Fußnote 68, oder: Lernziel versus Lernergebnis

Lerngruppe [Serie „Fortbildung Ältere“, Teil 4]¹

Ja, der Unterschied zwischen „Lernziel“ und „Lernergebnis“ ist klein, aber fein. Formulierungen zu Lernzielen weisen zumeist Inhaltsbeschreibungen auf, denen ein Satz wie „In diesem Kurs lernen Sie … kennen:“ vorausgehen kann. Das Ziel des Lernens muss unbestritten Eingang finden in die Beschreibung, doch ob man’s dann auch können „muss“, suggeriert in der Formulierungsweise „… können Sie …“ sei dahingestellt. Doch selbst Fachbeiträge, die eine Differenzierung der beiden Begriffe beabsichtigen, verwenden sie im Verlauf ihrer Erklärungen letztendlich doch selbst wieder anonymisierend: „Lernziele bzw. Lernergebnisse“.

Ich gebe unumwunden zu, ich habe eine Allergie gegen die Ausschreibungsformulierung Lernergebnisse (statt Lernziele) à la „Nach dem Seminar können Sie …“. Ein Beispiel dafür ist die ZBIW Köln, die das seit einigen Jahren so aufgrund Zertifizierungsvorgaben, dem Bologna-Prozess folgend, favorisiert und der ich als Referentin notgedrungen darin ebenfalls folgen muss … und Sie wissen, dass ich es nicht gerade bereitwillig tue ;-) . Ein Beispiel, leicht verändert:

Nach dem Seminar haben Sie viele neue Ideen für frische Texte und  große Lust zu schreiben, […] schreiben Sie schneller und sicherer.

Wer es verspricht, muss es halten!

Doch was, wenn das Ziel für den Teilnehmenden weiterhin nicht erreichbar ist, weil’s noch immer nicht schneller als sonst geht und die Lust nach wie vor ausbleibt? Dann lag’s am Lernenden, denn eigentlich wurde es ihm doch fest versprochen und es wurde im Vorfeld alles getan, dieses Versprechen zu halten. Jedoch: Der vielleicht jahrelange persönliche Kampf mit den Buchstaben wird bei vielen kaum innerhalb eines Tages gelöst werden können, dazu braucht es ausdauerndes Training. „Die sagen, man wird es danach können können … schluck … bin ich vielleicht zu blöd dafür?!“ Aber nein, keine Sorge, lieber Lernender. Du bist in Ordnung, lass dich nicht einschüchtern. Und hättest dich wohl weniger unzulänglich gefühlt, wäre die Formulierung gewesen: „Im Seminar erhalten Sie Tipps und Informationen, wie Sie schneller und sicherer schreiben lernen.“

Wer etwas verspricht, muss es halten. Druck wird also bei der Formulierung eines erwartbaren Lernergebnisses (nicht -ziel!) auf BEIDE ausgeübt, Lehrende wie Lernende. Wenn da mal nicht die große Lust wegbleibt!

Und nun komme ich endlich zur Bachelorarbeit von Annett Burkhardt², die mir eine hervorragende Steilvorlage für meinen Aufsatz zu Lernzielen versus Lernergebnissen geliefert hat. Sie griff nämlich im Kapitel 3.4 „Besonderheiten des Lernens Älterer“ (S. 24) genau dieses Thema auf.

In der Erwachsenenbildungsforschung finden sich verschiedene Konzepte zum Lernen Erwachsener. So sehen konstruktivistische Lernkonzepte in den Erwachsenen eine bereits fertige Struktur, in welche nur bedingt neues Wissen einfließen kann. Siebert beschreibt den Erwachsenen als ein in sich geschlossenes System [Fußnote 68]. Jeder entscheidet selbstständig, welche Informationen er aufnimmt und wie er sie verarbeitet. Nicht immer wird dann der vermittelte Lernstoff von den Lernenden so aufgenommen, wie es von den Lehrenden ursprünglich geplant war.

Jawoll! MEINE Lernenden dürfen sich aussuchen, was sie lernen wollen oder nicht. Ich biete etwas an, von dem ich glaube, dass es geeignet ist, sich selbst zu helfen, und zwar über den Seminartag hinaus. Ich zerkratze mir jedesmal die Tastatur, wenn ich gezwungen bin, großspurig zu verkünden: „DAS werden Sie können!“ Wie vermessen, arrogant, anmaßend, wie „Weisheit-mit-Löffel-gefressen-Stil“ das doch ist! Arrglll!

Kommen wir zur Fußnote

Burkhardts Fußnote 68: „Vgl.: Siebert: Theorien (2011), S. 90“ bezieht sich auf den renommierten Erwachsenenbildungsforscher Horst Siebert und seine „Theorien für die Praxis“ (3. akt. u. überarb. Aufl. Bielefeld : Bertelsmann, 2011). Die Subjektorientierung auf den einzelnen Lernenen kennzeichnete einen Paradigmenwechsel des 20. Jahrhunderts. Ich aber habe den Eindruck, wir kommen mit dem Festsetzen von „Sie werden … können“ bereits wieder ganz weit ab davon, zurück in die Zeit, als Lehrende kleine Könige waren, die einem sagen durften: „Und das hast du bis zum Ende der Stunde zu lernen, sonst …“ Ja, was sonst? Schlechte Beurteilungen von (freiwillig) Lernenden? Und das in Fortbildungen für Erwachsene? Bitte nicht! Oder schlechte Bewertung Lehrender? Können die tatsächlich immer etwas dafür, wenn einer, der ungern schreibt, dies trotz vollmundiger „Das werden sie danach können“ immer noch nicht besser kann? Fachkräftemangel wird verhindern, dass bald reihenweise Referent(inn)en arbeitslos werden, immerhin ein Trost.

Ein kleiner Blick in die Erwachsenenbildungsforschung soll meine „Flammrede“ abrunden, damit der Bildungskontext, in welchem ich persönlich mich zu bewegen beliebe, klarer wird.

Es ist aber mittlerweile durchaus Konsens, dass quantitative Methoden empirischer Sozialforschung bei Bildungsfragen eher einen rahmensetzenden, einordnenden Aussagewert haben, während das Verstehen und Begreifen individueller Handlungen den Wissenschaftskern ausmachen. Dies ist gemeint mit einer „Subjektorientierung“ in der Erwachsenenbildungsforschung, welche auf der unhintergehbaren Intentionalität der Lernenden wie der Lehrenden beruht, eingebunden in interaktionelle, institutionelle und systemische Kontexte. Erwachsenenbildung orientiert sich demgemäß sinnvoller Weise nicht an einem Verhaltens-, sondern an einem Handlungsparadigma, nicht an einer Bedingtheits-, sondern an einer Begründungsperspektive.³

Herausgegriffene Schlüsselaussagen sind:

„Intentionalität der Lernenden wie der Lehrenden“ = Das Seminarzielformulierung als Intention, über die wir zu einer Lerngemeinschaft zusammenkommen.

„[… ] orientiert [… ] nicht an einer Bedingtheits-, sondern an einer Begründungsperspektive.“ Bedingtheit wäre demzufolge „Das kannst du danach / hast du zu können“ und Begründungsperspektive „Dieses Ziel begründet dein Lernen / ermöglicht dir Wissen“.

Kann sein, dass andere diesen Unterschied nicht sehen oder sehen wollen. Mir persönlich scheint er entscheidend zu sein, mit welcher Intention ich mich auf Lernende einlasse – nämlich auf Augenhöhe, mit Respekt und Offenheit, mit Aufmerksamkeit und Achtsamkeit in Hinblick auf die ureigensten Lernmotivationen und -bedarfe und eben nicht auf das Erfüllen einseitig festgesteckter Ziele, die allesamt Makulatur sind, wenn wir sie jemanden als gegeben vorsetzen statt darüber zu verhandeln. Oder alltagstauglich ausgedrückt: Ich bringe gerne die Zutaten und Arbeitsgeräte für das Lernzielmenü mit und wir kochen das Süppchen gemeinsam, doch anschließend aufessen und verdauen, dass sei jedem selbst überlassen. Das, was sozusagen hinten heraus kommt, dafür bin ich nicht mehr verantwortlich zu machen. Genau das aber suggeriert die Formulierung von gesetzten Lernergebnissen meines hier reflektierten Eindrucks nach.

Vielen Dank an die Bachelorantin, die dem Anliegen (nicht nur älterer) Fortbildungswilligen mit Ihrer Arbeit erfreulicherweise das Wort gesprochen hat!

¹ Hintergrund zur Serie siehe unter Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter …

² Burkhardt, Annett: Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter am Beispiel der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg. Bachelorarbeit von Annett Burkhardt … im Studiengang Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam. 2015.

³ Peter Faulstich, Christine Zeuner: Entwicklung, Situation und Perspektiven subjektorientierter Erwachsenenbildungsforschung. (2011).
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Erfolgversprechende Meldung von Fortbildungsangeboten für Bibliotheken

[Serie „Fortbildung Ältere“, Teil 3]¹

Informationsquelle von Fortbildungsinformationen; Umfrage Annett BurkhardtJeder Fortbildungsanbieter kennt das, wenn Seminare mangels Teilnehmender ausfallen müssen. Die bange Frage: „Haben wir das falsch beworben?“ bezieht sich nicht nur auf den Ausschreibungstext, sondern ebenso auf das Medium bzw. den Kanal der Ausschreibung. Die Information zu Fortbildungen suchten bzw. erhielten bzw. die Teilnehmenden² der Umfrage Annett Burkhardts nach³ hier:

  1. Berufsverbänden (65%)
  2. Mailinglisten (55%)
  3. Kollegen (46%)
  4. Vorgesetzte (37%)
  5. Fortbildungsanbieter (36,5%)
  6. Fachzeitschriften (32,4%)
  7. Homepage der Zeitschrift BuB (12,2%)

„Ein weiterer Teilnehmer bedauert, dass die Fortbildungen aus der Zeitschrift BuB dort nicht mehr abgedruckt werden. Die zentrale Fortbildungsplattform „Library Training“ wurde von keinem Teilnehmer zur Suche nach Fortbildungsangeboten genutzt. Dieses Angebot ist womöglich zu unbekannt.“

„Die Mitgliederbefragung des BIB ergab, dass sich die meisten Befragten für eine neue Fortbildungsstruktur im BIB aussprachen. […] Gewünscht wird von allen eine zentrale Fortbildungsakademie“, so Burkhardt. Tja, dieses hehre Ziel hatte ich als ehemalige Vorsitzende der BIB-Kommission für Fortbildung ebenfalls einmal im Sinn. Doch solange sich unsere Verbände nicht zusammenschließen und miteinander Hand in Hand gehen, wird das wohl ein frommer Wunsch bleiben.

¹ Hintergrund zur Serie siehe unter Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter …

² n=74 von bis zu 124 Teilnehmenden, die an der Umfrage bis zum Schluss dabeigeblieben sind.

³ Burkhardt, Annett: Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter am Beispiel der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg. Bachelorarbeit von Annett Burkhardt … im Studiengang Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam. 2015.

4 alle Ergebnisse wurden von ursprünglich zwei Kommastellen kaufmännisch auf- bzw. abgerundet.

Übersicht der Blogbeiträge zur Bachelorarbeit Burkhardts:

  1. Niemand hat keinen Fortbildungsbedarf, doch viele einen hohen
  2. Fortbildungsbedarfe in Bibliotheken
  3. Erfolgversprechende Meldung von Fortbildungsangeboten für Bibliotheken (diese Seite hier)
  4. Fußnote 68, oder: Lernziel versus Lernergebnis
  5. Urschen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildung (1)
  6. Ursachen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildungen (2)
  7. Bachelorarbeit Annett Burkhardt zur Fortbildung Älterer in Bibliotheken

Fortbildungsbedarfe in Bibliotheken

[Serie „Fortbildung Ältere“, Teil 2]¹

Grafik Der ermittelte Fortbildungsbedarf wie auch die zuletzt besuchten Fortbildungen von älteren Mitarbeiter/innen in Hamburger Bibliotheken liegt der Studie von Burkhardt² nach in den Themenbereichen: Katalogisierung, Verwaltung elektronischer Ressourcen und Vermittlung von Informationskompetenz.

Von den Genannten ist anzunehmen ist, sie wären ausführlicher Gegenstand in Ausbildung und Studium. Den Grund für den dennoch hohen Bedarf zu einer Katalogisierungsfortbildung erklärt Burkhardt indes so:

Da im Januar 2016 mit der Katalogisierung nach dem neuen Regelwerk RDA begonnen wird, ist eine vorherige Schulung der meisten Bibliotheksmitarbeiter notwendig. Doch auch in der Studie von Jahncke über Fortbildung in Spezialbibliotheken in München wurde Katalogisierung als die am meisten besuchte und auch in Zukunft gewünschte Fortbildung angegeben98.

Tja, da können wir vom WEGA-Team eher nicht helfen. Ich werfe also einen Blick auf den Bedarf an nicht bibliothekstypischen, die Bibliotheksarbeit jedoch unterstützenden Themen. Dieser Bedarf wurde von Burkhardt als hoch eingestuft.

Abbildung aus Bachelorarbeit Annett Burkhardt zu Fortbildungsbedarf älterer Mitarbeiter an Bibliotheken (2015)Ranking „nicht bibliothekstypischer“ Bedarfe nebst Links zu unserem jeweiligen Angebot:

  1. Konfliktmanagement (29 Nennungen),
  2. Kommunikation am Arbeitsplatz (24 Nennungen)
  3. Selbst- und Zeitmanagement (20 Nennungen)
  4. IT-spezifischen Fortbildungen zu MS-Office-Anwendungen (19 Nennungen)
  5. Content Management Systemen (18 Nennungen)
  6. Social Media (13 Nennungen)
  7. Personalführungen (15 Nennungen).

Die Crux ist, dass diese oftmals vom Arbeitgeber nicht (voll) finanziert werden, da sie als nicht grundständig für den Bibliotheksberuf zu sein scheinen. Doch um seinen Betrieb optimal aufrecht zu erhalten und einvernehmlich zielorientiert weiterzuentwickeln, bedarf es nun einmal der sogenannten „Soft Skills“. Wo sie im Argen liegen, kann auch die beste bibliotheksspezifische Fachkompetenz nur ansatzweise ihre Wirkung entfalten. Oder wie sehen Sie das?

¹ Hintergrund zur Serie siehe unter Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter …

² Burkhardt, Annett: Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter am Beispiel der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg. Bachelorarbeit von Annett Burkhardt … im Studiengang Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam. 2015.

³  n=74 von bis zu 124 Teilnehmenden, die an der Umfrage bis zum Schluss dabeigeblieben sind.

4 alle Ergebnisse wurden von ursprünglich zwei Kommastellen kaufmännisch auf- bzw. abgerundet.

Übersicht der Blogbeiträge zur Bachelorarbeit Burkhardts:

  1. Niemand hat keinen Fortbildungsbedarf, doch viele einen hohen
  2. Fortbildungsbedarfe in Bibliotheken (diese Seite hier)
  3. Erfolgversprechende Meldung von Fortbildungsangeboten für Bibliotheken
  4. Fußnote 68, oder: Lernziel versus Lernergebnis
  5. Urschen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildung (1)
  6. Ursachen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildungen (2)
  7. Bachelorarbeit Annett Burkhardt zur Fortbildung Älterer in Bibliotheken

Niemand hat keinen Fortbildungsbedarf, doch viele einen hohen

[Serie „Fortbildung Ältere“, Teil 1]¹

Will meinen: Niemand wählte in der Umfrage² die Option „kein Bedarf“ an Fortbildungen aus. Hingegen gaben 67% der befragten³ älteren Mitarbeiter/innen zwischen 50 – 65 Jahren ihren Bedarf als „sehr hoch“ (26%)4 bzw. „eher hoch“ (41%) an.

Abbildung aus Bachelorarbeit Annett Burkhardt zu Fortbildungsbedarf älterer Mitarbeiter an BibliothekenAls Gründe, eine Fortbildung zu besuchen, wurde angegeben:

  1. Aus beruflichem Interesse (77%)
  2. Um neue Impulse für meine Arbeit zu bekommen (59%)
  3. Meine Stelle erforderte die Teilnahme (55%)
  4. Ein neues Projekt erfordert vorherige Fortbildung (25%)
  5. Auf Wunsch des Arbeitgebers (25%)
  6. Andere (Angaben: neue Technologien, neue Anforderung; Verbesserung der Kompetenzen; Zur Vorbereitung auf eine neue Stelle; ) (3%)

Rund 21% jedoch sind „unentschieden“ in der Beurteilung ihres Bedarfes. Das finde ich hochinteressant und überlege mir in der Art von Leitfragen, WARUM jemand unentschieden sein könnte:

  • Halten sie sich für zu alt, um noch einen Fortbildungsbedarf verspüren zu „müssen“?
  • Fühlen sie sich zu erfahren, um noch einen Mehrwert an Fortbildung erwarten zu können?
  • Sind sie bereits ausreichend und zufriedenstellend mit neuesten Informationen versorgt und daher unentschieden zu weiteren Fortbildungen?
  • Schätzen sie zwar ihren Bedarf an Fortbildungen als gegeben ein, haben jedoch schlechte Erfahrungen mit Fortbildungen?
  • Ist ein Fortbildungsbedarf zwar vorhanden, jedoch nicht das dazu (inhaltlich, zeitlich, finanziell …) exakt passende Angebot?
  • Verfolgen sie die neuesten Entwicklungen im Bibliothekswesen nicht und können daher ihren Fortbildungsbedarf schlecht einschätzen?
  • Kennen Sie die neuesten Entwicklungen, sind sich jedoch nicht sicher, ob sie für ihre spezifische Bibliotheksarbeit relevant genug sind?

Die Spurensuche zu einer Antwort führt über weiteren Fragestellungen der Umfrage.

  • „Konnten Sie das Gelernte in der täglichen Praxis anwenden?“

Lediglich 12% meinten, sie konnten „eigentlich nur wenig“ oder „so gut wie gar nichts“ an Gelerntem in der täglichen Praxis anwenden.

Damit ließe sich möglicherweise interpretieren, dass meine Leitfragen der Buchstaben a. bis c. eher nicht angebracht sind. Es sei denn für die 38 Umfrageteilnehmenden, die hier keine Antwort abgegeben hatten (TN ursprünglich n=124, zur Frage hier n=86), weil sie eben aus den genannten Fragestellungen heraus keine Fortbildung mehr besucht hatten.

  • „Haben Sie noch weitere Anmerkungen?“

Tatsächlich äußerte jedoch immerhin eine von 16 Teilnehmerin in den Anmerkungen: „ältere Mitarbeiterinnen haben viele Erfahrungen!“
Doch auch das Gegenteil wird bekundet: „Ich habe immer Spaß an Fortbildung gehabt, wundere mich aber immer wieder, wie wenig Interesse andere KollegInnen haben“.

So wissen wir also immer noch nicht genau, ob Alter und Erfahrung für immerhin ein Fünftel der Befragten zur Unentschlossenheit gegenüber ihres Fortbildungsbedarfes führten. Lassen Sie uns für die weiteren Leitfragen noch ein wenig in den Anmerkungen stöbern.

Eine heiße Spur zur Bestätigung meiner Leitfragen der Buchstaben d. bis e. sind folgende Anmerkungen in wortgekürzter Auswahl:

  • Wunsch nach mehr kleinpreisigen Fortbildungen. 3D-Drucker und Gaming brauche ich nicht
  • Vortragstempo zu langsam
  • In der Regel vom Niveau her eher niedrig
  • Allein mit Vorstellungsrunde etc. vergeht schon eine halbe Stunde, … von diesen Fortbildungen bin ich dann z.T. frustriert
  • Oft lag es an der Methodik, dass das Gewünschte nicht erreicht wurde
  • Themen eher wb-orientiert
  • berufsbezogene Kurse sollten vom Arbeitgeber vollständig finanziert werden
  • Erlernen neuer Dinge dauert mit zunehmenden Alter manchmal länger
  • In Fortbildungen wird nichts Neues gesagt oder nicht die erwarteten Aspekte
  • Für ältere Mitarbeiterinnen gibt es zu wenige Fortbildungen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben
  • Fehlendes Personalentwicklungskonzept, und somit sind bibliothekarisch fachliche Fortbildungen dienstlich nicht notwendig
  • Selbstverständnis der Bibliothek innerhalb einer Institution fehlt
  • Zu eingespannt, keine Zeit für Fortbildungen
  • Einzelkämpfer, keine Freiräume für Fortbildungen

Erhärtet werden einzelne Anteile daraus durch Antworten auf den Fragenkanon, unterschieden nach Veranstaltungsarten bzw. -orten: „In wie weit wurden Ihre Erwartungen an die Fortbildungsveranstaltung erfüllt?“ Hierbei verweise ich des Umfangs wegen auf die Bachelorarbeit selbst und stelle als schlechtestes Ergebnis lediglich heraus, dass die Erwartungen „eher nicht erfüllt“ wurden an den Bibliothekartagen. Burkhardt: „Der Bibliothekartag wirkt für die Teilnehmer unübersichtlich und wenig strukturiert“.

Eine weitere Spur findet sich in den 13 Antwortenden, die auf die Frage „Haben Sie neben den bereits genannten noch weitere Vorschläge zu Themen, die Sie interessieren?“ mit einer Vielzahl von Vorschlägen reagierten. Klare Ansage: „Wenn Mitarbeiterinnen nach mehrjähriger Erziehungszeit in die Bibliothek zurückkommen und eine völlig neuen Arbeitsplatz vorfinden, halte ich eine grundlegende Einführung und Einarbeitung für äußerst sinnvoll und wichtig.“ Der mit Abstand häufigste Bedarf … ach, das folgt in einem eigenen Beitrag, sonst wird’s hier zu lang.

Sehen wir uns zuletzt die Leitfragen f. und g. im Spiegel der nächsten Fragestellung näher an.

„Lernen außerhalb formeller Angebote: Wie oft nutzen Sie folgende Informationsmöglichkeiten?“

Die häufigste Informationsquelle ist das Intranet oder die Wikis der eigenen Einrichtung. „Das ist ein Hinweis darauf, wie hoch für die Mitarbeiter die Bedeutung des Wissensmanagements einer Einrichtung ist. Hier wird gezielt nach Informationen für die Lösung eines speziellen Problems gesucht“, so Burkhardt. „Weiterhin wird das Lesen von Fachzeitschriften […] angegeben. Mittels Suchmaschinen wird noch relativ häufig nach Informationen gesucht, das Lesen von bibliothekarischen Blogs und Artikeln findet ebenfalls häufig statt.“

Daraus leite ich wagemutig ab, dass die allermeisten sehr wohl aktuelle Entwicklungen im Bibliothekswesen zu erkennen vermögen – sofern die Fachzeitschriften als „aktuell“ zu bezeichnen sind, wovon auszugehen ist. Doch ob die Entwicklungen für die spezifische Bibliotheksarbeit relevant sind, das könnte eine Fortbildung klären. Doch nicht bei denjenigen, die diesen „unentschieden“ gegenüber stehen. „Auf Verdacht“ werden vermutlich die wenigsten Fortbildungen angeboten oder wird an ihnen teilgenommen. Dazu ist die Finanz- und Personaldecke denn doch zu dünn.

Mein Fazit:

  • Der Bedarf an Fortbildungen älterer Bibliothekskolleg(inn)en ist eher als hoch einzuschätzen.
  • Es fehlen jedoch inhaltlich, zeitlich und finanziell exakt passende Angebote.
  • Es wurden suboptimale Erfahrungen mit Fortbildungen gemacht.
  • Gleichwohl besteht hohes berufliches Interesse und der Wunsch nach Impulsen.
  • Die Erfahrungswerte, aber auch die Nicht-Erfahrungswerte (z. B. beim Wiedereinstieg) älterer Kolleg(inn)en ist Beachtung zu schenken.
  • Also im Grunde nichts Neues: „Die Teilnehmenden dort abholen, wo sie stehen.“ Anders gesagt: Bedarf genau ermitteln und bestmöglichst erfüllen. Punktum.

¹ Hintergrund zur Serie siehe unter Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter …

² Burkhardt, Annett: Die Bedeutung von Fortbildungen für ältere Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter am Beispiel der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg. Bachelorarbeit von Annett Burkhardt … im Studiengang Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam. 2015.

³  n=74 von bis zu 124 Teilnehmenden, die an der Umfrage bis zum Schluss dabeigeblieben sind.

4 alle Ergebnisse wurden von ursprünglich zwei Kommastellen kaufmännisch auf- bzw. abgerundet.

Übersicht der Blogbeiträge zur Bachelorarbeit Burkhardts:

  1. Niemand hat keinen Fortbildungsbedarf, doch viele einen hohen (diese Seite hier)
  2. Fortbildungsbedarfe in Bibliotheken
  3. Erfolgversprechende Meldung von Fortbildungsangeboten für Bibliotheken
  4. Fußnote 68, oder: Lernziel versus Lernergebnis
  5. Urschen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildung (1)
  6. Ursachen nicht erfüllter Erwartungen an Fortbildungen (2)
  7. Bachelorarbeit Annett Burkhardt zur Fortbildung Älterer in Bibliotheken

Fortbildungswünsche – traditionell und modern

Acht Jahre her, als ich mittels Excel-Tabellen und per Post eine großangelegte Fortbildungsumfrage initiierte. Ach, wie einfach wäre das heute doch gewesen. Nun, dennoch muss man sie erst auf den Weg bringen, und dies tat die BIB-Landesgruppe Niedersachsen/remen in diesem Jahr.

Neben Rahmenbedingungen waren natürlich die Fortbildungswünsche entscheidend, denn die Landesgruppen möchten natürlich nicht am Bedarf vorbei planen. Ein bisschen anders ist es beim WEGA-Team. Ich finde es spannend, mit neuen Themen Bedarfe erst zu wecken. Anyway … hier ein Auszug aus dem Verbandsorgan BuB, Forum Bibliothek und Information, H. 7/8, 2013, zusammengefasst von Elke König-Gerdau (Dank an meine ehemalige BIB-Kollegin!)

Am meisten gewünscht:

  • Informationsvermittlung
  • Bibliothekseinführungen
  • Social media-Anwendungen

„Betont“ wurde (ich weiß allerdings nicht, ob das Randbemerkungen waren oder ob’s eine Zahl dazu gibt):

  • Rolle der Bibliotheken
  • Demografie / gesellschaftliche Veränderungen
  • Technische Veränderungen

Als „eminent wichtig“ erscheinen:

  • Bestandsentwicklung
  • E-Medien
  • Science 2.0

Interessant:

  • Interkulturelle Kompetenz und Arbeit mit älteren Menschen stärker gewünscht als der frühere Renner, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder Studenten

Weiterhin „stark gewünscht“:

  • Arbeitsorganisation
  • Kommunikation

Na, bei letzteren Wünschen kann ich ja wunderbar helfen.

Details zum Ergebnis der Fortbildungsrahmenbedingungen hier im bibfobi-Weblog am 2.8.13.