Die Gretchenfrage des selbständigen Lernens

„Sind alle Menschen überhaupt gleichermaßen zur Selbstständigkeit zu führen?“ Diese Frage stelle Katja Gruber in „Schlüsselqualifikationen …“¹ Erst kürzlich stolperte ich wieder über diese Frage, als ein Lernender konkrete Lernvorgaben forderte, sich andererseits bei Anweisungen recht schnell unter Druck gesetzt fühlt. Entweder – oder, möchte man hier denken. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Denn tatsächlich kommt es auf den Einzelfall, die konkrete Situation an, in der mal das eine – also Hilfestellung durch Konkretisierung – mal das andere, also selbständiges Lernen durch eigene Erfahrungen, durch Ausprobieren und Fehlermachen-dürfen, erfolgversprechender ist.

Das kann einen als Lernbegleiterin ziemlich fordern. Doch auch natürlich den Lernenden selbst. Die Frage ist nun, was „Selbständigkeit“ denn so alles ausmacht, was es charakterisiert. Im Bezug aufs Lernen ist es zunächst die Fähigkeit, sich selbständig zu informieren.

Das erfordert Kenntnisse der geeigneten Quellen und folglich Recherchefähigkeiten. Also etwas, bei dem Bibliothekswesen durchaus Hilfestellung geben dürfen, wenn es denn vom Lernenden erwünscht ist. Der eine oder andere Tipp dürfte unschädlich sein, schätze ich.

Die gefundenen Informationen sinnvoll zu verarbeiten und anzuwenden allerdings sollte im Ermessen des Lernenden liegen. Ihm hier Ergebnisse sozusagen „vorzukauen“ oder diverse Vorschläge und „gute Ratschlge“ zu geben, führt ganz sicherlich nicht zur Selbständigkeit. Von daher sind auch Multiple Choice-Fragen geradezu verpönt.

FensterWas aber kann der/die Lernbegleiter/in im Prozess des selbständigen Lernens beitragen? Mut machen, motivieren, weiterführende Fragen stellen (= Das Fenster zur (Gedanken-)Welt zu öffnen, falls die Jalousien noch zugezogen sein sollten) und sich als Reflexionspartner/in (= Zuhören!) zur Verfügung stellen sind gute Möglichkeiten, die nur eines abverlangen: sich selbst zurückstellen. Auch das will gelernt und immer wieder erinnert sein.

Es geht also nicht darum – um auf meine Anfangsverwirrung zurück zu kommen – jemanden alles recht zu machen und sich seinen Fort- und Weiterbildungsansprüchen zu beugen, sondern ihm behutsam den Weg bereiten, auf den er oder sie zu selbständigem Denken finden kann.

Daher wäre die Frage umzuformulieren in: „Sind alle Lernbegleiter/innen Menschen überhaupt gleichermaßen bereit, die Menschen zur Selbstständigkeit zu führen?“

¹ Schlüsselqualifikationen: Konsensstiftende Leerformel, technokratische Beherrschung des Subjektes
oder Indiz für Reformbedarf in der betrieblichen Erstausbildung? 2004. Als PDF erhältlich unter http://www.die-bonn.de/weiterbildung/literaturrecherche/suchfunktion.aspx

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