N wie negative Lernerfahrung

Ich sehe förmlich Mr. Spocks hochgezogene Augenbraue und höre ihn „Faszinierend“ sagen bei der Antwort auf folgende Frage:

Welche Lernerfahrungen sind den Befragten der Studie Ältere* eher im Gedächntnis geblieben: die positiven oder die negativen?

Tatsächlich berichteten nur 6% von einer negativ in Erinnerung gebliebenen Lernerfahrung (S. 27). Das könnte zum Beispiel eine als unproduktiv empfundene Gruppenarbeit gewesen sein.

Negative Lernerfahrung als Umkehrschluss nicht erfolgswirksamen Lernens

Die Umkehrfrage zum Kapitel 4 „Wie Ältere erfolgreicher Lernen“ (ab S. 72) heißt für mich in der Adaption, was trägt NICHT zum Erfolg des Lernens bei. Sie könnte ein Hinweis darauf, was als negative Lernerfahrung zu bewerten ist. Differenziert wurde in der Auswertung der Studie nach Geschlecht und nach dem Gesamtergebnis über beide Gruppen sowie nach Lernbiografien und Motivation.

Als zu einem gewissen, wenngleich auch kleinen Prozentsatz als nicht erfolgswirksam (also negativ)  wurde empfunden:

  • Lernen in Gruppen (gaben Frauen wie Männer an, denen das nicht immer Spaß macht und finden Wenig- wie auch Viellernende sowie extrinsisch wie intrinsisch Motivierte nicht lernnützlich)
  • Kollegenbeitrag (finden Männer nicht immer nützlich)
  • vorbereitete (Referenten-)Unterlagen (finden Männer nicht immer lernnützlich, und hier machte das besonders den Leitenden keinen Spaß)
  • Lernen beim Arbeitgeber (das machte den Mitarbeitenden weniger Spaß, und auch nicht den extrinsisch wie intrinsich Motivierten)
  • Lernen im Seminarraum (das erzielte bei den Leitenden weniger Nutzen)
  • Lernen am Arbeitsplatz (fällt Viellernern nicht so leicht)
  • minuten- oder stundenweise Lernzeiten (wurde von den Leitenden als wenig lernnützlich angesehen)
  • Gruppen- versus Einzelunterricht (das sahen die Mitarbeitenden als weniger lernnützlich an, obgleich sie an anderer Stelle die Diskussionen förderlich fanden (!))
  • fachlich-inhaltlich und methodische homogene Lerngruppen (gaben die Leitende mit weniger lernnützlich an)

Ranking der Lernmethoden nach ErfolgswirksamkeitEin Ranking der Lernmethoden nach Erfolgswirksamkeit (Abb. 137) zeigt sehr schön auf, was sich mehr positiv und was sich eher negativ auf den Erfolg des Lernens auswirkt. Dabei überwiegen ganz klar die positiven Angaben. Schön!

Mein Fazit: Allen Recht getan ist eine Kunst, die keiner kann. Was der einen nützt, kann dem anderen Unlustgefühle verursachen.

Als Lernbegleiterin und als Veranstalterin von Fortbildungen ist es eine ständige Herausforderung, da sich im Laufe der Zeit punktuelle Wandlungen ergeben, sei es durch veränderte Lernerfahrungen und Wahrnehmungen der Teilnehmenden, sei es durch neue Lernmethoden oder Erfahrungen durch eigene Fortbildungen.

Aufmerksam und offen bleiben und so weit es in Gruppen möglich ist, auf die Bedarfe der Teilnehmenden einzugehen, unter Berücksichtigung der Interessen der Fortbildungsveranstalter – das ist der Spagat, der gelingen will. Nehmen wir’s sportlich!

* Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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