhängig oder aber sie zeigen hier keine einheitliche, übergreifend bevorzugte Lernneigung. … Selbstwirksamkeit wollen sie allerdings recht umfassend erleben, um leichter zu lernen …

Hm. Das widerspricht sich schon ziemlich mit dem Ergebnis, dass das Lernen in Gruppen als bereichernd empfunden wird, wie an anderer Stelle in der Studie festgestellt wurde (Z. B. auf S. 33: Mit 18% das zweitbeliebteste Lernsetting). Allerdings – wir sind ja hier beim erfolgreichen Lernen. Da scheint das Einzel-Lernen eindeutig vorteilhafter zu sein.

Meine Vermutung: beim Einzel-Lernen kann sich nicht hinter anderen versteckt werden und die Konzentration ist sicherlich höher. Doch richtig Spaß macht das nicht allen. Und Spaß, so wird immer wieder betont, wäre doch für das Lernen sehr förderlich.

Und so resümmieren die Autorinnen der Studie folgerichtig auf S. 93:

Auf die Leichtigkeit des Lernen oder den Lernspaß hatte weder das eine noch das andere einen stärkeren Einfluss: Das Lernen in Gruppen kann genauso leicht fallen und Spaß machen wie das Lernen im Einzelunterricht oder alleine.

Na, das hätte mich ja auch gewundert, würde man alle Lernenden über einen Kamm scheren können. Im Gegensatz zu den Autorinnen jedoch, die empfehlen, vom Gruppenlernen abzusehen, solange man den einzelnen Teilnehmenden nicht gerecht werden kann, wäre mein Fazit in Anbetracht mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten genau der Umkehrschluss:

Gepfiffen auf das optimale Lernergebnis

Solange Gruppenlernen als bereichernd empfunden wird, ist auf das optimale Lernergebnis – ich schreibe das jetzt mal ganz provokant und in Anbetracht meines Erfahrungshorizonts – gepfiffen. Denn mindestens genau so wichtig wie optimierte Lernergebnisse sind Sozialisierungsaspekte unter den Kolleginnen und Kollegen. Die weiter tragen können und nachhaltig positiver auf das Betriebsklima wirken, als es jedes Lernoptimum vermag. Hier sehe ich den Weg zum Ergebnis als das eigentliche Ziel.

Miteinander Lernziele erreichen bedeutet nämlich, sich gegenseitig zu helfen, zu stärken, das Miteinander üben, sich gemeinsam anstrengen, aber auch freuen können, etwas teilen, geben und nehmen können, Rücksicht und Toleranz zu üben, und, und, und. Zu einem Lernen in der Gruppe kann meiner Meinung nach deshalb nur geraten werden. Sofern das Ergebnis ein menschliches sein soll.

Im folgenden Blogbeitrag dann die Rahmenbedingungen, die die Leichtigkeit des Lernens, den Spaß und den Nutzen fördern bzw. behindern.

* in: Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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3 Antworten

  1. […] im Kapitel “Erfolgsoptimierte Lernsettings nach Geschlecht” aus dem Teil II: Wie Ältere erfolgreicher lernen [Siehe nächsten Blogbeitrag.] […]

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  2. […] [Zum Beitrag “G wie Geschlecht (I): Beliebte Lernsettings”] [Zum Beitrag “G wie Geschlecht (II): Erfolgsoptimierte Lernsetting”] […]

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  3. […] Einzelarbeit. Siehe auch die Beiträge “G wie Geschleche (I): Beliebte Lernsettings” | “G wie Geschlecht (II): Erfolgsoptimierte Lernsettings” | “D wie Diskussion und Dozentenzentriertes Lernen” | “B wie ‘Beliebte […]

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