Open Space zur Öffentlichkeitsarbeit im Miniformat

122203-fobi-koeln-oea-1116-teilnSo manch‘ einer mag sich nicht getraut haben, sich zum für den Bibliotheksbereich noch weitesgehend unbekannten Veranstaltungsformat wie Open Space anzumelden. Mit 11 Teilnehmenden, bis auf eine Ausnahme aus Wissenschaftlichen Bibliotheken, war das Format daher nur ansatzweise zu erfüllen, es ließ sich dennoch ergebnisreich arbeiten. Der Austausch zwischen den Öffentlichkeitsarbeiter(inn)en, also das kollegiale Lernen, stand dabei im Vordergrund.

In der Rotunde der TU Köln hatten wir Platz in Hülle und Fülle, so dass sich die drei bis vier Gruppen ungestört voneinander „workshopen“ konnten. Themenpool zur ÖffentlichkeitsarbeitSie widmeten sich 7 von 9 favorisierten Bereichen ausgiebiger, wobei den größten Zeitraum der Umgang mit und im Social Media-Bereich, hier vor allem im Handling von Facebook lag. Die Ergebnisse werden im Anschluss jeweils mit einer zusammenfassender Dokumentation, weiteren Inputs sowie Literaturlisten ergänzt.

Der Veranstalter, die ZBIW, kann es sich durchaus vorstellen, dieses Format noch einmal, dann jedoch zweitägig anzubieten. Die Fülle an Themen zu Öffentlichkeitsarbeit ist schließlich enorm.

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Selbstversuch als Teilnehmende oder: „Was du nicht lerntest, obwohl du’s lehrst, …“

VideokameraRegelmäßig schlüpfe ich in die Rolle einer Teilnehmerin und gönne mir eine Fortbildung. Natürlich sehe ich den Seminarleiter aus einem ganz eigenen Blickwinkel. Ich will auch nicht überkritisch sein oder ihm oder ihr ins Handwerk pfuschen. Doch selbstverständlich nehme ich rege Anteil am Geschehen und bringe mich mit ein. Schließlich zahle ich auch Teilnahmegebühren.

Kommunikationsmodelle

Und im Falle von Äußerungen des Trainers, dass „auf einen groben Klotz durchaus auch ein grober Keil gehört“, muss und brauche ich mich ganz sicher nicht zurückhalten. Da schrie die Kommunikationstrainerin in mir „Hilfe, geht gar nicht!“.

In konsequenter Missachtung führte der Trainer des von mir besuchten Seminars viele seiner eigenen theoretischen Ausführungen ad absurdum, wie zum Beispiel eine „Kommunikationsgrundregel“ (sic!), „die Ihnen alle bekannt sein dürfte“, so der Trainer. (Was, die kennen Sie nicht? Ich auch nicht. Na, wenigstens fiel etwas später mal kurz der Name „Schulz von Thun“. Ach so, das „4-Ohren-Modell“ oder auch „4-Seiten-Modell“ bzw. „Kommunikationsquadrat“. Tipp: Kann ein Trainer seine Modelle weder exakt benennen noch die dazugehörenden Begriffe sauber aufführen, sollte er sie lieber nicht verwenden.)

Wie auch immer … Dem Modell zufolge könnten „klotzartige“ Beleidigungen (die den Bereichen der Selbstbekundung, des Beziehungshinweises oder des Appells zuzuordnen sind) überhört und stattdessen auf die Sachinhalts-Ebene gelenkt werden.

Möglich wäre auch ein klärendes 4-Augengespräch mit der klar hervorgebrachten Bitte, Beleidigungen künftig zu unterlassen. Das Beispiel bezog sich auf einen Bürgermeister, der seine Stadträtin verbal anging, was offenbar sein „normales“ Verhalten war.

Fest steht: Verbal zurückzuhauen dient keiner konfliktfreien, konstruktiven Gesprächsführung. So entstehen lediglich (Klein-)Kriege, die am Ende der siebenstufigen Konfliktleiter (nach Glasl*) stehen. Herr Lehrer, bitte – das sind BASICS! Es reicht nicht, ein bisschen in der Methodenkiste rumzupfuschen, um sich als Seminarleiter berufen zu fühlen. Das dient nur ihrem Geldbeutel und nicht der De-Eskalation am Arbeitsplatz, vom Weltfrieden ganz zu Schweigen. Auch nicht der überzeugenden Argumentation, denn ein Klotz auf einem Klotz überzeugt nur in einer Hinsicht: Da ist Gewalt im Spiel!

Dennoch nicht verloren

Nun, mein Geld war nicht gänzlich zum Fenster hinausgeschmissen, denn die Übungen aus der (zum Teil missverständlich eingeführten) Methodenkiste waren lehrreich, da die Teilnehmenden topp drauf waren. Um so unverständlicher waren die zahlreichen, brummig-harschen Anweisungen des Herrn Seminarleiters, der seine Rolle sehr einseitig, nämlich Ich-bezogen auslegte und sich in der Rolle des Dompteurs wähnte.

Die Teilnehmenden machten sich in den Pausen gegenseitig Mut und motivierten sich, durchzuhalten. So war der Zusammenhalt der Gruppe ein recht angenehmer, der sich positiv auf die Inhalte auswirkte. Interessant für mich war, dass wir (mein Kollege Burger war ebenfalls dabei) trotz des – ja, ich muss das jetzt so sagen: grottenhaft dilletantisch in Methodik wie Didaktik vorgehenden Seminarleiters (wobei er doch zumindest die Technik des Videoeinspielens beherrschte, immerhin) – einiges an Erkenntnissen mit nach Hause brachten. Dafür danken wir den Teilnehmenden herzlich!

Und: Nein. Ich verrate weder Seminarort noch den Namen des Referenten. Es reicht schon, dass ich in die Gefahr laufe, mit dieser Schilderung „mein eigenes Nest zu beschmutzen“. Was ich stattdessen will, ist, Sie zu motivieren, dass sich Fortbildung auch mit ungünstigen Rahmenbedingungen trotzdem lohnen können. Wenn SIE es wollen und SIE den inneren Ablauf mit steuern! Denn das Selberdenken und -handeln kann und darf Ihnen ohnehin niemand abnehmen oder gar verbieten. Und den Mund schon gar nicht, im Sinne von: „Das werde ich jetzt nicht mit Ihnen diskutieren“, um dann seinerseits lang und breit einen Monolog dranzuhängen. Bestehen Sie zumindest auf ein 4-Augen-Gespräch. (Wir hatten keine Zeit mehr dazu).

Lassen Sie keinesfalls alles über sich ergehen und mit sich machen. Erwachsene Menschen haben ein Recht darauf, mitzubestimmen. Heute ist das gelebte Modell die des Lernbegleiters, nicht die des Oberlehrers. Falls da wer einen Paradigmenwechsel verschlafen hat, sollte er noch einmal die Schulbank drücken. Es gibt da prima Weiterbildungen, wie man ein fähiger Erwachsenenbildner werden kann. Nur fachlich versiert (bzw. in diesem Falle „vorbelastet“ zu sein), das genügt heute nicht mehr.

Und: Nein. Ich habe auch entgegen meiner innersten Einstellung (mit dem Thema hatte ich sogar diplomiert) keinen Evaluationsbogen abgegeben. Denn das Ergebnis hätte nur lauten können: „Setzten, Fünf Minus.“ Dazu bin ich dann doch zu kollegial eingestellt und gestehe jedem Trainer mal einen (in unserem Falle waren es zwei) schlechte Tage zu. Er wird an meinen / unseren Reaktionen hoffentlich gelernt haben und sich künftig auf die Seite der Teilnehmenden stellen, sonst hat er nämlich bald seinen Job verloren.

* Nachzulesen bei Friedrich Glasl: Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater. Haupt, Bern 9. A. 2009, ISBN 978-3-258-07556-3.

Reise zum Schläschen Himmelreich

Haus Schlesien, Tagungsort in Königswinger, HeisterbacherrottVertriebene und Flüchtlinge haben sicher einiges gemeinsam. Beide Gruppen mussten strapaziöse und oftmals lebensgefährliche Wege bewältigen. Dagegen nimmt sich meine RE-IC-ICE-Bus-Fahrt, obgleich immer wieder um Anschlüsse hetzend, wie eine Vergnügungsreise aus. Das wurde mir wieder einmal bewusst, als ich vergangene Woche am Tagungsort „Haus Schlesien“ in Heisterbacherrott, einem Ortsteil von Königswinter, eher unvermutet mit der Vergangenheit der Schlesier konfrontiert wurde. Und das „Schläsche Himmelreich“ kennen lernte.

Tagungsraum im Haus Schlesien, Königswinter-HeisterbacherrottÜberall begegneten unserer Klausurtagungsgruppe, der Bibliothek des Bundesamts für Naturschutz, die Zeichen der jüngeren Geschichte. Jünger deshalb, da immer noch Zeitzeugen der Vertreibung am Leben sind und als Ehrenamtliche dort das Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde (DIZ) betreuen und mit ihren Erfahrungsberichten bereichern. Es ist „das Herzstück“ dieser Einrichtung, die außerdem mit Tagungsräumen, Veranstaltungen, Ausstellungen, studentischen Austauschprogrammen mit Polen und Tschechien sowie einer Bibliothek aufwartet.

Tagungsraum im Haus Schlesien, Königswinter-HeisterbacherrottIn der Rübezahlstube, zwischen zahlreichen Wappen schlesischer Städte aus der Region des Riesengebirges sitzend, kräftigten wir uns von den „Analysen und Visionen“  – ja, genau! – bei Schläschem Himmelreich, Gallert, Rouladen, Eierpannkuchen und Mohnkuchen, den (damals) typischen Landesgerichten. Mag auch Pflaumenmus auf Kassler oder Fleischsülze nicht jedermanns Sache sein – das zu allen Tageszeiten gereichte Mohngebäck stieß immer auf Liebhaber/innen.

Kapelle des ehemaligen Fronhofes, Haus SchlesienAn etlichen Kalorien, aber auch an Erkenntnissen landeskundlicher Weise reicher geworden, trat ich beeindruckt die Heimfahrt an. Ins Siebengebirge, südöstlich rechtsrheinisch von Bonn gelegen – bekanntester Ort dürfte mein Umsteigbahnhof Königswinter sein (Gästehaus auf dem Petersberg und Austragungsort der Afghanistankonferenz) – möchte ich gerne noch einmal reisen, um diese himmlische Gegend wandernd zu erkunden.

Teichanlage am Haus SchlesienDoch ich hätte ganz sicher auch nichts gegen einen Moderationseinsatz auf die Insel Vilm vor der Südküste Rügens, der Außenstelle der Natur-Spezialbibliothek ;-) – und bei dieser käme neben oben erwähnter Verkehrsmittel ja auch noch ein Schiff mit auf meine Liste.

Immer noch bequemer als zu Fuß und einen Karren hinterherziehend …

7 Punkte, wenn Worte wirken wollen …

Referentin Ilona Munique… denn es reicht nicht aus, nur den Mund auf- und zuzumachen. Weiß man ja eigentlich. Gerade als Vortragende ist man auf sein wichtigstes „Handwerkzeug“, den Mund, mehr als angewiesen. Neben den Ohren zum Zu- und Hinhören, versteht sich. Sieben Punkte, was auch bei teilnehmerstarken Fortbildungen hilfreich ist. Für Eilige: Zusammenfassung siehe unten.

Punkt 1: Gründliche Vorplanung

Ohne Frage muss zunächst der fachliche Inhalt des Gesagten dem entsprechen, was angekündigt und folglich erwartet wird. Didaktik, Methodik und Zeitmanagement sind im Vorfeld genau, jedoch nicht zu sehr einengend zwischen Veranstalter (hier über die Organisatorin Sonja Bluhm aus Würzburg) und vortragender Referentin (hier myself Ilona Munique) abzusprechen. So geschehen unlängst für eine Weiterbildungsveranstaltung für Beschäftigte in Patientenbibliotheken in Hofgeismar. Grundtenor: ein abwechslungsreicher Ablauf.

Punkt 2: Unterstützung des fachlichen Inputs

Die Kunst ist, auch bei trockenen Inhalten möglichst niemanden einzuschläfern, wobei eine gut strukturierte PowerPoint-Präsentation helfen kann. Oder dem Vortrag endgültig den Todesstoß versetzt. Sie ist wirklich nur als Hilfsmittel, nicht als Alleinherrscherin zu betrachten! Doch gerade in großen Räumen, die die Gefahr bergen, dass nicht alles bis in den letzten Winkel immer gleich gut zu verstehen ist, eine unumgängliche Unterstützung der Akustik.

Punkt 3: Zeitplanung mit Puffer

Dass der perfekt gestylte Zeitplan durch eine vom Tagungsortanbieter wegen Umbaumaßnahmen überraschend angekündigte Verkürzung um eine halbe Stunde (hier also um ein Siebtel) ansatzweise zur Makulatur wurde, sind die üblichen Hürden, die keiner besonderen Erwähnung bedürfen. Sofern man beispielsweise bei der Entwicklung des Vortrags modular vorging und daher einzelne Komponenten des Vortrags kappbar waren, lässt sich derartiges unaufgeregt auffangen.

Punkt 4: Zeitsouveränität vor Ort

Kreatives Zeitsparen vor Ort, indem die Kaffeepause in den Workshop-Zeiten aufgeht, sorgen für eine weitere Entlastung des Zeitbudgets. Nach dem Motto: Was geht, geht und ist gut so, wie es nun jetzt ist. Was nicht geht, wissen meist nur die Veranstalter selbst, daher muss es auch nicht weiter vor den Teilnehmenden ausgebreitet werden. Es ändert eh nichts und könnte nur Unruhe auslösen.

Punkt 5: Zuhörende in Mitwirkende verwandeln

Großes Plenum von 60 Fortbildungsteilnehmenden, Workshop-Vorstellung einer TeilnehmendenHingegen ist das Miteinbeziehen der Teilnehmenden an einer anderen Stelle von großartiger Wirkung. Und funktioniert auch bei 60 Teilnehmenden in einem großen Saal: Die Zuhörenden zu Mitwirkenden verwandeln. Und das sind die Komponenten:

Eine Vorstellungsrunde verbietet sich bei dieser Menge (fast) von selbst, doch ein paar Abfragen signalisieren das Interesse der Referentin an den Anwesenden, zum Beispiel: „Hand hoch: Wer ist ehrenamtlich, haupt- oder nebenamtlich eingesetzt?“, „Wer hat mehr als 100 Medien zu verwalten?“, „Wer ist keine One Person Librarian?“

Während des fachlichen Inputs sollten Zwischenfragen zugelassen sein. Vorsicht allerdings, damit es nicht chaotisch wird und im Stoff hin- und hergesprungen wird. Daher eine Fragenbegrenzung pro Inhaltsabschnitt ankündigen. Natürlich kann auch die Referentin selbst ein paar Zwischenfragen an die Teilnehmenden stellen.

Workshop-Ergebnis im Open-SpaceUm Worte geht es hier, und dafür ist ein Open-Space-Workshop, der zum Austausch einlädt und Ideen generiert, das Mittel der Wahl. Je mehr Teilnehmende, desto besser. Die Workshop-Themen werden vorgegeben, ein paar Gedankenschnipsel dazu, die eine oder andere offene Frage – und schon ist das Anfangen für alle leicht. Bei der Zusammenstellung der Themengruppen sollte auch Raum sein für ergänzende Vorschläge aus dem Plenum.

Workshop-GruppeTipp: Bei der Gruppenarbeit nicht zu viel einmischen, um die sich entwickelnde Dynamik nicht zu stören, doch zeigen, dass man als Referentin/Organisatorin präsent und ansprechbereit ist. Zeitansagen sind allerdings immer geboten, damit keine Hektik für die Zusammenfassungen entsteht.

Natürlich sollen und dürfen die Ergebnisse aus den Workshops von den Teilnehmenden selbst vorgestellt werden. Zwingend ist dies jedoch nicht. Die Hürde hier: Scheu der Teilnehmenden, sich vor der Grupper „hervorzutun“ und / oder vor großem Publikum zu sprechen. Meist genügt es aber, beginnt man als Referentin die Tafelkärtchen mehr oder weniger abzulesen und zu interpretieren, schon meldet sich doch noch ein Workshop-Gruppenmitglied, um etwas Erhellendes beizusteuern.

Eine vorherige Bestimmung eines Gruppensprechers oder einer -sprecherin hat sich meiner Erfahrung nach bei sich vorab unbekannten Teilnehmenden noch nicht sonderlich bewährt, dennoch kann man es als Option ansprechen.

Die Zuhörenden zu Mitwirkenden verwandeln ist etwas, das vor allem den „Alpha-Tieren“ unter uns nicht immer gelingt. Gar zu schnell wird das „Heft an sich gerissen“, ist das eigene Sendungsbewusstsein stärker als die Einsicht, gemeinsam am Erkenntnisziel zu arbeiten. Es hilft hier die Frage in die Gruppen hinein: „Konnte jede/r von Ihnen etwas beitragen? Bekamen alle ausreichend Gelegenheit, sich einzubringen? Falls noch nicht, bitten Sie jetzt gleich darum.“ Es sind schließlich immer zwei Seiten: Diejenigen, die sprechen und machen und die, die sprechen lassen bzw. mit sich machen lassen …

Punkt 6: Verstärkermanagement

Eine Hürde stellt zuweilen die Technik dar, die es bei Großgruppen unbedingt braucht, und zwar in Form eines „Verstärkermanagements“. Sehr hilfreich war hier die Unterstützung durch Martin Ertz-Schander, bibliothekarischer Referent vom Verband für Büchereiarbeit und Leseförderung „Eliport“, der zwei Mikrofone und die Verstärkeranlage verwaltete und zwischen den Teilnehmenden und der Referentin hin- und hereilte. Einzig das konsequente Darandenken, auch wirklich jede Äußerung aus dem Plenum ins Mikro sprechen zu lassen, forderte doch einiges an Disziplin und natürlich Zeit, da manchmal große Entfernungen überwunden werden mussten.

Punkt 7: Die innere Einstellung

Mein ultimativer Tipp: Sich als Referent/in oder Organisator/in niemals als Dompteur/in zu sehen, sondern den Willen an einem Gemeinschaftswerk fühlen und erkennen lassen. Denn nur dann springt der Funke über und entfacht eine „Sonnwendfeuer-Stimmung“, die auch dem trockensten Stoff zum Brennen versetzt.

Ach so, welcher das denn war, möchten Sie wissen. „Freundeskreis, Förderverein & Co.“ mit anfänglichem Input in die Vereinspraxis.

Zusammenfassung: Wenn Worte auch bei großen Gruppen wirken sollen

  1. Gründliche Vorplanung eines abwechslungsreichen Vortragsprogramms
  2. Fachlichen Input durch strukturierte Powerpoint-Präsentation unterstützen
  3. Zeitlichen Puffer für Überraschungen durch modulare Inhalte
  4. Zeitsouveränität vor Ort durch flexible Organisation
  5. Zuhörende in Mitwirkende verwandeln durch
    1. Abfragen
    2. Zwischenfragen (auf beiden Seiten)
    3. Open-Space-Workshops …
    4. … und deren zusammenfassende Vorstellung
    5. Workshop-Option Gruppensprecher/in oder nicht
    6. Alpha-Tier im Zaum halten
  6. Verstärkermanagement
  7. Innere Einstellung: Wille zum Gemeinschaftswerk

P. S.: Da einige wenige Teilnehmende kein Konterfei von sich im Internet sehen möchten, greife ich auf die Fotos von Herrn Ertz-Schander zurück – vielen Dank dafür!

Dessau – ein Erfolgsbericht stellt sich vor

Frau Lori schrieb: „Aus meiner Sicht ist unser Jahresbericht zu lang. Die Frage ist, was kann ich wem darstellen? Für mich wäre es wichtig, eine konkretere Zielstellung als „wir zeigen mal wie viel wir machen“ herauszuarbeiten. Die Frage von Aufwand und Nutzen steht natürlich auch. Was sind die Themenfelder, die in einem Jahresbericht sinnvoller Weise gezeigt werden können?“

Jahresbericht Anhaltische Landesbücherei Dessau 2014 – SeitenbeispielMit diesen und weiteren Fragen antwortete die Anhaltische Landesbücherei Dessau auf meine vorbereitende Abfrage zum Seminar „Präsentation für Bibliotheken“ mit Schwerpunkt „Jahresbericht“, durchgeführt vor einem Jahr in Magdeburg, veranstaltet von der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken Sachsen-Anhalt, Halle (Saale).

Das Ergebnis aus dem Seminar kann sich sehen lassen!

„Voller Tatendrang“ – so Sabine Lori auf ihrer Begleitkarte zu ihrem kürzlich mir zugesandten neuen Jahresbericht – hatte sie mit drei Kolleginnen die Ideen umgesetzt. Und das Ergebnis ist fantastisch!

  • Abgespeckt von vormals 37 prall gefüllten A4-Seiten
  • auf 32 Seiten im quadratischen Kleinformat (20 cm)
  • locker mit inhaltlichen Häppchen gefüllt,
  • je Seite eine Themen-Überschrift, entnommen dem UNESCO-Manifest Öffentliche Bibliothek
  • angenehm großen und daher bequem zu lesenden Fontgröße mit optimalem Durchschuss,
  • vielen ansprechenden Farbfotos
  • und nur einer Tabellenseite,
  • kostenschonend digitalkopiert und mit einer Vorsatz-Glanzfolie geheftet und gebunden,
  • und das Schönste: der Schritt von der reinen Selbstdarstellung hin zum Kunden springt aus jeder Zeile! Vorneweg auf dem Titelblatt kommt denn auch gleich ein Kunde zu Wort:

Weiter so! Diese freundliche Beratung tut richtig gut!

Jahresbericht Anhaltische Landesbücherei Dessau 2014 – SeitenbeispielJahresbericht Anhaltische Landesbücherei Dessau 2014 – SeitenbeispielIch bin sehr glücklich über das tolle Ergebnis. Weiß ich doch wieder einmal, dass sich alle Mühen – die meinigen wie die der Teilnehmenden – nachhaltig gelohnt hatten. Oder wie auf der beiliegenden Karte von Frau Lori so treffsicher zu lesen war:

Erfolg sollte stets die Folge, nie das Ziel des Handelns sein. (Gustave Flaubert)

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass Sie Ihrem Erfolg ein Stück weit näher kommen, wenn wir uns miteinander verbünden. Ich komme gerne auch zu Ihnen – schöpfen Sie Ideen aus unserem Fortbildungsprogramm.

(Korr. 24.07.15)

#bibtag15 – Das Chaos beherrschen

NCC Ost, HalleMan möchte meinen, Bibliothekarswesen benötigen keine Anleitung zur Ordnung mehr. Und doch ist das Interesse an den Themen Officemanagement und Büroordnung im Allgemeinen, an Ablage und Chaosbeherrschung im Besonderen, ungebrochen. Zum Vortrag mit Workshop „Strukturierte Ablage auf allen Ebenen – Ordnung mit leichter Hand“ lud die OPL-Kommission des BIB¹ anlässlich des DBT 2015² die Referentin Ilona Munique (also die Blogschreiberin hier) in den Raum Kopenhagen ein.

Wegweiser zum Vortragsraum "Kopenhagen" im NCC OstThema, Raum und Leute für eine Tagung zusammenzubringen erfordert per se eine immense Organisationsleistung und strukturelle Ordnung. Angefangen von den Kontaktdaten der Protagonist(inn)en über die Programmplanung des DBTs, die Festlegung der Räume und die Wegweisung dorthin bis über gezielte Werbung mit – ja, ebenfalls wieder – allen Daten, um sich zu finden. Hier unter der Überschrift „Das Robinson-Crusoe-Syndrom und was man dagegen tun kann“.

Aktenfluss-Modell © Ilona MuniqueWie oft hat man es als OPLer/in nicht nur mit EINER komplexen Sache zu tun, sondern mit weitaus mehreren Arbeitsbereichen und Projekten. Nennen wir sie Kategorien. Diese wiederum lassen sich unterteilen in Themen und Unterthemen. So wird im Kopf, aber auch auf dem Ordnerrücken und parallel dazu in den Dateinamen der PC-Ordner systematisch unterschieden und (unter-)geordnet. Die Teilnehmenden konnten das gleich selbst mit einer Mindmap aufdröseln. Die Klammer bzw. der Ablageort wird zudem bestimmt durch die Art und Weise des inneren Zugangs.

Workshop-Aufstellung zum Vortrag Ilona MuniqueIn einem Workshop forderte ich die Teilnehmenden auf, ihren persönlichen Ordnungstyp festzustellen und sich in Gruppen zu formieren. Denn der entscheidet darüber mit, wie wir mit dem „Aktenfluss“ umgehen. Bin ich der A, B oder C-Typ? Neige ich zur Perfektion oder eher zum kreativen Chaos? Die Aufstellung in Gruppen zeigte: es gibt weitaus mehr B-Typen als A und C, so dass man durchaus sagen kann: Für OPLer alles im grünen Bereich, denn sie sind nach beiden Seiten offen: perfekt, wenn es sein muss, und kreativ, wenn es sein darf. Und wer zum anderen Ende der Skala gehört, der darf den anderen gerne zuarbeiten oder sie unterstützen. Und ansonsten so bleiben, wenn es sich gut anfühlt.

Meine Schlussworte sind nicht in den Vortragsfolien zu finden, die übrigens eine Auskopplung des Seminars „Zeitgewinn durch Ordnung im Büro“ sind. Sie lauten:

Die besten Voraussetzungen fürs Officemanagement sind nicht etwa Ordentlichkeit und der Einsatz technischer Hilfsmittel – das schon auch, natürlich. Doch vielmehr sind es Konzentration und Entscheidungsfreude, die darüber befinden, was wir tun und ablegen, und wie wir es (konsequent) tun.

¹ Berufsverband Information Bibliothek e. V., Kommission für One-Person-Librarians

² 104. Deutscher Bibliothekartag 2015

Klarsprech statt Worthülsen. Eine Bücherei blickt durch.

Team Stadtbücherei Lüdenscheid im Leitbildprozess5114-Wegweiser-LuedenscheidWas, bitte, ist eine „demokratische Stadtgesellschaft“? Bedeutet es, dass alle (auch Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft) demokratisch darüber abstimmen dürfen, wann und zu welchem Preis sie ihre – von Steuergeldern finanzierten – Büchereien nutzen dürfen? Oder ist hier der in Deutschland übliche und daher nicht weiter erwähnenswerte demokratische Prozess der Parteienwahl gemeint? Ist „Stadtgesellschaft“ ein Synonym für „Bürgerinnen und Bürger“, also einer Bezeichnungen, die „man“ vermeiden will, weil sie in kommunalen Verlautbarungen zu reichlich und zu altbacken daher kommt? Wie auch immer … der bemühte Versuch, neue Begrifflichkeiten Begriffe in das Leitbild der Stadtbücherei Lüdenscheid einzuführen, findet an diesem und weiteren Punkten wenig Zustimmung.

Team Stadtbücherei Lüdenscheid, Leitbild-ProzessDoch auch vormals über jeden Zweifel erhabene bibliothekarische Begriffe werden zerlegt. Ein Beispiel ist das gute, alte „Informationszentrum“. Sind Büchereien als Informationsdienstleister noch so zentral wie ehedem, oder wurden sie nicht längst schon durch andere Dienstleister an die Peripherie gerückt? „Zentral“ in einer vernetzten, sich ergänzenden und konkurrierenden Welt scheint nur noch der Google-Suchmaschinenschlitz zu sein. Nur mal so als Provokation. Es genügte, um uns leichten Herzens auf Reduktionen einzulassen und so zum Kern der Aussage zu gelangen: Freier Zugang zu Informationen. Also auch für diejenigen, die zuhause immer noch keinen Suchschlitz ihr Eigen nennen. Von der Hilfestellung im Kampf um die „richtigen“ Informationsquellen reden wir an anderer Stelle weiter.

Wortfindung und -bewertungApropos Zugang: Kann es Auftrag einer Stadtbücherei sein, den „Zugang zum kulturellen Erbe?“ zu schaffen, oder wird sie damit prompt mit Archiv oder Museum verwechselt? Was fangen wir an mit der Aufforderung: „den positiven Wert kultureller und sprachlicher Vielfalt fördern“? Lässt sich ein positiver Wert fördern, oder ist er nicht einfach, was er ist? Wurde be-fördern gemeint? Oder soll gar der Turm zu Babel neu aufgebaut werden? Hm. Im Hinblick auf die Finanzdecke sind gutes Deutsch und verständliches Englisch Anspruch genug. Dafür Medien zu beschaffen schränkt die gewünschte Vielfalt samt Wertediskussion (die Büchereien nur unterstützen, nicht selbst führen können) von selbst ein. Wir sehen uns ohnehin mit hechelnd heraushängender Zunge jeglicher Vielfalt hinterher eilen, was nicht besser wird durch den anspruchsvollen Satz, „mit dem Medienwandel Schritt zu halten“. Eher schon, die Anforderungen, die zwangsweise entstehen, aufzugreifen.

Team Stadtbücherei Lüdenscheid im LeitbildprozessUnd sei es politisch noch so gewollt und stereotyp vorgegeben: wirkt „Migrationshintergrund“ denn nicht genauso diskriminierend wie „Behinderte“? „Integrationsprozesse“ sind des Pudels Kern, und diese will die Stadtbücherei unterstützen und ihren Beitrag dazu leisten. Denn ob Minderheit oder nicht: sie sind alle ganz einfach unsere „Kunden“. Oder etwa nicht? Neues Diskussionsfass aufgemacht! Doch schnell entschieden. Durch gestiegene Ausleih- und Servicegebühren ist „Kundin/Kunde“ ohne Weiteres gerechtfertigt, die Haltung dahinter ebenfalls (die politisch korrekte Anrede eingeschlossen).

Stadtbücherei Lüdenscheid, HintereingangStadtbücherei LüdenscheidVon daher liegt das Problem nicht so sehr im Begriff, sondern darin, dass sich tatsächlich nicht mehr jede Zielgruppe einen Büchereiausweis leisten kann und mag. Und wenn schon Zielgruppendiskussion, dann ohne die „Silver Society“ oder „Best Agers“ zu bemühen, Mega-Trend-Begriff hin oder her. Auch zu den „geburtenstarken Jahrgängen aufwärts“ brachten uns Hintergrundrecherchen* keine optimale Lösung. Weder konnte „Generation X“ noch Baby Boomer überzeugen. Ohnehin hatten englischsprachige Begriffe wenig Chancen, ebensowenig wie „denglische“ bzw.  „germische“ Konstrukte.

Team Lüdenscheid im LeitbildprozessUnser Resümee war: Was nach Worthülse, Effekthascherei oder Kunstwort klangt, war es oft auch. Fantastisch entlarvt wurde und werden sie diese Tage von der Stadtbücherei Lüdenscheid, die sich durch stark veränderte Rahmenbedingungen neu aufstellen will und muss. Begriffe in Informations- und Konzeptunterlagen sowie Beratungsexpertisen durchwanderten eine strenge Selektion durch rund 20 Mitarbeitende einer Bibliothek, die verblüffenderweise auf dem ersten (und auch zweiten) Blick so wirkt, als wäre sie eine Musterbibliothek, erdacht für eine Neuauflage des UNESCO-Manifests „Öffentliche Bibliotheken“.

Doch eben, weil sie sich an den von außen und innen herangetragenen Ansprüchen messen lassen will, unter der Prämisse, immens Personal einzusparen (von 20 auf 14 bis 2019) und ganz nebenbei eine sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau in Sachen Kultur, Bildung und Freizeitgestaltung zu gebären, nehmen sie ihr Schicksal beherzt in die Hand und den Kampf mit den Wörtern, die später gelebt werden wollen, auf.

Prozessbegleiterin, Moderation: Ilona MuniqueGefördert durch Landesmittel und begleitet durch eine externe Moderation, die diesen Weg immer wieder gerne ein Stück weit mit geht, helfen der gesunde Menschenverstand, ein gutes Gefühl für Sprache, langjährige Erfahrung und Fachwissen, mutig geäußerte Zweifel und Fragen, spontan oder auch wohl überlegte Antworten, eine große Portion Geduld und Steh- bzw. Sitzvermögen, ganz nach dem Motto von Katharina von Siena:

„Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“

* Danke, Frau Biedebach, für die nachgereichten Links!
[PDF] Die Zielgruppe Mid-Ager …
Feierabend.de, Generation-50plus