Bedingungen für bessere Gruppenentscheidungen

5034-druckerpresseImmer wieder mache ich mir Gedanken über die „Macht des Gruppendrucks“ und versuche als Moderatorin, diese Macht nicht zur Ohnmacht werden zu lassen. Denn immer wieder werde ich damit konfrontiert, allzu häufige und heftige Einzel(konträr)positionen einzudämmen, da sie zu hemmend auf den Erfolg der Gruppe wirken. Und das, obgleich es meiner Überzeugung zuwider läuft, die da besagt, möglichst alles wertfrei zuzulassen. Meist klappt das, indem ich die Äußerungen „einfach mal so stehen lasse“ und zu weiteren Meinungsäußerungen aufmuntere.

Fördernde und hemmende Bedingungen

Nun aber gibt es tatsächlich fördernde und hemmende Bedingungen im Bezug auf „bessere“ Gruppenentscheidungen, so das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Die Schlüsselwörter sind „Vernetzung“ und – wie auch anders!? – „Kommunikation“. Genauer gesagt, das WIE der Kommunikation. Und Widerspruch auch hier … bessere Vernetzung, bessere Ergebnisse? Nicht unbedingt. Es kommt aufs Abwägen an, sagen die Wissenschaftler.

Beeinflusst wird dieses Abwägen […] von ihren sozialen Lernstrategien – und andererseits von der Netzwerkstruktur, in der sich die Gruppenmitglieder befinden.

Erfolg und hohe Leistungsfähigkeit bringt entweder:

  • die Orientierung an dem, was am häufigsten vorgeschlagen wurde (bei gut vernetzten, effizienten Gruppen) oder
  • die Orientierung am Mitglied mit der besten Lösung (bei weniger gut vernetzten Gruppen).

So könnte also der Gruppenentscheid z. B. innerhalb eines Workshops in einem besserem Licht besehen werden, als ich dachte. Gruppendruck darf also ein bisschen sein. Oder leite ich da etwas falsch ab?

Was ist Druck?

Unter Druck verstehe ich, dass …

  • konträre Einzelmeinungen generell nicht erwünscht sind oder
  • nicht zur Kenntnis genommen oder
  • auf sie grob abfällig reagiert wird.

Das sollte nicht sein, auch, wenn’s zugegebenermaßen manchmal schwer ist. Und sind Entscheidungen gegen die Einzelmeinungen gefallen, dann bitte ohne Häme!

Eine Moderatorin ist dazu da, dafür Sorge zu tragen, dass Einzelmeinungen ihren Platz finden, der Gruppendruck also nicht zu Lasten der Einzelnen geht. Doch ebenso hat sie Sorge dafür zu tragen, dass allzu vehemmente Einzelmeinungen nicht ebenfalls Druck erzeugen. Das kann mit einer freundlichen und offen, oder auch einer unter vier Augen besprochenen Äußerung zur Einschätzung der Situation mit der Bitte um Abhilfe oder Unterlassung geschehen.

Was bringt Erfolg?

Ergo: Eine Kommunikationskultur hochhalten, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt und Wohlwollen, von Achtung und Verständnis, von Wertschätzung und Ehrlichkeit auf der Basis von Offenheit und Demokratieverständnis.

Denoch: „Aus der Studie ergeben sich Konsequenzen für soziales Lernen in Gruppen und Organisationen sowie für technische und kulturelle Innovationen.“ Das heißt: Das Zusammenspiel der sozialen Lernstrategien zusammen mit den Gegebenheiten der Umwelt sind für gute (im Sinne von effizienten) Ergebnisse(n) verantwortlich, und nicht nur eine gute Kommunikationsleistung an sich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: