Korrekturlesen – gefühltes Dutzend und völlig sinnlos

TastaturGeht’s Ihnen auch so, wenn Sie etwas publizieren? Sie haben sich endlich schweren Herzens, doch mit leichtem Sinn von Ihrem Werk getrennt, nachdem Sie und alle Familienmitglieder akribisch und bei geöffnetem Duden-Fenster Korrektur gelesen hatten, unter möglichst weitgehender Nichtbeachtung des Rechtschreibprogramms und sind FELSENFEST davon überzeugt, in wenigen Tagen die Druckerlaubnis erteilen zu können. Seufz, endlich den Kopf wieder frei für den Broterwerb.

Nun, zu früh gefreut. Ein gefühltes Dutzend mal entdecken Sie und die Korrektorin wechselweise vergessene Anführungs- ohne zugehörige Abführungszeichen, hier eine grammatikalische Unschärfe (oder auch zwei), ändern vorsichtshalber doch noch einen Satzaufbau, weil er beim zehnten Drübergehen (Drüber gehen?) auf einmal seine Aussagekraft halbiert bzw. komplett verloren zu haben schien (Komisch, und genau den hatten Sie doch einmal als besonders gelungen gefeiert!) … Es folgt ein offener, konspirativer Austausch (eine geheime, erbitterte innere Diskussion) über Zitierregeln, Fußnoten und Aufzählungsreihungen, und, und, und …

Kurz, bevor Sie sich schwören möchten: „NIE wieder“ oder „Nur noch gegen BEZAHLUNG!“ erleben Sie den schrecklisten aller Augenblicke – der gesamte Text erscheint VÖLLIG SINNLOS!

„Was für ein Quatsch!“ oder „Kein Mensch wird das jemals lesen wollen!“ oder „Das verstehe, wer kann!“ oder „Wieso hat niemand bemerkt, dass ich eine Themaverfehlung schrieb?!“

Die (gefühlt zwölfte, in jedem Falle die letzte … die Letzte?) Korrektur überfliegen Sie lediglich noch grob, zählen irritiert die plötzliche Häufung des Wörtchens „noch“, wahlweise „doch“, „auch“, „wichtig“, „aber“ … (und seufzen erleichtert auf, dass Sie sie nicht mehr als üblich, also etwa zehnmal pro Absatz, verwendet hatten) … und nein, jetzt langt es aber! Das war das allerallerallerletzte Mal! Nie wieder lese ich diesen bescheuerten Text! BASTA! GUT JETZT! SCHLUSS DAMIT!

„Sehr geehrte Herausgeberin – nach erneuter gründlicher Korrektur meinerseits kann ich nunmehr die endgültige Druckfreigabe erteilen. Vielen Dank für die harmonische Zusammenarbeit, jederzeit gerne wieder! Ihre zufriedene Autorin“

Und tatsächlich – Sie würden es wieder tun, wetten?! So wie ich. Diesmal zum Thema „Ausstellungsfinanzierung“. Oder war’s „Freundeskreise“? Was mit „Crowdfunding“? Ach ne, das war ja schon abgehakt. Das Heft mit meinem gedruckten Text habe ich, glaube ich, gar nicht mehr gelesen. Irgendwo auf dem Stapel, ich sollte doch noch mal … oder ist er noch gar nicht gedruckt??? Kann es sein, dass ich die Schlusskorrektur von der Schlusskorrektur von der Schlusskorrektur übersehen habe???? AAAAAAAAAARRRRGGGGGGLLLLLLL ……………NEEEEEIIIIIIIN!!!!!!!!!!!

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Eine Antwort

  1. Das kenne ich doch ;-) Diese Fehlerteufelchen, die schleichen sich immer wieder in den Text :-)))

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