#ebmooc17. „Wir machen das Internet kaputt“

[Serie #ebmooc17. Aufbau und Lernen (2): Webinar]

Das 1. Webinar innerhalb des EBmooc17. Thema: Einführung und das Lernen in MOOCs. Ausblick für rund 250 Teilnehmende, moderiert von einem fünfköpfigen EBmooc-Team, das seine Sache gut gemacht hat. Online live nachzuverfolgen war alles unter Facebook / werdedigital.

Meine Erlebnisse – jeweils ein Screenshot unter der laufenden Nummer am Ende des Beitrags:

  1. Anmelden. Um 16.30 Uhr war Einlass angekündigt. Raus aus der Studentenbetreuung und schnell das Headset umgehängt. Hach, pünktlich! Adobe Connect leider nicht. 5 Minuten rödelte es so vor sich hin. Neuer Versuch, nochmals Einstiegsseite. Na endlich! Kurzer Rundumblick auf dem Bildschirm. Sechs Fenster und eine Videoleiste mit 5 Lebendwesen. Okay, überschaubar. (Allerdings nicht für alle, wie sich später herausstellte.)
  2. Vorstellungsrunde. Linkes Fenster eine klare Aufforderung dazu im Header. Abfragehäkchen setzen im Fenster „Was erwartet ihr von diesem MOOC?“ 138 von derzeit 210 Teilnehmern (90,2%) möchten neue Tools kennenlernen. 125 (81,7%) wollen sich aktuelles Wissen über digitale Möglichkeiten holen und 116 (75,8%) erwarten Impulse für ein eigenes digitales Bildungsangebot. Die wenigsten (5,2%) möchten ihre eigenen Erfahrungen und Anliegen verbreiten. Ich nehme an, 5 von 8, die das angeklickt hatten, waren aus dem Moderatorenteam. Ein Häkchen war von mir ;-) Wie man sieht, ein Kurs eher für MOOC-Anfänger.
  3. Abfrage. Sie lautete: „Was wollt ihr jetzt in diesen max. 90 Minuten erfahren?“ Mein Vorschlag, der ein Handling der Lernunterlagen betraf, wurde (noch) nicht beantwortet. Passte womöglich nicht ganz zur allgemeinen Aufregung über das akute Webinargeschehen. Eine andere Frage, ob ich von der Session Screenshots machen und in meinem Blog veröffentlichen darf, fand schriftlich eine Zustimmung. Auch andere erhielten kurze Feedbacks per Chat und / oder per Video. Man versprach uns aber, es würden alle Fragen im Anschluss des Webinars aufgearbeitet werden. Die Texte werden ebenfalls gehostet.
  4. Chat. Es ging ein wenig durcheinander zwischen den an sich strukturgebenden Fenstern. Gut gedacht, doch von den Teilnehmenden nicht so ohne weiteres goutiert. Etliche waren überfordert. Später wurden Fenster weggenommen, was bei einigen für erleichterte Kommentare sorgte. Mein Vorschlag war: „Könnte man Chatbeiträge trennen in „Technisches“ und „Inhaltliches“? Na ja, wäre ein Versuch wert. Vielleicht greift man das auch auf, denn wenn zum x-ten Mal über den guten wie schlechten Ton gechattet wird, ist das nicht wirklich prickelnd. Muss aber auch sein, damit Neulinge wissen, dass grundsätzlich alles in Ordnung wäre und es möglicherweise am Endnutzer liegt.
  5. Eindruck. Nur wenige warfen das Handtuch – die einen aus Überforderung, die anderen aus Überdruss. Über Dreiviertel der Teilnehmenden blieben bis ins letzte Zeitdrittel. (16.30 Uhr: 152 | 16.40 Uhr: 216 | 17.00 Uhr: 243 | 16.45 Uhr zur Verabschiedung: 175). Ich selbst fand es nicht anstrengend, weil ich mich aufs Lesen konzentriert hatte und so manchem Link gefolgt bin. Von mir aus müssten Videos nicht sein, da bin ich wohl hoffnungslos „Old school“. Sie stören mich aber auch nicht sehr.
  6. Winke-Winke. „Sehr guter Gimmick zum Ende! Klasse! :D „ meinte bergmann. Und: „Das ist sehr schön, dass der EBmooc ganz viele Gesichter [hat]“ (Wilfried Frei). Was war geschehen? Wir wurden freigeschalten. Wer seine Kamera in Betrieb nahm, dessen Konterfei war zu sehen. Fröhliches Winken zum Ende und das Gefühl, als würde der Theatervorhang hochgezogen, und nicht wie sonst sich am Ende senken. Die Sorge der Moderatorin Birgit Aschemann war unbegründet. Nein, das Internet haben sie nicht damit kaputt gemacht!
  7. Schluss. Ob’s zum guten Ton gehört, sich aus dem Chat mit einem Gruß zu verabschieden? Irgendwie schon, denn auch, wenn’s „nur“ die Virtualität ist, ist sie im Realen verankert. Da gehört Höflichkeit einfach dazu. „Servus, Tschüssle und Ade“ – bis zum nächsten Erfahrungsbericht!

Fazit / Lessons Learnt:

  • Nicht oder schlecht funktionierende Technik bei einigen Teilnehmenden frustriert nicht nur die Betroffenen, sondern stört im Chatgeraune auch die anderen. Da heißt es, geduldig ertragen lernen.
  • Die Inhomogenität der Lernenden ist im virtuellen Raum genau so anspruchsvoll wie in Präsenzveranstaltungen. Toleranz und Nachsicht üben, mit sich und anderen.
  • Ich bin gelassener, wenn ich es mir als Konferenz vorstelle, offen und ohne Anspruchshaltung, mehr so als „Ich lasse mich überraschen“. Schwups, und schon sind ein paar interessante Goodies dabei. Ungeduldig und genervt fühle ich mich hingegen, wenn ich an die Zeit denke, die inhaltslos verrinnt. Nun, ich habe die Wahl der inneren Einstellung zu treffen. Und für dieses EBmooc bleibt’s dabei: Ich bleib dabei!

Vorsatz: Die von den Teilnehmenden genannten Tools näher unter die Lupe nehmen. Die Hausaufgabe der Woche, also das Quiz enträtseln.

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Impressionen vom Bayerischen Bibliothekstag 2016

Bayerischer Bibliothekstag 2016, in Passau vom 5.-6.10., mit Festabend im Rathaussaal und Ausklang in der Staatlichen Bibliothek mit seiner Wunderkammer. Von den Vorträgen hatte ich ja bereits über meine Nachgedanken geschrieben. Viel Spaß beim Blättern!

 

 

Erfolgreiche Bibliotheken – auf wessen Rücken? Nachgedanken zum BBT 2016

Hörsaal 10, Uni PassauVoller Respekt, doch auch sehr nachdenklich entlässt mich der Bayerische Bibliothekstag 2016, der vom 5.-6.10. am Uni-Campus Passau sehr gut organisiert über die Bühne ging. Im Themenkreis 2 ging’s um die „Lebenswelt Bibliothek“ und deren „Räume im Wandel“.

Münchner Stadtbibliothek Giesing

Vortrag Arne Ackermann, Gerlinde Zimmermann, Münchner Stadtbibliothek GiesingSo war denn auch die erste Frage, nachdem die Münchner Bibliotheken ihre erfolgreiche Giesinger Wiedereröffnung bzw. ihren Neubau bzw. ihre Zusammenlegung (je nach Position trifft der eine oder andere Begriff besser zu) vorstellte: „Wie konntet ihr euch das leisten?“ Nun lässt sich ein städtischer Haushalt einer Millionenstadt nur schwer mit Bibliotheken kleinerer und mittlerer Städte vergleichen. Die Antwort Dr. Arne Ackermanns fiel naturgemäß eher „unspezifisch-komplex“ aus und konnte speziell für den Fragenden nicht wirklich hilfreich sein.

Nun, ob ihm die nachfolgenden Vorträge aus Fürth und Penzberg besser geholfen haben? Ich hätte mich gerne mit ihm darüber unterhalten, denn MICH ließen sie sehr nachdenklich zurück: Christina Röschlein, die die Erfolgsstory zur Neu- bzw. Wiedereröffnung des historisch bedingten Zweifach-Novums, nämlich „Volksbücherei“ und „Innenstadtzweigstelle“ zum Besten gab, sowie Katrin Fügener, die den (im Prinzip mehrfachen) Umzug der Stadtbücherei schilderte, ebenfalls mit nachfolgender Erfolgsbilanz.

Volksbücherei Fürth – Innenstadtzweigstelle

Vortrag Christina Röschlein, Volksbücherei FürthUnd hier kommen wir zum ersten Punkt, an dem ich mich reibe. Während sich die Fürther Erfolge zunächst anhörten, als wären sie „lediglich“ dem richtigen Gebäude, den richtigen Kooperationspartnern und dem richtigen Konzept geschuldet, ergab meine Nachfrage dann doch, dass hier – neben den 6 hauptamtlichen Köpfen – so einiges nur mit Hilfe freiwilliger Leistung erreicht werden konnte.

Vortrag Christina Röschlein, Volksbücherei Fürth, Folie Entwicklung NutzeranmeldungenSie gehen in Richtung „Ehrenamt“, „Zusatzleistung ohne qualifizierte Ausbildung (hier die Cafébetreibenden, die z. B. am Sonntag die Ausleihwilligen betreuen) sowie Zusatzqualifikation der Bibliotheksleitung über das eigentliche Berufsbild hinaus (hier Werbemitteldesign), nebst honorarfreien oder -armen Veranstaltungen (dahinter stehen ebenfalls „Rücken“). Die Beteuerung, die Mitarbeiterzahl würde durchaus ausreichen, konnte meine Restzweifel nicht ausräumen, und offenbar die von anderen ebenfalls nicht. „Irgendwas machen wir wohl falsch“, so das skeptische Resümee einiger, oder auch: „Glück gehabt, doch steht und fällt das mit den Cafébetreibenden. Wie oft das heutzutage wechselt, weiß man ja …“)

Vortrag Christina Röschlein, Volksbücherei Fürth, Folie Entwicklung AusleihzahlenSoll ich mit dieser Fürther Erfolgsgeschichte beispielsweise in wenigen Tagen „meine Arnsberger“ motivieren, die sich auf den Weg zu neuen Ufern machen (müssen)? Gehört Glück einfach dazu? Darf und kann man sich darauf verlassen? Muss man mehr als „nur“ Bibliotheksfähigkeiten haben, und sind diese heute erwartbar oder bereits einforderbar? Hm, hm, hm …

Stadtbücherei Penzberg

Vortrag Katrin Fügener, Stadtbücherei PenzbergPenzbergs Leistungen zielen in eine ähnliche Ecke. Stichworte wie „Ehrenamt“, Leistungserbringung weit über die eigentliche Aufgaben hinaus, im Prinzip sogar Gefahr für die Gesundheit der Mitarbeiter/innen (Umzugskisten packen, schleppen, auspacken, wieder einpacken, … und das gut und gerne, wenn ich das richtig verstanden habe, 3-4-mal hintereinander, auf einer Baustelle arbeiten), die aber auch „zivilen Ungehorsam“ bedeutet, indem städtischer Grund „besetzt“ wurde, ohne, dass vorher dazu Beschlüsse gefasst wurden. Mutig, mutig.

Soll ich auch dieses Beispiel als Vorbild empfehlen, wie man unzumutbare Umstände mit Entschlossenheit, Tatkraft, Phantasie, Krafteinsatz, Gutwilligkeit … ändern kann?

Vortrag Katrin Fügener, Stadtbücherei Penzberg, Folie Fazit / EntwicklungVerstehen Sie mich nicht falsch. Ich bewundere all diese z. T. „unorthodoxen“ Maßnahmen, ja, im Prinzip sehe ich auch meine ehemalige Bibliotheksarbeit darin wiedergespiegelt. Das Ziel vor Augen, alles gebend, nicht immer auf dem linearen, oft auf dem „kleinen Dienstweg“, Muskelkraft (man war ja noch jung), später Feierabend (trotz Lebenszeitverbeamtung, ja, ja!), Essengehen, um die freiwilligen Helfer/innen bei Laune zu halten (natürlich ohne Spesenabrechnung), den Partner mit einspannen, notfalls Drohungen ausstoßen etc. – alles selbst auch erlebt. Doch heute frage ich mich ernsthaft:

Auf wessen Rücken?

Auf wessen Rücken (im Falle Pinzbergs wirklich auch organisch gesehen) werden diese sehr beachtlichen Erfolge erreicht bzw. ausgetragen? Wer, bitte schön, reibt sich darob die Hände und nutzt das beinahe schon schamlos aus? Sind das wirklich Vorzeige- und Leuchtturm-Bibliotheken, die man an einem Bibliothekstag präsentieren darf, ohne explizit auf die präkere Situationen der Bibliotheken im Allgemeinen und im Besonderen hinzuweisen?

Offenbar geht das. Kein Aufschrei von Seiten der Zuhörenden, eher ein „Tja, so ist das halt. Wer was erreichen will, …“. Da war die Frage nach der Finanzierbarkeit wirklich nicht naiv gestellt, sondern sehr, sehr klug und fast schon einer Auflehnung gleichkommend. Danke schön dafür.

Ich jedenfalls, mit zunehmenden Alter und auch zunehmender Erkenntnis, dass da etwas oberfaul ist im Staate Bayerns (und Deutschlands), ich mag das nicht mehr nur goutieren und diese Art Erfolgsgeschichten begeistert, weil unreflektiert beklatschen. Sondern eher diejenigen abklatschen, die sich an unseren Bibliothesk“kräften“ hemmungslos bedienen und das ersparte Geld anderweitig (und oft genug) mit vollen (und sauber gebliebenen) Händen zum Fenster heraus werfen. Und auch diejenigen fragen, die so ALLES gegeben haben: „Geht’s euch noch gut?!“

Liebe Arnsberger, und alle anderen Bibliotheken, die ich die nächste Zeit noch begleiten werde: Ich lege euch sicher nicht ans Herz, über eure Kräfte zu gehen, so dass ihr am Ende sagen müsst wie die Vortragende Frau Fügener: „Das war zu viel, und wenn ich das gewusst hätte …“

Da kann ich nur hoffen, dass der am BBT vorgestellte „Bayerische Bibliotheksplan“ bald greifen möge! Wenngleich der Weg über Konzepte und die erhoffte nachfolgende politische Willensbildung ebenfalls ein schwerer ist, so dürfte er gerechter, nachhaltiger und auch respektvoller sein, als das Austragen der Defizite auf dem Rücken der – ja, ist nun mal überwiegend so! – toughen Frauen, die mal eben wieder die Kohlen aus der Neandertalhöhlen-Feuerstelle holen.

BBV-Mitgliederforum 2015 (II) zur Willkommenskultur in Bibliotheken

„Wir haben in Deutschland aus der Migrationsgeschichte der letzten 40-50 Jahre hinzugelernt“, stellt Gönül Yerli, die Vizedirektorin der Islamischen Gemeinde in Penzberg und Podiumsteilnehmerin zum Thema „Willkommenskultur“ des Mitgliederforums 2015, ausgerichtet vom Bayerischen Bibliotheksverband (BBV) in München am 26.11.2105 zufrieden fest. Die vorangegangene Podiumsdiskussion (siehe Beitrag) unter Moderation von Katrin Fügener, Stadtbücherei Penzberg, erbrachte, dass sich Bibliotheken und ihre Mitarbeitenden einiges einfallen lassen, damit sich Menschen, die in unserem Land Schutz und Hilfe und eine neue Heimat suchen, bei uns willkommen fühlen. Ob es ausreicht bzw. ob es uns zur Ehre gereicht? Da bin ich mir nach diesem Tag  nicht ganz sicher, doch gute Ansätze sind erkennbar.

Ein „fränkisches“ Willkommen

Am Beispiel Erlangens stellten Dr. Sandra Heuser, Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und Anne Reimann, Stadtbibliothek Erlangen, dar, „Was Stadtbibliothek und Universitätsbibliothek zur Willkommenskultur beitragen“ können.

Im Grunde gelten alle Bibliotheksangebote für Flüchtlinge und Migrant(inn)en in der selben Weise wie für einheimische Bürger/innen. Allerdings geht die Stadtbibliothek einen Schritt weiter, indem das Büchereiangebot für 1 Jahr kostenlos genutzt werden kann und die sogenannten „Flüchtlingspaten“ generell die Bibliothek kostenlos nutzen dürfen. Die Einnahmeverluste werden über Spenden ausgeglichen.

Auch in der FAU-Bibliothek können Flüchtlinge …

  • einen kostenlosen Benutzerausweis erhalten
  • konventionelle Medien ausleihen
  • Internet-Terminals und elektronische Medien nutzen

Stadtbibliothek und FAU-Bibliothek legen hohen Wert auf die situativ passende Qualität von Führungen. Erstere organisiert Führungen teilweise über eine Flüchtlingshilfe-Organisation, zuweilen sogar mit Dolmetscher. Schon beim ersten Schritt in die Räume der Stadtbibliothek finden die Nutzer außerdem eine große Landkarte, auf der Nadeln ins jeweilige Herkunftsland gesteckt werden können. Eine nette Willkommensgeste, die durch eine Informationswand ergänzt sowie von Ausstellungen flankiert wird, beispielsweise in Kooperation mit Amnesty International.

Beide Bibliotheken sehen im erweiterten Bestandsaufbau – in der Stadtbibliothek über Spenden generiert – eine wichtige Hilfestellung für die ausländischen Gäste, sei es durch internationale Zeitungen, Hörbücher oder Medien für Sprachkurse, Wörterbücher und Online-Lexika. Die Stadtbibliothek setzt auch hier wiederum auf ein spezielles Angebot für Vermittler, beispielsweise Spiele zum Deutschlernen für Kinder und Erwachsene.

Eine gänzlich „bodenständige“ und praktische Willkommenshilfe ist sicherlich, Platz zu schaffen. Also Regale raus, Arbeitsplätze rein. Denn ein Ort, an dem sich’s ohne Angst zusammensitzen lässt, an dem friedliches und ruhiges Lernen möglich ist, das dürfte in Anbetracht der sicherlich nicht einfachen Situation in Flüchtlingsheimen und -lagern mit zu den dringendsten Wünschen zählen, die man sich vorstellen kann. Apropos vorstellen – sehr konkret wurden die Wünsche der Flüchtlinge von der FAU abgefragt, doch dazu gleich mehr.

Anne Reimann verhehlt nicht, dass es unter den Mitarbeitenden unterschiedliche Meinungen zum Thema „Willkommenskultur“ gibt. Dabei sei eine klare Linie von Seiten der Führung notwendig, da richtungsweisend.

Studium für Asylanten. Die Angebote der FAU Erlangen-Nürnberg

In Erweiterung des Bibliotheksthemas ging Dr. Sandra Heuser an diesem Nachmittag auch auf Angebote der Universität selbst ein, und zwar im Hinblick auf die Studienmöglichkeiten von ausländischen Gästen, die in Unsicherheit auf ihre Verweildauer in Deutschland leben.

Die Angebote gründeten sich auf Handlungsempfehlungen an städtische Einrichtungen, die wiederum aus einer Umfrage innerhalb des Forschungsprojekts  „Was Flüchtlinge brauchen – ein Win-Win-Projekt“ generiert wurden.

Angebote bzw. Komponenten für Asylsuchende sind:

  • Orientierungsgespräche auf der Grundlage der Bildungsbiografie, von denen bisher etwa 900 durchgeführt wurden
  • Allgemeine Studienberatung
  • In der Hauptsache Sprachkursangebote, Feriencamps (zusammen mit Erasmusstudierenden; die entstandenen Kosten werden aus Drittmitteln, hier die Förderung zur Internationalisierung der Universität, bestritten) …
  • … für die eine Teilnahmebescheinigung bzw. Modulbestätigung ausgegeben wird.
  • Bei nachgewiesenen Sprachkenntnissen bis B1 ist ein „Schnupperstudium“ möglich. Dies wurde bisher von etwa 50 Flüchtlingen wahrgenommen. (Anmerkung: das zweitgrößte Auffanglager Bayerns liegt im nahen Zirndorf.)
  • Ab Level B2 (soweit die mündliche Aussage, in meinen Recherchen fand ich sie nicht bestätigt, B1 war als Minimum angegeben) kann die (gebührenpflichtige!) DSH-Prüfung (Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang) erfolgen …
  • … um für einige ausgewählte Studiengänge zugelassen zu werden. Darüber liegen jedoch keine Anmeldezahlen vor, und verwunderlich ist das nicht.

Mein Fazit:

Die Angebote der Universität vermittelten trotz aller erkennbar guter Ansätze ein Gefühl der Ratlosigkeit, wie es denn für die bzw. den einzelne(n) asyl- und heimatsuchende(n) „Akademiker/in in spe“ zu schaffen sei, die Hürden bis zu einem Studium in Erlangen (sprich: Deutschland) zu bewältigen und wenn ja, was sie – außer einem Lerneffekt – davon haben. Denn ein grundsätzliches Manko ist, dass eine Immatrikulation für Geflüchtete nicht vorgesehen ist. Die Projektteilnehmenden erhalten als „Gäste“ keine ECTS-Punkte. So what?

Von einem nicht anerkannten Studium lässt sich nichts „abbeißen“, geschweige denn, einen akademischen Beruf ergreifen. Die Mühen wären in einer Ausbildung wohl besser angelegt. Zumal die Zeit, in der Flüchtlinge hier sind, nicht ausreichen dürfte, um all die Hürden zu überspringen. Danach heißt es wieder: zurück in die Armut – zumindest bei dem überwiegenden Teil der Hilfesuchenden. Mit einem Bild vor Augen, wie ich Deutsche es aus glücklichen Kindertagen hatte: „Würstchen-Schnappen“. Kennen Sie auch? Bevorzugt an Kindergeburtstagen, inklusive Gratulationen und herzlichen Glückwünschen für die Zukunft.

Nun ja, das Motto fürs Mitgliederforum 2016 wäre wohl eine elegante Fortsetzung einer stellenweise nur im Ansatz erfüllten Willkommenskultur: „Verabschiedungskultur“.

Demokratie hat Nachbarn, oder: ein bitterer Kommentar

Werfen wir einen Blick in das „Manifest der UNESCO 1994 – Öffentliche Bibliotheken“. Leider scheint es eine adäquate Entsprechung auf WB-Ebene nicht zu geben, ich halte das ÖB-Manifest jedoch für adaptierbar.

„Das Recht auf den Zugang zu Informationen und kulturellem Erbe sichert das Grundgesetz jedem Bürger zu.“ (Aus dem Vorwort)

„Freiheit, Wohlstand und die Entwicklungsmöglichkeit von Gesellschaft und Individuum gehören zu den Grundwerten des Menschen. Allein die Fähigkeit gut informierter Bürger, ihre demokratischen Rechte auszuüben und aktiv an der Gesellschaft mitzuwirken, sichert diese Werte. Konstruktive Teilnahme an der Demokratie und ihrer Entwicklung beruhen ebenso auf einer hinreichenden Bildung wie auf dem freien und unbeschränkten Zugriff auf Wissen, Denken, Kultur und Information.“ […] (S. 5)

Flüchtlinge kommen also in ein demokratisch regiertes Land, aus denen sich Rechte und Pflichten ableiten, auch für Nicht-Staatsbürger/innen. Doch die Teilhabe an diesem Land und seinen Bildungserrungenschaften bleibt ihnen letztendlich verwehrt. Schutz- und Heimatsuchende könnten uns viel geben, und sie könnten viel in die Welt hinaustragen, wenn sie wieder zurückkehren (müssen). Es ist das eine, in ein Land hineingeboren zu werden, das einem die Möglichkeiten der Bildung und des Wachsens nicht bietet oder das einem aus dem Sattel wirft. Es ist das andere, aus einem Land, das alle Grundvoraussetzungen für Bildung und Erfolg geschaffen hat, mangels passender Steigbügel wieder abgeschoben zu werden.

Es muss bitter sein, keine echten Chancen zu haben. Hoffen wir, es bleibt keine Bitterkeit zurück, die sich später an uns, die wir innerhalb einer globalisierten Welt leben, rächt. Denn es sind alle unsere Nachbarn, über kurz oder lang, und ob wir uns das wünschen oder nicht. Kann sein, dass wir dem Nachbarn nicht gerade die Nase vor der Türe zuschlagen – was sich ja so manche Bürger/innen unter uns bereits lauthals wünschten. Die Tür jedoch nur einen spaltbreit zu öffnen, dem Nachbarn lediglich Einblick in die gute Stube zu gewähren, ihm aber außer einer lauwarmen Tasse Tee nichts weiter mehr anzubieten, das ist nicht die Gastfreundschaft, aus der Gutes erwächst. Für das gäbe es sicher ebenfalls keine ECTS-Punkte.

BBV-Mitgliederforum 2015 (I) zur Willkommenskultur in Bibliotheken

Dr. Reiner KallenbornAm 26.11.2015 lud der Bayerische Bibliotheksverband (BBV) zum jährlichen Mitgliederforum in die Technische Universität München (TUM) zum Thema „Willkommenskultur“ ein. Als das Programm im zeitigen Frühjahr aufgestellt wurde, war die Brisanz des Themas noch nicht in diesem Ausmaße absehbar gewesen. Doch bereits bei 20% internationaler Studierenden an der TUM, so Dr. Reiner Kallenborn, Leitender Direktor der Universitätsbibliothek der TUM, sei eine Willkommenskultur angebracht, die zudem Ressourcen bündelt und durch die Zusammenarbeit von Institutionen Synergieeffekte zeitigen soll.

Begrüßung und Einführung

Teilnehmende BBV Mitgliederforum 2015Mit einer Anzahl von 50% Einwohner mit Migrationshintergrund in Kehlheim bestätigte MdL Martin Neumeyer als Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung den Bedarf nach einer Kultur des Willkommenheißens, die sich beispielsweise nicht nur in einem Begrüßungsschild – wie er es in Norwegen gesehen hatte – erschöpfen kann: „Know you are her – learn Norwegian“.

MdL Martin NeumeyerMit Hilfe modularer Sprachkurse und Büchern in leichter Sprache, die auch den geschätzen 20-30% Analphabeten hierzulande zugute kommen, oder über ein Angebot an Medien aus den entsprechenden Flüchtlingsländern, sogenannte Exilliteratur oder Emigrantenliteratur, könnte eine Basis für die deutsche Sprache und mithin für weitere Bildungsbemühungen geboten werden.

Zumal beispielsweise Syrer, Iraner oder Iraaker begeistert vom Sprachenlernen wären. Welche Motivation gibt es noch, um die deutsche Sprache lernen zu wollen? „Um Kant und Nietzsche im Original zu lesen“, so Neumeyer und berichtete von einer für ihn denkwürdigen Begegnung mit einem jungen Italiener, der dies als Grund seines Lernens angab.

MdL Bernd SiblerWie wichtig Bibliotheken als Lernorte sind und was sie für eine Willkommenskultur tun könnten, das führten nachfolgend die fünf Podiumsteilnehmenden aus, die von MdL Bernd Sibler, Staatssekretär und 1. Vorsitzender des BBV begrüßt und von Katrin Fügener aus Penzberg moderiert wurden.

Aus der Podiumsrunde

Podiumsteilnehmende BBV Mitgliederforum 2015

Yilmaz Holtz-Erasin, Leiter der mittlerweile 40-jährigen türkischen und interkulturellen Bibliothek „Vor Ort“ der Stadtbibliothek Duisburg, griff als erster Podiumsbeitragender die Frage auf: „Warum sollen sich Bibliotheken für Ausländer engagieren? Ist das nicht eine Aufgabe der Behörden?“ Eine Bibliothek sei ein Ort ohne Hürden, an dem man nicht viel sprechen und schon gar nicht behördendeutsch verstehen muss, so seine Erkenntnis aus eigener Erfahrung. Ein freier Zugang zu Büchern aus dem eigenen Land ist bereits ein Zeichen des Willkommens. Doch ist das auch allen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, bekannt? So lautet seine Frage: „Wie bringen wir den Menschen bei, dass Bibliotheken kein Kontrollinstrument ist, sondern sie Dienstleister sind?“

Mag auch „Durchs wilde Kurdistan“ ein Titel sein, der nicht unbedingt als „Exilliteratur“ gilt, doch wenn ein ostaramäischer Christ ihn hier entdeckt, so erfährt er in deutschen Bücherregalen mehr Anerkennung seiner Religion als im eigenen Land. In diesem Zusammenhang verweist Holtz-Erasin auch darauf, dass es nicht nur um die jeweilige Landeskultur ginge, sondern eben um die gesamte kulturelle Vielfalt in diesen Ländern.

An Caroline Zeisberger aus der Gemeindebücherei Grassau stellte die Moderatorin die Frage, „Wo genau holen Sie sie ab, wenn sie von Abholen sprechen?“ Es ist dies die sprachliche Barriere, die überwunden werden will und muss, beispielsweise über Zeigebücher ohne Sprache (doch mit Glossar) für den Anmeldevorgang. Sie berichtet von der Asylothek in Grassau, untergebracht im Jugendtreff und betreut durch Ehrenamtliche und der dortigen Jugendbeauftragten.

Die Asylothek hat täglich zwei Stunden geöffnet, also sogar eine Stunde mehr als die Bibliothek, was mithin ein Entscheidungsgrund zur Nutzung des außerbibliothekarischen Raumes war. Die Nutzung sei gut, berichtet Zeisberger zufrieden, und dabei spielt ein Billardspieltisch keine unerhebliche Rolle. Er lockt die zumeist jungen Männer in die Asylothek. So kämen von 160 Asylbewerbenden im Monat etwa 15 Personen, um bevorzugt Sprachkurse auszuleihen, aber auch an Führungen, die ehrenamtliche Betreuer/innen und Sozialdienste anbieten, teilzunehmen. In der Muttersprache zu lesen sei jedoch eher Beiwerk.

Die entsprechenden arabischen oder persischen Bücher wählt Christian Springer aus, die der bekannte Kabarettist direkt am Flughafen einkauft. Hier hatte der glückliche Zufall seine Hände im Spiel, nachdem dessen Tante ehrenamtlich in der Bibliothek beschäftigt ist und ihn um Hilfe in Sachen „Willkommensliteratur“ bat.

Julia Heinz aus der Stadtbibliothek Nürnberg, genauer gesagt, aus dem „Südpunkt“ berichtete davon, dass bereits 2009 zur Gründung dieser Zweigstelle ein internationales, insbesondere türkisch und russisch sprechendes Mitarbeiter/innenteam beabsichtigt war, da dies die Hauptfremdsprachen in Nürnberg seien. Und ganz besonders im Süden der Stadt, die als (ehemaliges) „Arbeiterviertel“ einen hohen Anteil an Migrant(inn)enanteil aufweist. Den Mitarbeiter(inn)n mit erkennbar ausländischen Wurzeln gegenüber werden andere Fragen gestellt, beispielsweise im sozialen Kontext. Für ausländische Kinder in Schulklassenführungen ist es gut zu erleben, dass man in Deutschland auch mit Migrationshintergrund „etwas werden kann“. Die Herausforderung dabei ist, wie man die Kinder erreicht, denn über sie lassen sich auch die Erwachsenen abholen. Das funktioniert ganz gut in Zusammenarbeit mit der Mutter-Kind-Gruppe des Amts für Kultur und Freizeit, dem „KuF“.

Wolfram Siemons ist seit einem Jahr in der Freiwilligenkoordination der Stadtbücherei Augsburg tätig, und hier besonders im Bereich der Integration von Flüchtlingen. Neben Deutschkursen, die ohnehin im Bestand sind, ging man in Augsburg der Frage nach: „Was braucht ihr hier vor Ort?“ und suchte die Antworten direkt in den Unterkünften der Asylsuchenden. „Das deutsche Leben kennenzulernen“, aber auch ein kostenlos nutzbarer Internetanschluss ist den befragten Asylant(inn)en wichtig. In den Unterkünften ist oftmals nicht einmal ein Hausmeister anwesend, so dass Bibliotheken als „3. Ort“ gerade für Flüchtlinge eine dringend notwendige Erweiterung ihrer Interimsheimat darstellen, um etwas über das Leben der Deutschen zu erfahren. In der Stadtbücherei werden als Reaktion auf die Umfrage auch vermehrt digitale Medien, zum Beispiel zum Sprachenlernen, aufgebaut.

„Die Leute wollen erst einmal ankommen, und nicht im Koran lesen“, konstatiert Gönül Yerli, Vizedirektorin der Islamischen Gemeinde in Penzberg. Sie erinnert sich, als Mädchen die deutsche Sprache am besten über Enid Blyton und TKKG-Bücher gelernt zu haben. „Der Wunsch nach deutschen Büchern wird kommen“, so Yerli, doch das Vehikel „Buch“, das in Deutschland und Europa Informationen vermittelt, ist nicht in allen Ländern das beliebteste Mittel. So würde in der Türkei höchstens ein Buch in fünf Jahren gelesen, in Deutschland hingegen fünf.

„Eine Bibliothek stellt für Migrant(inn)en einen Aufenthaltsort dar, der nichts kostet und gut erreichbar ist – einfach mal rauskommen aus der Unterkunft“, fasst es Julia Heinz zusammen, und Yilmaz Holtz-Erasin fügt hinzu, dass Bibliotheken auch für mündlich tradiierte Gesellschaften, also Erzählkulturen, gute Aufenthaltsorte darstellen. Hier böte das „Cafe Deutsch“ der Interkulturellen Bibliothek der Stadtbücherei Duisburg eine Möglichkeit an, sich mündlich auszutauschen und „Vorlesen für Erwachsene“ mit Vorlesepat(inn)en anzubieten.

Auch wurde eigens eine Themenbibliothek unter dem Titel „Ankommen in Deutschland“ bereit gestellt, mit zweisprachigen Büchern und Broschüren. Vorteilhaft sei die Zusammenarbeit mit Museen und der Volkshochschule. Wichtig sei es auch, die Mitarbeiter/innen einer Bibliothek für den Umgang mit ausländischen Gästen zu sensibilisieren.

Weitere Maßnahmen und Angebote für ausländische Gäste, die in der Podiumsrunde genannt wurden, sind:

  • Buchempfehlungen von ehemaligen Flüchtlingen
  • Orte zum Arbeiten anzubieten, ähnlich den Goethe-Instituten
  • vor allem weniger Bürokratie, indem Regelungen gefunden werden, wie beispielsweise unbegleitete jugendliche Flüchtlinge auch ohne die Unterschrift Erziehungsberechtigter entleihen können
  • Einnahmeverluste über Spenden aufzufangen (wie in Grassau)
  • Bibliothek der Lebenden Bücher (wie in den Leipziger Städtischen Bibliotheken)

Weiterführendes und Hilfestellungen zum Thema „Willkommenskultur“ bzw. Integration bzw. Flüchtlinge und Asylanten bieten:

Externe sind die neuen Internen

Organisationsentwicklung Kürzlich stolperte ich über die Vortragsfolien der Düsseldorfer Kollegin Dr. Irmgard Siebert mit dem humorvollen Titel „Keine Angst vor Dienstleistern“, gehalten zum 98. Bibliothekartag in Erfurt am 03.06.2009.

Vor allem, was den Einblick in die Internas der Bibliothek betrifft, sind Lernbegleiter/innen (auch: Berater/innen, Coaches, Moderator/inn/en etc.) zuweilen alles andere als „extern“ zu bezeichnen. Klar, wir mögen nicht das tägliche Brot miteinander teilen. Doch was das Wohl und Wehe der uns konsultierenden Bibliothek betrifft, haben wir – zumal, wenn wir kontinuierlich über mehrere Jahre hinzugezogen werden – eine breite Übersicht und oft einen tiefen Einblick über alle Abteilungen hinweg. Dazu gehört viel Vertrauen, denn nach außen darf schon rein gar nichts dringen.

Mit ein Grund, warum ich in meinem Weblog hier recht zurückhaltend bin mit „Geschichten aus meinem Berufsalltag“. Und auch so manches Mal eine Woche vergeht, in der ich eben nichts berichte, bzw. berichten will. Wie eben erst.

Ja, ich könnte Bücher schreiben, mit dem Schreiben tue ich mich ohnehin leicht. Aber auch mit der Zurückhaltung von Internas. Denn tatsächlich fühle ich mich nach nur wenigen Stunden, die ich intensiv in einer Einrichtung verbracht habe – doch auch schon in den vielen Stunden der Vorbereitung –  wie eine Kollegin. Der Abschied fällt mir jedesmal schwer, und ich freue  mich immer sehr, wenn ich – auch  nach Jahren erst – wieder eintauchen darf in die (hoffentlich) „Never-ending-Story“ dieser Bibliothek. Was hat sie in der Zwischenzeit umgesetzt und erlebt? Welche alten Probleme konnten bewältigt werden, welche neuen Anforderungen tauchten auf?

Heute beispielsweise freue ich mich auf ein baldiges Wiedersehen mit dem Sauerland, hier mit den Briloner und Arnsberger Kolleginnen und Kollegen. Die (gefühlt erst kürzlich) zugeklappten Ordner mit den Skripten und Mitschriften, Bahnverbindungen und Hotelprospekten etc. stehen in Reichweite. Ich vertiefe mich in das, was war und stelle Überlegungen an zu dem, was kommen wird, erstelle eine Online-Abfrage zur Vorbereitung … und schwupps fühle ich mich ein Stück weit wieder als Interne.

Um mit dem Titel von Dr. Siebert zu schließen: Keine Angst vor Externen, sie stehen ihren Kundinnen und Kunden innerlich näher, als diese vielleicht glauben! Und wir, die sogenannten Externen, wollen das Beste für ihre Kund(inn)en. Doch was DAS GENAU ist, das können die Auftraggeber/innen nur selbst bestimmen. Ich jedenfalls helfe gerne dabei mit, es herauszufinden!

 

#bibtag15 – Das Chaos beherrschen

NCC Ost, HalleMan möchte meinen, Bibliothekarswesen benötigen keine Anleitung zur Ordnung mehr. Und doch ist das Interesse an den Themen Officemanagement und Büroordnung im Allgemeinen, an Ablage und Chaosbeherrschung im Besonderen, ungebrochen. Zum Vortrag mit Workshop „Strukturierte Ablage auf allen Ebenen – Ordnung mit leichter Hand“ lud die OPL-Kommission des BIB¹ anlässlich des DBT 2015² die Referentin Ilona Munique (also die Blogschreiberin hier) in den Raum Kopenhagen ein.

Wegweiser zum Vortragsraum "Kopenhagen" im NCC OstThema, Raum und Leute für eine Tagung zusammenzubringen erfordert per se eine immense Organisationsleistung und strukturelle Ordnung. Angefangen von den Kontaktdaten der Protagonist(inn)en über die Programmplanung des DBTs, die Festlegung der Räume und die Wegweisung dorthin bis über gezielte Werbung mit – ja, ebenfalls wieder – allen Daten, um sich zu finden. Hier unter der Überschrift „Das Robinson-Crusoe-Syndrom und was man dagegen tun kann“.

Aktenfluss-Modell © Ilona MuniqueWie oft hat man es als OPLer/in nicht nur mit EINER komplexen Sache zu tun, sondern mit weitaus mehreren Arbeitsbereichen und Projekten. Nennen wir sie Kategorien. Diese wiederum lassen sich unterteilen in Themen und Unterthemen. So wird im Kopf, aber auch auf dem Ordnerrücken und parallel dazu in den Dateinamen der PC-Ordner systematisch unterschieden und (unter-)geordnet. Die Teilnehmenden konnten das gleich selbst mit einer Mindmap aufdröseln. Die Klammer bzw. der Ablageort wird zudem bestimmt durch die Art und Weise des inneren Zugangs.

Workshop-Aufstellung zum Vortrag Ilona MuniqueIn einem Workshop forderte ich die Teilnehmenden auf, ihren persönlichen Ordnungstyp festzustellen und sich in Gruppen zu formieren. Denn der entscheidet darüber mit, wie wir mit dem „Aktenfluss“ umgehen. Bin ich der A, B oder C-Typ? Neige ich zur Perfektion oder eher zum kreativen Chaos? Die Aufstellung in Gruppen zeigte: es gibt weitaus mehr B-Typen als A und C, so dass man durchaus sagen kann: Für OPLer alles im grünen Bereich, denn sie sind nach beiden Seiten offen: perfekt, wenn es sein muss, und kreativ, wenn es sein darf. Und wer zum anderen Ende der Skala gehört, der darf den anderen gerne zuarbeiten oder sie unterstützen. Und ansonsten so bleiben, wenn es sich gut anfühlt.

Meine Schlussworte sind nicht in den Vortragsfolien zu finden, die übrigens eine Auskopplung des Seminars „Zeitgewinn durch Ordnung im Büro“ sind. Sie lauten:

Die besten Voraussetzungen fürs Officemanagement sind nicht etwa Ordentlichkeit und der Einsatz technischer Hilfsmittel – das schon auch, natürlich. Doch vielmehr sind es Konzentration und Entscheidungsfreude, die darüber befinden, was wir tun und ablegen, und wie wir es (konsequent) tun.

¹ Berufsverband Information Bibliothek e. V., Kommission für One-Person-Librarians

² 104. Deutscher Bibliothekartag 2015