#ebmooc17. „Wir machen das Internet kaputt“

[Serie #ebmooc17. Aufbau und Lernen (2): Webinar]

Das 1. Webinar innerhalb des EBmooc17. Thema: Einführung und das Lernen in MOOCs. Ausblick für rund 250 Teilnehmende, moderiert von einem fünfköpfigen EBmooc-Team, das seine Sache gut gemacht hat. Online live nachzuverfolgen war alles unter Facebook / werdedigital.

Meine Erlebnisse – jeweils ein Screenshot unter der laufenden Nummer am Ende des Beitrags:

  1. Anmelden. Um 16.30 Uhr war Einlass angekündigt. Raus aus der Studentenbetreuung und schnell das Headset umgehängt. Hach, pünktlich! Adobe Connect leider nicht. 5 Minuten rödelte es so vor sich hin. Neuer Versuch, nochmals Einstiegsseite. Na endlich! Kurzer Rundumblick auf dem Bildschirm. Sechs Fenster und eine Videoleiste mit 5 Lebendwesen. Okay, überschaubar. (Allerdings nicht für alle, wie sich später herausstellte.)
  2. Vorstellungsrunde. Linkes Fenster eine klare Aufforderung dazu im Header. Abfragehäkchen setzen im Fenster „Was erwartet ihr von diesem MOOC?“ 138 von derzeit 210 Teilnehmern (90,2%) möchten neue Tools kennenlernen. 125 (81,7%) wollen sich aktuelles Wissen über digitale Möglichkeiten holen und 116 (75,8%) erwarten Impulse für ein eigenes digitales Bildungsangebot. Die wenigsten (5,2%) möchten ihre eigenen Erfahrungen und Anliegen verbreiten. Ich nehme an, 5 von 8, die das angeklickt hatten, waren aus dem Moderatorenteam. Ein Häkchen war von mir ;-) Wie man sieht, ein Kurs eher für MOOC-Anfänger.
  3. Abfrage. Sie lautete: „Was wollt ihr jetzt in diesen max. 90 Minuten erfahren?“ Mein Vorschlag, der ein Handling der Lernunterlagen betraf, wurde (noch) nicht beantwortet. Passte womöglich nicht ganz zur allgemeinen Aufregung über das akute Webinargeschehen. Eine andere Frage, ob ich von der Session Screenshots machen und in meinem Blog veröffentlichen darf, fand schriftlich eine Zustimmung. Auch andere erhielten kurze Feedbacks per Chat und / oder per Video. Man versprach uns aber, es würden alle Fragen im Anschluss des Webinars aufgearbeitet werden. Die Texte werden ebenfalls gehostet.
  4. Chat. Es ging ein wenig durcheinander zwischen den an sich strukturgebenden Fenstern. Gut gedacht, doch von den Teilnehmenden nicht so ohne weiteres goutiert. Etliche waren überfordert. Später wurden Fenster weggenommen, was bei einigen für erleichterte Kommentare sorgte. Mein Vorschlag war: „Könnte man Chatbeiträge trennen in „Technisches“ und „Inhaltliches“? Na ja, wäre ein Versuch wert. Vielleicht greift man das auch auf, denn wenn zum x-ten Mal über den guten wie schlechten Ton gechattet wird, ist das nicht wirklich prickelnd. Muss aber auch sein, damit Neulinge wissen, dass grundsätzlich alles in Ordnung wäre und es möglicherweise am Endnutzer liegt.
  5. Eindruck. Nur wenige warfen das Handtuch – die einen aus Überforderung, die anderen aus Überdruss. Über Dreiviertel der Teilnehmenden blieben bis ins letzte Zeitdrittel. (16.30 Uhr: 152 | 16.40 Uhr: 216 | 17.00 Uhr: 243 | 16.45 Uhr zur Verabschiedung: 175). Ich selbst fand es nicht anstrengend, weil ich mich aufs Lesen konzentriert hatte und so manchem Link gefolgt bin. Von mir aus müssten Videos nicht sein, da bin ich wohl hoffnungslos „Old school“. Sie stören mich aber auch nicht sehr.
  6. Winke-Winke. „Sehr guter Gimmick zum Ende! Klasse! :D „ meinte bergmann. Und: „Das ist sehr schön, dass der EBmooc ganz viele Gesichter [hat]“ (Wilfried Frei). Was war geschehen? Wir wurden freigeschalten. Wer seine Kamera in Betrieb nahm, dessen Konterfei war zu sehen. Fröhliches Winken zum Ende und das Gefühl, als würde der Theatervorhang hochgezogen, und nicht wie sonst sich am Ende senken. Die Sorge der Moderatorin Birgit Aschemann war unbegründet. Nein, das Internet haben sie nicht damit kaputt gemacht!
  7. Schluss. Ob’s zum guten Ton gehört, sich aus dem Chat mit einem Gruß zu verabschieden? Irgendwie schon, denn auch, wenn’s „nur“ die Virtualität ist, ist sie im Realen verankert. Da gehört Höflichkeit einfach dazu. „Servus, Tschüssle und Ade“ – bis zum nächsten Erfahrungsbericht!

Fazit / Lessons Learnt:

  • Nicht oder schlecht funktionierende Technik bei einigen Teilnehmenden frustriert nicht nur die Betroffenen, sondern stört im Chatgeraune auch die anderen. Da heißt es, geduldig ertragen lernen.
  • Die Inhomogenität der Lernenden ist im virtuellen Raum genau so anspruchsvoll wie in Präsenzveranstaltungen. Toleranz und Nachsicht üben, mit sich und anderen.
  • Ich bin gelassener, wenn ich es mir als Konferenz vorstelle, offen und ohne Anspruchshaltung, mehr so als „Ich lasse mich überraschen“. Schwups, und schon sind ein paar interessante Goodies dabei. Ungeduldig und genervt fühle ich mich hingegen, wenn ich an die Zeit denke, die inhaltslos verrinnt. Nun, ich habe die Wahl der inneren Einstellung zu treffen. Und für dieses EBmooc bleibt’s dabei: Ich bleib dabei!

Vorsatz: Die von den Teilnehmenden genannten Tools näher unter die Lupe nehmen. Die Hausaufgabe der Woche, also das Quiz enträtseln.

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Struktur und Ordnung zum #bibliothekartag #bibtag15 in Nürnberg

„Strukturierte Ablage auf allen Ebenen – Ordnung mit leichter Hand“ ist der Titel meines Vortrags am 29.05.2015 zwischen 9.00 und 11.30 Uhr zum 104. Deutschen Bibliothekartag.

Er läuft unter der Dauerserie: „Das Robinson-Crusoe-Syndrom und was man dagegen tun kann“ und ist eine Veranstaltung der BIB-Kommission für One-Person-Libraries.

Hier die Einbettung ins Gesamtprogramm:

Moderator/in: Jürgen Plieninger (Institut für Politikwissenschaft, Tübingen)
Moderator/in: Katrin Lück (Universität des Saarlandes, Europa-Institut / Bibliothek, Saarbrücken)

  • Strukturierte Ablage auf allen Ebenen – Ordnung mit leichter Hand / Ilona Munique (Das WEGA-Team, Bamberg)
  • Europäische Dokumentationszentren (EDZ) damals und heute – die „etwas andere“ Spezialbibliothek
  • Sabine Hertel (Freie Universität Berlin, Universitätsbibliothek, Abt. Sacherschließung, Dokumentationszentrum Vereinte Nationen – Europäische Union, Berlin)
  • Cornelia Linnartz (Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Europäisches Dokumentationszentrum, Köln)

Ich freue mich über Ihr Kommen!

Wer es gerne etwas ausführlicher hätte, kann gerne das Officemanagement-Seminar „Zeitersparnis durch Ordnung im Büro“ buchen.

 

#bibtag14 – mit dem Anfang enden: die Eröffnungsrede

„… Ich war zehn Jahres alt … Wir wohnten in einer Zechensiedlung namens „Dunkelschlag“, die einzigen Bücher in unserer Familie waren die Karl May-Bände …“, so begann Thomas Böhm, Programmleiter des Literaturfestivals Berlin, seinen Eröffnungsvortrag in Art des Storytellings.

Welt des Buches und der Erzählungen

Wer im vollbesetzten Saal erinnerte sich wohl nicht in diesem Augenblick an seine eigenen prägenden Erfahrungen mit der Welt des Buches oder des Erzählens?

MEIN Opa wurde zwar nicht von einem ausgebrochenen Löwen angegriffen, den er „von links auf rechts umzustülpen“ wusste, doch dass er nach dem Krieg beim mühseligen Wiederaufbau seines Hauses praktisch mit Nichts und einer Handvoll Nägel getreu dem Motto: „Dreck und Sand gibt auch ’ne Wand“ einen einsam liegenden Sack Zement mitgehen ließ und dafür ein paar Wochen im (berühmten) Nürnberger Gefängnis saß, ist ein (nicht sonderlich) wohlbehütetes Geheimnis gewesen, welches wir drei Enkelinnen uns immer wieder neu und schauerlich ausmalten. Und unserem Opa erst (zurück)erzählten, als sich das „Geheimnis“ bereits unter den sechs kichernden Ur-Enkelkindern auszubreiten begann. Sein perplexes Gesicht ob unserer Kenntnisse über seine längst vergessen geglaubte – vom Kriegsgeschehen einmal abgesehen einzigste Freveltat seines ansonsten tadellos rechtschaffenen und fleißigen Lebens – steht mir heute noch plastisch vor Augen.

Balsam für die gekränkte Seele

„Vor-Augen-Stehen“ wird mir auch lange noch dieser Eröffnungsabend, obgleich er rein äußerlich wenig spektakulär ausgestattet war. Der Saal „old fashion“ (O-Ton Kirsten), kein beeindruckendes Bühnenbild, kein üppiger Blumenschmuck, dezent schwarz-weiß gekleideter Chors don Bleu des Blaumeier-Ateliers (fabelhaft!), … Doch Thomas Böhm, Chefredakteur von Journalistenwatch (bezeichnenderweise mit dem Zusatz: „Das Portal für Medienkritik und Gegenöffentlickeit“) wusste unsere, meine bibliothekarische, von journalistischen Missgriffen wie Bücherwurm, Leseratte und Duttvergleichen gekränkte Seele mit seinem Eröffnungsvortrag tief und balsamisch zu berühren.

Meist eher lakonisch („Hinein in diesen Raum“), nie jedoch zynisch („vor dem Schreibtisch einer älteren Dame, die mich anlächelte“), szenisch erzählend („Hallo. Möchtest Du Bücher ausleihen?“), nicht dramatisierend („Hast Du denn schon einen Büchereiausweis?“), auf Wirkung bedacht („Ich habe mir vorgenommen, einen Augenblick vor Ihnen zu zögern“), den Spagat dabei, sich nicht anzubiedern, gemeistert („aus Dankbarkeit für diese Frage, die mir vor 35 Jahren eine Kollegin von Ihnen gestellt hat“) und uns allen letztendlich innerliche, zutiefst befriedigende Momente bescherend, zumindest bei mir mit allen körperlichen Merkmalen wie Gänsehaut, Kloß im Hals und feuchte Spuren in den Augen:

„Und als Hommage an die unzähligen Augenblicke, in denen Sie, meine Damen und Herren, diese Frage gestellt haben. Ein Moment des Zögerns auch als Erinnerung an all die Menschen, die jetzt statt meiner hier stehen und die Geschichte ihres ersten Bibliotheksausweises erzählen könnten.“

Mir ging es nun so, wie es dem kleinen Thomas ging: „Als ich den Ausweis dann in Händen hielt, fragte ich: „Wie viele Bücher kann ich denn ausleihen?“ „Soviel du willst.“

Der große Böhm hätte mich jetzt fragen können „Wie viele Stunden kann ich denn erzählen?“ Ich hätte geantwortet:

„Soviel du willst.“

Erfüllung

Ich danke den Organisatoren des Deutschen Bibliothekartages sehr herzlich, allen voran Kirsten Marschall vom BIB und Klaus-Rainer Brintzinger vom vdb dafür, diesen Eröffnungsabend mit Thomas Böhm bereichert zu haben.

Und ich danke Thomas Böhm dafür, mir / uns diesen zutiefst befriedigenden Anfang zu einer Tagung beschert zu haben, dessen Nachhall sich durch alle anstrengenden Tage hindurch erhalten hat. Wieder zu wissen, warum ich all die Berufsjahre hindurch beim Thema „Buch und Mensch“ festgehalten habe, trotz des einen oder anderen „Schlenkerlas“ und aller Unbill und Umbrüche zum Trotz, und wieder zu wissen, dass auch knapp 40 Jahre später noch, nach meiner „Berufung“ in einer sehr gut ausgestatteten Schulbücherei, in der ich damals mithelfen durfte, ein Satz von Thomas Böhm seine fortwährende Berechtigung hat, ein Satz, der auch hätte meiner sein können:

„Zum ersten Mal hatte ich einen Eindruck davon, was ein „erfülltes Leben“ sein könnte“

ja, das alles zu hören war es jeder finanzielle und zeitliche Aufwand der Tagung und darüber hinaus wert gewesen. Danke für die Erinnerung.

#bibtag14 – Immer wieder Sonntags …

… kommt die Erinnerung, schabadabada, schabadabada …, so schallte es in meiner Kindheit aus dem Radio der Eltern, und über die (meiner Meinung nach) völlig falsche Frequenz. Doch mithin auch die Erinnerung an stille, allzu stille und stinklaaaaaangweilige Sonntage, die ich … ja, ja … meist lesend verbrachte. Mit immer den gleichen Büchern (Hanni-und-Nanni, Fünf Freunde, Das Geheimnis um, Peggybücher, …) Die Auswahl meiner Tante ließ etwas zu wünschen übrig, aber ich war ja bescheiden und selig, sobald die Nasenspitze in den Seiten versank. Wie gerne hätte ich mich wohl in eine Bücherei verzogen, wenn’s die nur gegeben hätte, im Stadteil Neu-Röthenbach im Süden Nürnbergs. Alle 2 Wochen der Bücherbus für 2 Stunden, das war’s dann auch.

Plakat im Messegang zur Stadtbibliothek BremenUnd ich bin … ich sag‘ das jetzt nicht zur Show … ein christlich eingestellter und gläubiger Mensch. Doch auch mir schlagen da zwei Herzen, ach, in meiner Brust. Wie auch immer meine ursprüngliche, hin und her schwankende Meinung zur Sonntagsöffnugnszeit war, sie wurde durch den Vortrag von Tina Echterdiek „Sonntags nie – oder vielleicht doch? Erfahrungen  mit der Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek Bremen“ wieder einmal in einer (längst geahnten) Richtung bestätigt. Sonntags in die Bibliothek, das geht. Wie beim Thema „Kollegiale Fortbildung“ (siehe bibfobi-Blog) bitte freiwillig. Und damit MEINE ich freiwillig, und kein verkapptes „freiwilliges MUSS“.

Ich würde sie am Sonntag öffnen …

Nach über 30 Jahren im schönsten Beruf der Welt (mal verbeamtet, mal leidtend, mal angestellt, mal selbständig, mal ehrenamtlich) und in Abwägung aller Für und Wider stehe ich (na ja, nicht erst seit dem Bibliothekartag in Bremen) so da: Hätte ich (wieder) eine „eigene“ Bibliothek. Ich würde sie am Sonntag öffnen. Und alle gelangweilten Familienmitglieder der Welt zu einer Sonntagshuldigung des Buches, der Spiele, des Miteinanders, des Stöberns, des Denkens … einladen. Vielleicht mit einem „Feigenblättchen“ garniert, zum Beispiel einem Minialtar mit einer schön illustrierten, aufgeschlagenen Bibel, mit einer Gesprächsrunde über ethische Fragen der Neuzeit, mit einer ständig wechselnden Ausstellung über religiöse Themen, mit Schnitzkursen für Arche-Noah-Figuren … wenn Bibliotheken sich als (verlängerter/verlagerter) Ort von Familie und Schule sehen, gehört doch das Miteinander-Freizeit-Zelebrieren und das Fach „Religion und Ethik“ mit dazu. Kirchliche Bibliotheken machen uns da bereits etwas vor, und das findet niemand wirklich ablehnenswert. Oder doch?

… (nicht nur) der besonderen Atmosphäre wegen

Einkaufen und Konsum sind etwas anderes. Da habe ich ein ganz klares Nein, gehe nicht einmal in einer Tankstelle einkaufen, allenfalls am Bahnhof, wenn ich auf Reisen bin. Doch Eis essen, Kino gehen, Schwimmen, Bücher ausleihen, Museumsbesuche, Ausstellungen ansehen, … Ohne Verzehrzwang und Eintrittsgelder mich mit Freunden treffen, wenn’s regnet und ich daheim nicht aufgeräumt habe, auch das wäre ein Anlass für einen Bibliotheksbesuch. Vor allem für die Schicht, die sich inzwischen kaum mehr ‚raus traut, weil alles ‚was kostet. Da sind durchaus geringverdienende Honorarprofessoren dabei, wetten?!

Jedenfalls habe ich bei diesem Vortrag, der erwartungsgemäß einen vollbesetzten Saal bescherte, sehr, sehr viel mitgeschrieben. Dass ich hier nur wenig daraus wiedergebe liegt einfach daran, dass nichts so sehr an der persönlichen Einstellung rührt wie das Thema Sonntagsruhe. Daher wollte ich bewusst meine persönlichen Überlegungen reflektieren, die sich durch die im Vortrag zitierten Kundenäußerungen („Es ist so schön, so Sonntags unter Menschen zu kommen“, oder „Heute kann die ganze Familie mitkommen“) und statistischen Auswertungen (50% kamen mit der Familie, 65,2% waren Berufstätige) nach den sechs Bremer Versuchstagen bestätigt sehen. Immer wieder Sonntags – (nicht nur) der besonderen Atmosphäre wegen, und sicher nicht, weil es „Die neue Offenheit“ so will, wie der Session-Titel es zum 04.06. am 103. Deutschen Bibliothekartag verhieß.

#bibtag14 – Facetten des Lernens, oder …

… ermöglichendes versus erwartbares Lernen. Denn man kann geteilter Meinung sein und doch das Richtige wollen. So sind nun einmal die „Facetten der Fortbildung“, wie der Übertitel zweier Vorträge tatsächlich hieß, auf die ich – trotz oder gerade durch die immer fernere Nähe zum 103. Bibliothekartag – eingehen will. Den ersten Beitrag zu Rita Höft: „Orientiert an Lernergebnissen – Fort- und Weiterbildung des ZBIW“ – hier im WEGA-Team-Blog, da ich mich direkter noch betroffen fühle. Den zweiten zu Heike Kamp: „Eine Bibliothek macht sich selber schlau …“ morgen im bibfobi-Weblog.

Qualitätsmanagent im ZBIW Köln und seine Folge(n)

Nun also: man sollte wissen, dass sich das ZBIW, Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung als Fortbildungsanbieter der Fachhochschule Köln durch CERTQUA zertifizieren ließ und von daher einem Qualitätsmanagement im Bereich des (wirtschaftlich orientierten) Bildungsmanagements folgt.

Im Zuge dessen ist es folgerichtig, auch die Ausschreibung der Weiterbildungsangebote zu überprüfen. „Hat das Ergebnis der Weiterbildung Ihren Erwartungen entsprochen?“ ist ja nicht nur eine Frage, die den Teilnehmenden gestellt wird, sondern auch dem Arbeitgeber, der die Fortbildung der Mitarbeiter bezahlt. Und diese Erwartung orientiert sich naturgemäß an der Ausschreibung.

So liegt es durchaus nahe, statt in Aussicht gestellter möglicher Lerninhalte und -ziele vielmehr klar formulierte und somit einforder-, mithin überprüfbare LernERGEBNISSE zu beschreiben bzw. vorwegzunehmenanzustellen.

Die so beschriebenen Lernergebnisse sind von den beauftragten Trainerinnen und Trainer in Form von Minimalstandards erwart- und beurteilbarer Leistungen zu definieren. Also nicht, „Ich könnte folgendes lehren“, sondern ein sehr konkret beschreibendes „der Lehrende ist in der Lage, nach der Weiterbildung folgendes zu tun!“

Kurz gesagt: „can-do“-Aussagen in zweifelsfreien Begriffen.

Womit wir beim Wörtchen „frei“ wären.

Freies Lernen versus Qualitätsmanagement-Diktat

Was sich am Beispiel „Buchreparatur“ sehr schön festmachen lässt, scheitert meines Erachtens im Bereich der Fortbildung von Soft Skill-Fähigkeiten, allen voran der zu sozialen Kompetenzen. Zeitmanagement, Selbstlernen, Kommunikation – ob im Team oder mit Kunden, Teambildung und –entwicklung etc.

Hier steht es den mündigen Lernenden hoffentlich weiterhin frei, sich in seiner impliziten Werthaltung und in einer reflexiven Auseinandersetzung mit den LernINHALTEN frei zu entwickeln und vor dem Hintergrund seiner subjekthaften Rahmenbedingungen. Sich also weiterhin frei „dort abholen zu lassen, wo er bzw. sie gerade steht“, wie es immer so schön heißt. Und nach der Fortbildung nicht dorthin gestellt zu werden, wo er oder sie nach Vorgabe des Trainers als Folge (des Diktats?) eines Qualitätsmanagements zu stehen hat.

Diese Fortbildungen der „weichen“ Inhalte also, da nicht eindeutig messbar im Ergebnis, dürften wohl in Zukunft weitaus weniger im Fortbildungsprogramm zu finden sein als bisher bereits. So jedenfalls die Mutmaßung zweiter weiterer Weiterbildungsveranstalterinnen, mit denen ich auf dem Bibliothekartag darauf zu sprechen kam.

Vertrauen ist gut …

Falls aber doch, dann sind es genau diese Fortbildungen, die künftig in einer Art Nachhaltigkeitsabfrage reflektiert werden müssten. Also in einer zeitversetzten Abfrage, die beispielsweise ein halbes Jahr nach der Fortbildung in ihrer Wirkung evaluiert werden. Denn eine Umsetzung von Soft Skills kann nur nachträglich und durch Einübung erfolgen. Manchmal sogar erst Jahre später, wenn sich „der Schalter im Kopf“ finden und umlegen ließ.

Dieses Vorhaben der Nachprüfung des ZBIW kann ich nur gut heißen. Auch die BIB-Kommission für Fortbildung, deren Vorsitzende ich bis vor einem Jahr noch war, hatte dies immer und immer wieder den Landesgruppen anempfohlen. Mit eher zurückhaltendem Erfolg. Doch Vertrauen in die Lehrenden ist gut, die Kontrolle der Wirkung ist besser.

Zum Paradigma der Subjektorientierten Erwachsenenbildung – weiterführende Fragen

Als Schlusswort erinnere ich an ein Paradigma der Erwachsenenbildung und stelle in guter Absicht seiner Erinnerlichkeit ein paar zielführende Fragen. Und da ich nicht nur seit 18 Jahren lehre, sondern selbst zertifiziert und diplomiert im Schwerpunkt Bildungsmanagement bin, darf ich mir das erlauben.

  • Wie weit ist das Bestimmen von Lernergebnissen bereits weg von der Selbstbestimmung eines reflexiv handelnden Subjekts im Sinne der Subjektorientierung (z. B. nach Walter Bender oder Erhard Meueler)?
  • Und wie weit nähern wir uns mit dem Festschreiben von Lernergebnissen einer Unfreiheit des mündigen Lernenden?
  • Ist eine Fortbildung, die en detail das Lernergebnis vorwegnehmen will, im Sinne der subjektorientierten und subjektfördernden Erwachsenenbildung, wie sie heute in Lehre und Forschung der Erwachsenenbildung verstanden wird?
  • Bedeutet ein vorweggenommenes Lernergebnis das Nicht-Vertrauen in die Fähigkeit der Lernenden zur Selbst- und Weitererschließung?

QM hin oder her – die ZBIW muss sich wohl oder übel auch diesen Fragen stellen, so wie wir Trainerinnen uns um eine noch transparentere Beschreibung der angebotenen Lerninhalte und –möglichkeiten bemühen werden. Und so beruhigte es mich von Rita Höft, Ansprechpartnerin im ZBIW, zu hören, dass es tatsächlich eine Orientierung sei und kein Diktat, wenn es um die Beschreibung von Lernergebnissen geht. Alles andere hätte mich verwundert. Denn im Grunde wollen wir ja alle das gleiche: Transparenz und Qualität für Lernende, um Lebenslanges Lernen zu ermöglichen.

P. S.: DIESER Vortrag hat es in den OPUS-Publikationsserver geschafft – besten Dank für diese Art des Qualitätsbewusstseins!

#bibtag14 – Filmreif: das Erwerbungsmodul PDA Print

Mich, die beileibe keine Fachreferentin einer Bibliothek ist, hat er zu überzeugen gewusst: der Trailer zum Erwerbungsmodul PDA Print der Firma vub – Wissen mit System. Und – nein, ich erhalte keine Provision, wenngleich ein Vortrag mit mir geplant ist. Doch ein Schelm, wer Böses dabei denkt, … ein Steinbock ist garantiert unbestechlich! Daher, um Sie jetzt zum Abspringen zu bringen, die Vorgeschichte zu dieser „Werbeeinspielung“.

Der launig-dringlichen Bitte, sich doch im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung des 103. Deutschen Bibliothekartags in Bremen zur Firmenausstellungseröffnung zu begeben, bin ich gerne gefolgt. Schließlich knurrte nach einem langen ersten Tagungstages der Magen vernehmlich, ich will da ehrlich sein. Abgestellt hatte ich mein Glas Wein (vielen Dank auch dafür, liebe Firmenaussteller/innen!) ohne Plan und Absicht am Tresen besagter Firma. Und kam sofort ins Gespräch mit zwei Fachstellenleitern mit dem Anfangsbuchstaben „B“, die mich zum einem mit einer wertvollen Telefonnummer zu lukullischen Genüssen in der Hochrhön versorgten, zum anderen gerne auf mein privates Lieblingsthema, die Imkerei, zu sprechen kamen. Letztendlich landete ich dann doch wieder im Beruflichen, und so soll es auf einer Tagung ja auch sein, Wein oder Wasser hin oder her.

Vom Tresen zum Vortrag 

Folie zu PDA für Printmedien von @ Birgit OtzenHinter dem von uns dankbar okupierten Tresen sorgten Angela Lupicki vom Kundenservice und Projektleiter Daniel Wunsch für eine angenehm-entspannte Stimmung. Nein, sie führten nicht gleich am ersten Abend ein Verkaufsgespräch – alles über den seit 1845 (!) bestehenden (Nicht-nur-)Bibliotheksdienstleister durfte ich am nächsten Tag im Firmenvortrag erfahren. Und mithin den oben erwähnten empfehlenswerten Film erleben.

Birgit Otzen, Universitäts- und StadtBibliothek KölnAußerdem den – kleinerer Anpassungswünsche zum Trotz – sehr positiven Erfahrungsbericht mit diesem nutzerorientierten Erwerbungsmodul, vorgetragen von Birgit Otzen, Leiterin der Abteilung Monographien (Kauf) der Universitäts- und StadtBibliothek Köln, eine Mitarbeiterin der sehr geschätzten ehemaligen Würzburger Kollegin Dr. Hannelore Vogt (Grüße dich herzlich, gesehen-aber-leider-nicht-mehr-gesprochen-wie’s-halt-bei-Tagungen-so-geht!). Vom Beruf „Trendsetterinnen“ – doch dazu komme ich noch.

Nein, keine subversive Animation also – vielmehr wurde ich, nachdem ich bibliothekarisches Insiderwissen bezüglich bestimmter (Nicht-)Kommunikationsweisen und (fränkischer) Standortbefindlichkeiten zum Besten gab (keine Bange, ich habe unser Nest nicht beschmutzt!), gefragt, ob ich nicht eine geplante Fortbildung am 1. Juli 2014 in Erlangen mit einem Vortrag bereichern würde. Nun, es wurde folglich an der Zeit, mich aufzuschlauen, mit welchem Produkt ich in Kürze meinen Namen verbinden werde.

Trendsetter sein kann undankbar sein

So Sie jetzt noch mitlesen – ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis. Ich spüre TRENDS auf – von je her. Anders gesagt: ich bin mit manchen Themen einfach zu früh dran. Was ich spätestens dann bereue, wenn ich mich nach einiger (gefühlt LAAAAANGER) Zeit etwas gelangweilt ab- und einem neuen Trend zuwende, weil’s zunächst niemand be- und aufgreifen wollte – so zum Beispiel „Demografischer Wandel“, „Crowdfunding“, „Motivation“ oder „Achtsamkeit“. Und dann endlich alle anderen auf dem Thema herumreiten, sich einen Namen damit machen und … nun ja, mir selbst etwas anderes noch spannender erscheint, zum Beispiel „Patron Driven Acqisition für Printmedien“.

Und damit ich nicht wieder „undankbarer Trendsetter“ bin, hoffe ich schwer, Sie kommen zur Universtitätsbibliothek Erlangen. Am 1. Juli ab 11.30 Uhr. Näheres in Kürze. Der Termin wird verschoben, Datum noch nicht bekannt.

#bibtag14 – Professionalität in Bibliotheken

Messe Bremen – InnenraumdetailMonika Steffens berichtete in der Session „Professionalität in Bibliotheken“ (03.06.14) von der Fortbildungsreihe „Gut zu wissen“, die für alle Beschäftigten der Stadtbibliothek Bremen gedacht ist – und auch genutzt wird. Regelmäßig am Mittwoche angeboten, freiwillig besucht, über alle Sparten hinweg genutzt und offenbar erfolgreich durchgeführt, obgleich Letzteres (noch) nicht evaluiert, gleichwohl dokumentiert wird. Dazu werden auch externe Coaches und Referent/inn/en eingeladen. Die Personalentwicklerin merkte an, dass Sätze im Stile von „Mir sagt ja niemand etwas“, die sie anfänglich (also vor etwa 12 Jahren) zu hören bekam, nicht mehr fallen. Ein schöner Erfolg, den ich auch anderen Bibliotheken wünsche.

Folie RauchmannDr. phil. Sabine Rauchmann (SUB Bremen) hielt einen fundierten Vortrag zur „neuen Sicht auf ältere Mitarbeiter“ und sieht darin ein „Handlungsfeld für die Personalentwicklung“. Sie stellte vier Studien vor, die manche Erwartungen im Bezug auf erfüllen, aber doch auch widerlegen. Sie stellt fest, dass ältere Menschen ihr Wissen teilen und tatsächlich anders lernen. Sie unterscheiden beispielsweise Wesentliches von Details, benötigen allerdings auch vermehrt externe Lernhilfen (ich sag’s mal auf gut frängisch: „Zeddele“), um das prospektive Erinnern zu unterstützen. Interessant: ältere Menschen sind finanziell motivierbar, und sie benötigen Wertschätzung, Vertrauen und – ein gemeinsames Ziel!

MEIN Ziel für den 103. Deutsche Bibliothekartag in Bremen ist, alle 350 Vorträge und Fachveranstaltungen zu besuchen und darüber zu berichten. Nun ja, manche Ziele sind tatsächlich nie erreichbar. Zugegeben, die Auswahl fällt extrem schwer. Von daher ist es schade, dass durch Verschiebungen im Programmablauf ein weiterer Teil ungehört bleibt. (Leider nur) einen Bruchteil an verbleibenden Informationen findet seinen Weg jetzt zu Ihnen. Weitere Informationen finden Sie auf dem OPuS-Publikationssserver.

BIX-LogoShirley Mc Leod sieht in der Session „Forum Bibliotheksstatistik“ in „Vergleichzahlen“ – nämlich dem Bibliotheksindex, BIX – einen „Kraftstoff für die Öffentlichkeitsarbeit“. Und ich kann dem nur beipflichten. Sie belegt an vier Beispielen aus dem öffentlichen Bibliotheksbereich von erfolgreichen Auswirkungen auf die Bibliotheksarbeit, beispielsweise in Form eines erhöhten Anschaffungsetat oder längst fälliger Renovierungen. Der dbv unterstützt die Telnehmenden des BIX in jeglicher Hinsicht, so am 21.09.2014 mit einer Fortbildung zur „Pressearbeit mit dem BIX“ in Lüneburg. Da ich selbst die Referentin sein werde, lade ich Sie hiermit ein und freue mich auf Ihr Kommen. Es sind allerdings nur noch wenige Plätze frei.