R wie Rahmenbedingungen

Welche Rahmenbedingungen sind es, die das Lernen Älterer unterstützen und somit zum Lernerfolg führen? Das Ergebnis hat die Studie „Lernen Ältere“* in einem umfangreichen Kapitel ans Ende gestellt (ab S. 196). Ich fasse es hier so kurz wie möglich zusammen. Mit einem reflektierenden Fazit, versteht sich.

Die Studie unterscheidet zwischen dem Einfluss der Lernaktivität (also finanzielle Belastung, Zeitaufwand, organisatorische Unterstützung, Entlastung von privaten und beruflichen Aufgaben und der Ungestörtheit des Lernens) sowie der Selbstwirksamkeit (Unterstützung von Partnern/Freunden/Führungskräften, Mutzusprechung) auf den Lernerfolg.

Das Fazit der Autoren – und zugleich deren Empfehlung – ist, dass gewohnte bzw. bewährte (und somit von der Lerngruppe meist positiv bewertete) Lernsettings den Lernerfolg fördern, doch solle zudem das Selbstwirksamkeitserleben gezielt unterstützt und gefördert werden. Kommunikationsaustausch inklusive. So werden auch Wenig-Lernende nicht überfordert. Dabei würde außerdem die Begrenzung der Lernzeiten auf wenige Stunden oder Tage helfen. Wie gesagt: gilt für die befragten Angestellten in Stuttgart in höherem Lebensalter.

Mein Fazit aus eigenem Erleben bzw. dem Eindruck, den ich gegenüber den Lernerfolgen, vermittelt über Feedbacks und Evaluationen sowie einem subjektiven Bauchgefühl ist ähnlich.

Die Umsetzung der oben genannten Empfehlung sieht bei meinen Tagesseminaren demzufolge so aus:

  1. Häppchenlernen in Einheiten von 10 Min. mittels Frontalvorträgen, nachfolgend …
  2. Aufforderung zur Kommunikation (Fragen stellen, Diskussion, Brainstorming etc.), einmündend in …
  3. Workshops (Dauer 30-45 Min., mit anschließender …
  4. Vorstellung der Ergebnisse, …
  5. jetzt die Pause,…
  6. und dann alles noch einmal von vorne.
  7. 2x Vormittag, 2x Nachmittag

Klingt einfach, ist jedoch sehr abwechslungsreich und muss daher gut durchgeplant werden. Denn etwa die Pause wegfallen zu lassen, oder auch einen Input, das mündet immer in Überforderung bzw. Unzufriedenheit Einzelner. Bei Workshops ist die Begeisterung ohnehin zwiegespalten und kommt auf die Lernerfahrung, die Regionalität der Teilnehmenen oder das Thema an. Die Jüngeren fordern Workshops nachgerade ein. Die Älteren sind sie leidlich gewohnt, lieben Gruppenarbeiten jedoch noch immer nicht wirklich. Wären allerdings auch mit ausschließlichem Frontalvortrag nicht mehr zu begeistern.

Mich jedenfalls hat die Studie an diesem Punkt aufgebaut, denn bemerkenswert Neues ist (für mich) nicht herausgekommen. Außer vielleicht, dass zwei Punkte ziemlich stark bewertet schienen: Das „Willkommen“ und die Frage „Wozu lernen“.

Ersteres scheint mir zu selbstverständlich, als dass ich es in einer Studie abgefragt hätte (das ist nicht als Kritik gemeint!). Wozu gelernt werden soll ist eine Frage, die sich eher die „akommandierten“ Teilnehmenden stellen werden, die allerdings aus inneren Ablehnungsgründen oft keiner vermittelnden Antwort zugänglich sind. Selbstwirksamkeit ade, und damit auch der Lernerfolg.

Fazit des Fazits: Lernen darf nie ein Muss oder eine Sanktion sein. Beste Rahmenbedingung für den Lernerfolg ist das eigene Wollen durch Einsicht.

* Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: