Wie misst man Souveränität oder Achtsamkeit?

MaskengesichterSeit einer Anfrage zu einem Seminar mit dem Thema „Kompetenzen fördern und messen“, die ich leider absagen musste, spukt mir die Frage durch den Kopf, ob Kompetenzen „messen“ tatsächlich möglich ist. Lassen sich beispielsweise Souveränität und Veränderungsbereitschaft (Selbstkompetenzen), Achtsamkeit und Kritikfähigkeit (Sozialkompetenzen) oder Kreativitätstechnik-Knowhow und Visualisierungsfähigkeiten (Methodenkompetenzen) in ein Korsett pressen? Denn um das geht es doch wohl: Messen um des permanenten Anpassungsdruckes (du musst dieses und jenes ebenfalls erreichen) oder Aussonderungsdruckes (Du bist nützlich oder nicht nützlich) Willen. Oder was steckt dahinter? Die reine Neugier sicher nicht.

Nun, als ehemalige ProfilPASS-Beraterin kann ich zwar sagen, Kompetenzen lassen sich erkennen und auch fördern, auch eine Einschätzung ist machbar, doch ein „Messen“? Also, da wäre ich vorsichtig damit. Warum?

  1. Für ein Messen wären empirische, also objektive Daten zu erheben. Sollten diese eher qualitativer oder quantitativer Art sein?
  2. Meine nächste, kaum leichter zu beantwortende Frage ist, ob eindeutige Definitionen bestimmter Kompetenzen (formaler, non-formaler oder informeller Art? Methoden, Selbst- und Sozialkompetenzen?) herangezogen werden können.
  3. Dann müssten Messgröße (wie oft, wie lange, wie stark, wie ausgeprägt etc.) bestimmt werden. Tatsächlich versucht das ProfilPASS-System eine Art Messung in Form von Einschätzungen (also weniger objektiv als Messen) nach dem Prinzip der vier Niveau-Stufen:
    Ich kann es mit (Stufe 1) oder ohne (Stufe 2) Hilfe einer anderen Person oder einer schriftliche Anleitung tun bzw. in einem anderen Zusammenhang (Stufe 3) und ich kann es anderen Menschen vormachen und erklären (Stufe 4). So einigermaßen funktoniert das tatsächlich.
  4. Des weiteren wären zum Messen Ausgangswerte (Test ohne Förderung) und Vergleichswerte (Wiederholter Test nach Förderung) notwendig. Denn diese könnten belegen, wie sehr diese eine Person an Kompetenz messbar hinzugewonnen hat. Oder ich vergleiche die gemessene Kompetenz mit denen anderer Personen. Die Crux ist nur, dass die Rahmenbedingungen, also die „Forschungsumgebung“ durch der Verschiedenartigkeit der Personen und Interpretationen von Kompetenzen nicht die selbe ist, damit für mein Verständnis faktisch keine empirisch haltbare Aussage ergibt.
  5. Auch zweifle ich an der Sinnhaftigkeit eines Messens. Zu was genau soll das gut sein? Um uns in Computer zu verwandeln, die alle dem Level 24 in Sachen „Selbstmotivation und Optimismus“, beides Selbstkompetenzen, anstreben?

Natürlich ist es sinnvoll, seine Kompetenzen zu kennen und sie, beispielsweise in einem Vorstellungsgespräch, in Worte kleiden zu können. Oft scheitert es daran, dass einem die eigenen Kompetenzen nicht wirklich bewusst sind oder aber so selbstverständlich, dass sie keiner Äußerung wert erscheinen. Die Frage ist also: Was schätze ich an mir und was schätzen andere an mir?

Bei dieser Einschätzung können erfahrene Berater/innen helfen. Oder die eigene Mutter, die Freundin, der Lebensgefährte, Lehrpersonen und alle anderen, die meine Selbstwahrnehmung ergänzen, um meine Wirkung auf die Außenwelt besser zu verstehen und gegebenenfalls etwas zu korrigieren.

Doch messen lassen muss sich dabei niemand. Denn wir sind keine Roboter, an dem ein Schaltkreis gemessen wird. Ich schätze, ein Abschätzen muss genügen. Und dafür reicht manchmal sogar der berühmte Menschenverstand (= eine Sozialkompetenz) aus sowie die Frage: „Trauen Sie sich (die Arbeit, die Aufgabe) zu, oder nicht?“ Der Rest ist eine Sache des Vertrauens in die ureigensten Fähigkeiten, die nicht messbar sind und es auch nie sein sollten. Weil Überraschungen und offene Fragen das Leben ausmachen.

P. S.: Ein Hinweis auf unser Seminar Soft Skills – soziale Kompetenz im Team sollte hier noch Erwähnung finden. Es geht ums Entdecken, Einschätzen und um Hilfestellung bei der Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten.

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