Ursachen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildung (2)

[Serie „Fortbildung Ältere“, Teil 6]¹

Abfrage Ursachen nicht erfüllter Erwartungen; Umfrage Annett Burkhardt

Umfragedesign © Annett Burkhardt

Als mögliche Ursachen, warum die Erwartung an bibliothekarischen Fortbildungen nicht erfüllt werden, listet Annett Burkhardt² in ihrer Umfrage nachfolgende sieben Aussagen auf. Das Ranking erstellte ich vom höchsten zum niedrigsten genannten Prozentanteil³ auf.

  1. Der Inhalt der Fortbildung hat nichts mit meiner praktischen Arbeit zu tun (55%)4
  2. Ich habe die Fortbildung als sehr anstrengend empfunden (50%)
    Die Gruppe der Teilnehmer war zu groß (50%)
  3. Das Vortragstempo des Dozenten war zu hoch (44%)
  4. Der Stoff war viel zu abstrakt (38%)
  5. Der vermittelte Stoff war zu unübersichtlich präsentiert (36%)
  6. Es gab keine Möglichkeit, das Gelernte zu vertiefen (31%)

Es war sicherlich nicht ganz einfach, sich innerhalb einer Vielzahl an Ursachen für nur wenige zu entscheiden. Dies bedenkend sehe ich die Auswahl als gelungen an. Mit einem kleinen Schönheitsfehler. Einem Vorurteil gegenüber Älteren, ihnen würde vieles zu schnell gehen. So fehlte in der Abfrage das Pendant zum hohen Vortragstempo, nämlich, ob das Tempo zu niedrig gewesen sei. Dazu bemerkte ein Umfragenteilnehmer:

Für ihn ist das Vortragstempo in vielen Fortbildungen zu langsam und das Niveau zu niedrig. Lange Vorstellungsrunden z.B. nähmen einen großen Teil der Zeit in Anspruch. Obwohl das Thema interessant ist, würde er davon dann nicht mehr profitieren.

Gründe für Nichterfüllung Erwartungen an Fortbildungsveranstaltungen (Tabelle); Umfrage Annett Burkhardt

Grafik © Annett Burkhardt

Als Referentin kann ich das voll und ganz bestätigen. Vorstellungsrunden sind auch mir als Zeitfresser eher ein notwendiges Übel. Lässt man sie allerdings einmal außen vor, gibt es garantiert jemanden, der dieses in der Schlussrunde moniert. Doch wenn die Zeit von vorneherein nur knapp bemessen ist, muss genügen: „Stellen Sie sich mit 3 Hashtags vor“.

Doch auch aus der Sicht einer ebenfalls zu den Älteren (Ü50) gehörenden geht es mir so, dass ich die meisten von mir besuchten Vorträge oder Fortbildungen als zähflüssig empfinde. Wer sich langweilt, schaltet ab, wird unkonzentriert, verpasst ein paar Sätze und kommen tatsächlich DANN nicht mehr mit. Was missinterpretiert werden kann.

Umgekehrt nehme ich wahr, dass es jüngeren Kolleginnen und Kollegen zu schnell geht. Sätzen, die mehr als zwei 20 Wörter oder ein Komma beinhalten sowie „komplexen“ Darstellungen (etwa eine Matrix) zu folgen oder richtig zu interpretieren gelingt Älteren auf Anhieb oft leichter als Jüngeren.

Mein „Leason learnt“:

Zwischen Alt und Jung zu unterscheiden ist offenbar genau so müßig wie zwischen In- und Ausländer, zwischen Laufbahn- und Gehaltsstufen, zwischen Männlein und Weiblein, zwischen WB und ÖB. Vorurteile gegenüber Älteren, aber natürlich auch gegenüber Jüngeren, und überhaupt zu viele Differenzierungen helfen nicht weiter.

Ziel ist es, alle(s) miteinander zu „versöhnen“, indem Referent(inn)en wahrnehmend, offen und auch mal spontan auf die Teilnehmenden eingehen, sie in den Fortbildungsablauf möglichst direkt mit einbeziehen und immer wieder einmal nachfragen, wie es ihnen geht, was sie möchten, was sie brauchen.

Leider sind von Organisationsseite her (den Auftraggebern) einige Hürden zu nehmen. Zu hohe Erwartungshaltung an die Inhalte innerhalb einer zu kurzer Fortbildungsdauer erfüllen zu müssen ist (zumindest, wie es sich mir darstellt) das ursächliche Problem. Wer dabei auf der Strecke bleibt, das sind die Teilnehmenden. Und manchmal auch der Referent oder die Referentin.

Fazit:

Abhilfe gelingt durch …

  • eine genaue Vorstellung voneinander und vom zu vermittelnden Stoff,
  • gerne auch Kompromisse bei der Auftragsgestaltung und
  • eine Online-Abfrage vorab. Diese habe ich mir zur Gewohnheit gemacht, auch, wenn sie viel Arbeit in der Auswertung bedeutet.

¹ Hintergrund zur Serie siehe unter Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter …

² Burkhardt, Annett: Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter am Beispiel der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg. Bachelorarbeit von Annett Burkhardt … im Studiengang Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam. 2015.

³ n=32 von bis zu 124 Teilnehmenden, die an der Umfrage bis zum Schluss dabeigeblieben sind.

4 alle Ergebnisse wurden von ursprünglich zwei Kommastellen kaufmännisch auf- bzw. abgerundet.

Übersicht der Blogbeiträge zur Bachelorarbeit Burkhardts:

  1. Niemand hat keinen Fortbildungsbedarf, doch viele einen hohen
  2. Fortbildungsbedarfe in Bibliotheken
  3. Erfolgversprechende Meldung von Fortbildungsangeboten für Bibliotheken
  4. Fußnote 68, oder: Lernziel versus Lernergebnis
  5. Urschen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildung (1)
  6. Ursachen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildungen (2) (diese Seite hier)
  7. Bachelorarbeit Annett Burkhardt zur Fortbildung Älterer in Bibliotheken
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7 Antworten

  1. […] Nun, das sind nicht unbedingt nur Spezifika für Ältere. In diesen Begründungen werden sich ebenfalls Jüngere genau so  wiederfinden. Burkhardt hat sich hierbei auch nur den Ausführungen Hartmanns zu „Alter(n) und betriebliche Weiterbildung“ (2013) bedient. Dass allerdings auch ein zu langsames Lerntempo gerade bei Älteren zu Lernhindernissen werden, darüber schrieb ich ausführlicher im Beitrag „Ursachen nicht erfüllter Erwartungen (2)“. […]

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