V wie Verwaltung

Ich muss einfach noch einmal auf das (V wie auch in) Vorwort zurückkommen, in der Studie „Lernen Ältere“*. Es ist zu trefflich formuliert:

Der öffentliche Dienst steht nämlich vor großen Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Anspruch der Bürger nach einer schlanken, effizienten und zugleich serviceorientierten Verwaltung, dem technologischen Wandel oder dem Fachkräftemangel. Für die Mitarbeitenden wird daher die kontinuierliche Weiterbildung immer wichtiger. Der öffentliche Dienst ist gefordert, hierfür die richtigen Rahmenbedingungen zu bieten.

Dem ist ja beinahe nichts hinzuzufügen. In der Bibliothekswelt, die ja zum größten Teil auch auf „die Verwaltung“ und auf die Ausübenden, die Verwaltungsmitarbeitenden beruht, sind zwar Bibliotheksmitarbeitende meist nicht als Vw-Mitarbeitende eingestuft, unterliegen jedoch oft den gleichen Rahmenbedingungen.

Während es in der Regel einen ganzen Katalog an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Verwaltungsangestellte bzw. -beamte gibt, aus dem ausgewählt werden kann, finden sich für Bibliotheksmitarbeitende nur wenig adäquate fachspezifische Angebote darin. Fortbildungen werden über andere Kanäle gefunden, mühselig herausgefischt aus Fachstellen- und Verbandsangeboten oder aus (Inhouse-)Fortbildungsprogrammen von Großstadt- und Universitätsbibliotheken. Oder über private Weiterbildungsanbieter wie dem WEGA-Team. Ambitionierte Portale wie dazumals „Wissen-bringt-weiter.de“ haben sich ja leider nicht etablieren können, mangels kontinuierlicher Pflege und Verantwortlichkeiten.

Gerade jedoch ältere Mitarbeiter/innen motiviert diese Sucherei so ganz und gar nicht mehr. Sind dann die Angebote zudem in (subjektiv empfundenen) unüblichen Begriffen beschrieben (ja, auch Soft Skills ist so ein neumodisches Wort – gewesen), also beispielsweise „Refresher für erfahrene Führungskräfte“ oder „Ein Screencast-Tutorial zu (m)einem Discover System entwickeln“, dann lassen sich die Kolleg(inn)en möglicherweise nicht so ohne Weiteres vom Drehstuhl reißen.

Rahmenbedingung, die folglich zu verbessern wären, könnten folglich sein:

  1. Ein adäquates Angebot (in leicht lesbarer Sprache) auch für Bibliotheks’wesen‘ parat zu halten,
  2. mindestens jedoch, es nicht zu boykottieren, wenn für manche Fortbildungsthemen der Weg bis ins benachbarte Bundesland führt oder gar ans andere Ende Deutschlands, vom Ausland erst gar nicht gewagt zu reden.
  3. Dazu die entsprechende Reisezeit ohne Murren akzeptiert wird – mit finanziellem Ausgleich selbstredend.

Meine Beobachtung: „Die Verwaltung“ wächst durchaus mit ihren Aufgaben, doch dazu muss man sie ihr erst stellen. „Das klappt ja eh nicht“ oder „Das ist mir zu mühselig, die zu überzeugen“ sind verständlich, tragen allerdings nichts zur langfristigen Veränderung bei. Auch als Referentin musste ich langen Atem beweisen, als es um Aufklärung über die ordentliche Behandlung von Rechnungen ging (mit oder ohne Mehrwertsteuer, Originale oder Kopien, Honorarnoten oder steuerlich anerkannte Rechnungen, etc.). Doch lohnt sich der beharrliche Tropfen auf hartem Stein heute mehr denn je, denn der Fachkräftemangel wird IST gekommen. Wir brauchen die Kompetenz älterer Mitarbeiter/innen, und um sie fit zu halten bis zum letzten Arbeitstag, das muss gemeinsames Ziel werden.

Fazit: Das wird letztendlich auch „die Verwaltung“ sehr bald einsehen müssen. Ich sag’s ihr auch nochmal, wenn ich sie sehe …

*Vorwort von Gabriele Kellermann, Vorstand der BBBank Stiftung, aus der Studie “Lernen Ältere” mit der Zielgruppe 50 plus. Diese nehme ich zum Anlass, über eigene Beobachtungen als Trainerin / Lernbegleiterin im überwiegend öffentlichen Dienst “von A bis Z” (in mehreren Folgen) zu reflektieren.

Autoren der Studie: Gabriele Korge und Christian Piele / Info und Download

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