Reingespitzt (II): Praxishandbuch Ausstellungen in Bibliotheken

Cover Praxishandbuch BibliothekenReingespitzt ins Buch

Nach dem Hintergrund des „Praxishandbuch Ausstellungen in Bibliotheken“ aus dem De Gruyter Verlag jetzt ein Blick ins Buch selbst. Nach einem wohlwollenden Geleitwort von Barbara Lison, der Bundesvorsitzenden des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) zur Tradition von Ausstellungen in Bibliotheken, die sie „zu den Basis-Elementen der sogenannten Programmarbeit sowohl in Wissenschaftlichen als auch in Öffentlichen Bibliotheken“ zählt, führt das Vorwort der Herausgeberin, Petra Hauke, den Grund des Entstehens dieses 453 Seiten starken Bandes auf.

Lediglich 100 Titel weise die Datenbank Deutsches Bibliothekswesen, DABI, für den Zeitraum 2003 bis 2016 zum Schlagwort „Ausstellung“ nach. Die Resonanz von Seiten der für diesen Band geeigneten Autoren war beachtlich, das Interesse für Ausstellungsplanende an der geplanten Publikation hoch, so Hauke.*

Im Anschluss daran finden sich Beiträge folgender Kapitel:

  • Vorwort
  • Planung, Konzeption
  • Management, Ausstellungstechnik
  • Kooperation
  • Wanderausstellungen
  • Virtuelle Ausstellungen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Themen
  • Reflexion

Jedes Kapitel weist eine mehr oder weniger hohe Fülle an Literatur, Zitatstellen, Internetquellen und/oder Anbieteradressen sowie Bilder auf. Ein Anhang mit weiterführender Literatur, Autorenverzeichnis, Abkürzungen und Register vervollständigen das Handbuch.

Reingespitzt in einzelne Kapitel

Ich hätte nicht gedacht, dass man über Buchstützen (Hanka Gerhold und Michael Brand) mehr als 11 Seiten schreiben kann. Klar gibt’s zu den erhellenden Ausführungen auch Bilder, ergänzt von lediglich vier Literaturangaben zur Weiterführung des Themas. Auch daran ist erkennbar, wie notwendig die Erscheinung dieses Praxishandbuches war.

Die Kapitel des Buchstützen-Beitrags beginnen mit einer Abhandlung zu „Bücher als Ausstellungsobjekte“, zeigen Schwachstellen in der „Buchstruktur“ auf, geben Einblick in „Konversatorische Buchstützen“, skizzieren die „Vorbereitung eines Buches für eine Ausstellung“, um schließlich die „Einstellungen am geöffneteten Buch“ zu illustrieren. Sie enden mit den „Anforderungen an Buchstützen“ und einem Fazit: „Eine Buchstütze ist dann optimal, wenn sie alle oben genannten, für ihre Anwendung als wesentlich identifizierten Anforderungen erfüllt.“ Welche das sind, darf gerne selbst nachgelesen werden.

Die drei umfangreichsten Beiträge des Praxishandbuches sind:

  1. Konservatorische Aspekte bei Ausstellungen von Bibliotheksgut (Julia Bispinck-Roßbacher, Britte Schütrumpf) – 22 Seiten
  2. Ausstellungsfinanzierung (Ilona Munique)  – 21 Seiten
  3. Ausstellungen zwischen Kulturvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit (Konrad Umlauf) – 19 Seiten

Die überdurchschnittlich hohen Seitenzahlen sind dabei beileibe kein Ruhmesblatt! Denn die Vorgabe lautete 18.000 Zeichen bzw. 10 A4-Seiten. In meinem Beitrag waren rund 45.000 Zeichen gezählt, was faktisch einen „Vertragsbruch“ von 40% bedeutet. Was waren die Gründe unserer Übertreibungen, bzw. des dankenswerten Nicht-Kürzen-Müssens?

Zum einem war es der jeweiligen Komplexität des Themas geschuldet. Zum anderen – wie im Falle der Erstplatzierten – zahlreicher Fotos. Doch auch im Falle des als Vielschreibers bekannten Kollegen Umlauf ist die Ausnahme durchaus gerechtfertigt, da er praktisch zwei Großthemen ins Visier nahm, anfänglich zudem aufgedröselt in Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken, die vom Autor als sehr unterschiedlich agierend beschrieben werden.

Auf diesen Beitrag „Ausstellungen zwischen Kulturvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit“  gehe ich noch ein wenig näher ein, zumal ich mich ebenfalls als Autorin dieses Kapitels hätte sehen können. Wie gut, dass ich anderweitig verplant war! Denn dann wäre mir die erhellende Tabelle über die „Leitbilder für Kulturmanagement, bezogen auf alle Arten kultureller Produkte“ entgangen. Sie nimmt sich 20 Schlüsselbegriffen an (von Alltags-, Event-, Hoch- bis zur Soziokultur und Lese- und Literaturförderung bis Unterhaltung), führt die jeweils spezifischen kulturpolitischen Ziele auf, benennt Beispiele hierfür und stellt die Affinität zu Ausstellungen heraus.

Mit dem Fazit verbunden, dass nur wenige Leitbilder eine Affinität zu Ausstellungen besitzen. Die meiste Affinität hat – einer Durchsicht Umlaufs von mehreren Jahrgängen von Kulturzeitschriften zufolge – die Hochkultur. Und zwar mit dem Ziel, „zum Schönen, Wahren und Guten zu führen“ und als „kulturelle Repräsentation der Elite“, beispielsweise durch „Kammerkonzert, Oper, Sprechtheater, Inkunabel-Ausstellung“.

Das Gegenstück dazu ist die „Amateurkultur“. Ihr Ziel ist es, „den Bürgern zum bewussten Umgang mit den alltäglichen kulturellen Ausdrucksformen zu verhelfen“, beispielsweise über eine „Ausstellung über Kopftücher bei deutschen und türkischen Frauen“ oder „über Graffiti“ und „Stadtfeste“.

Des weiteren – und das dürfte für viele Bibliotheken nicht überraschend bzw. der Hauptgrund für Ausstellungen sein – die Kulturelle Bildung. Sie dient „den Menschen zur Erweiterung ihrer kulturellen Kenntnis und Selbsterkenntis […]“ und fördert die „Kreativität“, beispielsweise durch „Literaturgesprächskreis, Gesprächskonzert, Ausstellung zur Buch- und Schriftgeschichte“.

Über meinen Beitrag zur Ausstellungsfinanzierung mit Schwerpunkt Sponsoring verweise ich auf das Abstract eines früheren Tagebucheintrages.

* By the way: Wie immer finde ich es nach wie vor unangebracht, dass eine Autorenschaft kostenfrei zu sein hat. Zwar mag das Publizieren für Hochschulangehörige verpflichtend und indirekt vergütet sein, doch für Selbständige verhält es sich eben nicht so. Sie müssen die eingebrachte Arbeitszeit auf ihre sonstigen Honorare aufschlagen. Das Schreiben wird folglich von denjenigen mitbezahlt, die möglicherweise nicht einmal von den Artikeln direkt profitieren. Ich persönlich verbuche die Zeit um des lieben inneren Frieden willens als persönliche Fortbildung und inhaltliches Feintuning ab. Nun ja, doch auch das muss schließlich quersubventioniert werden. Sorry, dass meine nächste Honorarpreiserhöhung in 2017 u. a. diesen „Nebenbei-Umsonst-Arbeiten“ geschuldet sein wird. Auch, wenn’s mir Spaß gemacht hat.

Korr. 31.12.2017

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